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Diethard Adt im Institut für aktuelle Kunst in Saarlouis

Institut für aktuelle Kunst : „Pionier des Corporate Designs“

Der Designer Diethard Adt prägte die Außendarstellung zahlreicher Firmen: Ausstellungseröffnung in Saarlouis.

Der Nachlass ist ein Vorlass, also „eine Zwischenbilanz“, wie Rolf Sachsse, emeritierter Professor für Designgeschichte und -theorie an der Hochschule der Bildenden Künste (HBK) Saar, zur Vernissage im Institut für aktuelle Kunst (IfaK) Saarlouis an der Hochschule der Bildenden Künste sagte. Diethard Adt, von 1989 bis 2004, Professor für Kommunikations-Design und Typografie an der HBK, 2001 bis 2004 auch Rektor, hatte 2018 sein Werkverzeichnis dem Forschungszentrum für Künstlernachlässe zur Aufbewahrung und wissenschaftlichen Auswertung übergeben.

Diethard Adt entwickelte die Logos vieler Unternehmen. Foto: Forschungszentrum für Künstlernachlässe Saarlouis

Jetzt war die Eröffnung einer Ausstellung und die Vorstellung des Werkverzeichnisses „Diethard Adt – Grafikdesign, Typo Design, Foto Design 1962-2018“ – im Saarlouiser Institut. Damit erschließt sich das Forschungszentrum am IfaK ein neues Untersuchungsfeld: Lag das Augenmerk zuvor auf den Bildenden Künsten, so erweitert sich die Arbeit des Instituts mit den Werken Adts jetzt um ein wichtiges neues Gebiet.

Diethard Adt hat saarländische Kulturgeschichte geschrieben. Mit seinen Logos für Unternehmen wie die Saarbrücker Zeitung, Saarberg, die saarländische Investitionskreditbank, auch die internationale Bank von Luxemburg und nicht zuletzt mit dem Signet der Industrie- und Handelskammer stiftete er nicht nur den Zusammenhang von Fotografie und Typografie, sondern auch von Kunst, Wirtschaft und Wissenschaft. Sein Anliegen war, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen nachhaltig bekannt zu machen.

„Adt arbeitet mit demselben Besteck, wie die bildenden Künstler es schon im 16. Jahrhundert getan haben. Doch während diese ihr Tun mit dem eigenen Namen legitimierten, löst sich die gestaltende Tätigkeit des Designs im gesellschaftlichen Gebrauch auf“, erreiche aber auch viel mehr Menschen als die Kunst, sagte Sachsse.

Darüber hinaus führten Adt und die Entwicklung seines Designs vor, wie digitale Ver- und Bearbeitungsschritte in der Druckindustrie zu einer vollständigen Umwandlung der gestalterischen Umgebung geführt hätten, als noch niemand von Digitalisierung gesprochen habe.

Adt, 1939 in Saarbrücken geboren, war Mitbegründer und Art Director einer Werbeagentur sowie Technischer Leiter der Saarbrücker Zeitung. 1971 gründete er das Design- und Typostudio-TYPO CENTER ADT, die erste Layout-Fotosetzerei Südwestdeutschlands, 1977 die Agentur für Corporate Identity und Werbung, Adt & Partner. Die umfangreiche Anwendung des Gelernten an der ehemaligen Staatlichen Werkkunstschule Saarbrücken – bei Oskar Holweck (Grundlehre), Robert Sessler (Grafik) und Joachim Lischke (Fotografie) – befähigte ihn zum anerkannten Designer, der das gesamte Programm beherrscht – vom Einsatz reduzierter Formen über die Rasterung bis zur Helvetica als Schrift in verschiedenen Größen und Farben. Hinzu kam die Fotografie. Adt: „Als Designer haben wir einen praxisorientierten Auftrag. Die Studierenden müssen wissen, dass das, was sie gestalten, nicht eine einmalige Schöpfung ist. Vielmehr geht es um Gestaltung, die reproduzierbar und vervielfältigungsfähig sein muss. Insofern befinden wir uns in einer Vermittlerposition.“

Einige Plakate, Drucksachen und Firmenlogos sind in der gerade von Direktor Jo Enzweiler eröffneten Ausstellung im IfaK zu sehen. Jedes Blatt hat seine eigene Geschichte und weckt Erinnerungen. Sein erstes Plakat entstand als Linolschnitt.

„Man wird Sie sicherlich als herausragenden Pionier des Corporate Designs und der visuellen Kommunikation in unserer Region bezeichnen dürfen“, lobte Gabriele Langendorf, Rektorin der HBK Saar. Die von ihm entworfenen Signets dominierten die Außendarstellungen einer Vielzahl von Industrie- und Dienstleistungsunternehmen. Sie überzeugten durch ihre strukturelle Klarheit und assoziative Formensprache. „Man kann mit Fug und Recht sagen, dass das Antlitz des Wirtschaftsstandortes Saarland von Ihnen maßgeblich mitgestaltet wurde.“ Sein Werkverzeichnis werde eine Anregung und Inspiration für junge Designer und Designerinnen sein.

Jo Enzweiler sowie Marion Jost, Bürgermeisterin der Stadt Saarlouis – sie war in Vertretung von Oberbürgermeister Peter Demmer, dem Präsidenten der Gesellschaft der Förderer, gekommen – betonten die enge Zusammenarbeit von Stadt und Institut, die dem verstorbenen Oberbürgermeister Roland Henz zu verdanken sei. Jost zeigte sich begeistert von der Arbeit des Instituts und sagte ihm weiterhin finanzielle Unterstützung zu

Bis 20. September, Dienstag bis Freitag, 14 bis 18 Uhr, und nach Vereinbarung im Institut für aktuelle Kunst in Saarlouis, Choisyring 10, Tel. (06831) 460 530, info@institut-aktuelle-kunst.de.