Ein echtes Fest für Tonton

Es wurde ein Fest für Tonton: Aufatmen – er hat es ja gar nicht so mit der Wahrheit, der Intendant des SR, Thomas Kleist. Der Tonton 2016 griff zu seiner Ernennung am Freitagabend tief in die Kiste von Schwindel und Übertreibung.

"Endlich mal wieder einer, der den Preis wirklich verdient hat", lobte am Freitagabend in der Saarlouiser Altstadt SR-Intendant Thomas Kleist sich selbst. Aufatmen! Der Mann fängt seine Rede so an, wie man es von einem neuen Tonton erwartet. Übertreiben, lügen, ungeniert, wie es sich für das Halbdunkel der Altstadt-Theke und vor allem für den namengebenden, erfundenen Erzlügner Michel Tonton gehört. Vorjahres-Tonton Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte seine Wahl begründet: Vor allem damit, dass in der SZ ein Interview mit ihm erschienen war mit der Überschrift "Einfluss der Politik auf den SR gibt es nicht". Fröhlich streitlustig, die Ministerpräsidentin. Das Saarland wolle sich selbstständig machen, nehme einen Sender in Betrieb, Radio Tonton mit Intendant Thomas Kleist. Anruf von Grünen-Chef Hubert Ulrich : Hat Radio Tonton immer recht? Antwort: Ja. Ulrich: Woher weiß man das? Antwort: Der Intendant hat es gesagt. Zusatzfrage Hubert Ulrich : Woher weiß der Intendant das? Antwort: Er hat es gerade im Radio gehört." Frage an Radio Tonton, von Intendant Kleist selbst: Kann man gleichzeitig guter Intendant und guter Sozialdemokrat sein? Antwort: Im Prinzip ja. Aber warum wollen sie sich das Leben doppelt schwer machen?"

Kleist stand dem nicht nach und griff in die Vollen. "Annegret, du hast mich sehr gelobt, aber du hattest auch allen Grund dazu." Er deckte in Anspielung auf den aktuellen Landesslogan Kramp-Karrenbauers geheimen Wunsch auf, die "hier immer was Kleines ganz groß macht, und endlich auf Bundesebene mal was Großes ganz klein machen will". Und war da nicht Merkels Anruf, verschlüsselt: AKKDGG. Wie? "Annegret, du kannst kommen, der Gauck geht."

Die Tonton-Ernennung fand nach vielen Jahren wieder im Bermuda-Dreieck statt, auf der Kreuzung der Altstadt-Straßen. Holger Zenner schaute singend zurück, brachte OB Roland Henz ein herzergreifendes Ständchen, das der als "verfrühten Abgesang auf einen, der noch gar nicht gehen will" verstand, nicht ohne Grund.

Das Altstadtfest geht noch bis Sonntag weiter. Getragen wird es vor allem von den Wirten im Altstadtförderverein.