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Drei Vollblutmusiker werden eins mit ihren Instrumenten

Saarlouis. Giora Feidman ist nach Saarlouis zurückgekehrt. Manfred Bossmann, Vorstand der Klingenden Kirche in Lisdorf, konnte den Star-Klarinettisten bereits das dritte Mal als Gast gewinnen. Zusammen mit Enrique Ugarte, Akkordeon, und Guido Jäger, Kontrabass, begeisterte er das Publikum. Jutta Stamm

"Ich spiele meine Klarinette , um meine Gefühle mit den Menschen zu teilen", lautet sein Credo. Und die Skala ist enorm - schwankt zwischen Melancholie, Verzweiflung, Zärtlichkeit und ausgelassener Freude. Giora Feidman lässt seine Klarinette lachen und weinen, tanzen, jauchzen, jubilieren und schluchzen. Was bleibt, ist diese Liebe zu den Menschen und seine unbändige Begeisterung, die neben seiner genialen Virtuosität alles überstrahlt.

Feidman spielt bereits das dritte Mal in der Lisdorfer Barockkirche, deren Akustik er sehr schätzt. Und er hat zwei außergewöhnliche Musiker mitgebracht: Enrique Ugarte, Akkordeon, und Guido Jäger, Kontrabass , die, wie er, ihre Instrumente in einer Einzigartigkeit beherrschen, dass man sagen möchte: Sie spielen ihr Instrument nicht nur fabulös, sie sind das Instrument. Fantastisch, wie liebevoll und leidenschaftlich sie mit ihnen umgehen. Alle drei spielen sich in Rage, ohne in Rage zu sein, und können sich ebenso zurücknehmen und danach in Poesie schwelgen.

Sinfonische Musik zeitgenössischer israelischer Komponisten wie Ora Bat Chaim und Jazztitel, vor allem Swingmelodien, berühren ebenso wie die traditionelle Klezmer-Musik, in der Feidmann seit vier Generationen zu Hause ist. Kaum einer pflegt und beherrscht dieses instrumentale, gefühlvolle Singen wie er. Auch mit fast 79 Jahren hat der Star-Klarinettist noch einen langen Atem, sodass er Töne - ob auf der Sopran- oder Bassklarinette - ungewöhnlich lange ausreizen kann. Mit überschäumender Lebensfreude steht er auf der Bühne, wirft Handküsse ins Publikum und animiert zum Mitsingen von "Donna Donna" oder dem "Shalom Chaverim" - immer wieder und wieder - bis der Vorhang im Altarraum fällt. Was für ein heiteres, eindringliches Konzert!