| 22:09 Uhr

Public Viewing
Die Vorfreude endet in Enttäuschung

Ungläubiges Staunen gestern beim Public Viewing auf dem Großen Markt in Saarlouis. Die Fans waren auf ein Fußball-Fest und vor allem auf einen Sieg der deutschen Nationalelf gegen Mexiko eingestellt, doch dann gab es eine kalte Dusche für den Weltmeister – und auch für Jean-Claude Gaspard (r) und seine Familie.
Ungläubiges Staunen gestern beim Public Viewing auf dem Großen Markt in Saarlouis. Die Fans waren auf ein Fußball-Fest und vor allem auf einen Sieg der deutschen Nationalelf gegen Mexiko eingestellt, doch dann gab es eine kalte Dusche für den Weltmeister – und auch für Jean-Claude Gaspard (r) und seine Familie. FOTO: Ruppenthal
Saarlouis. Einige Tausend Fußball-Fans verfolgten gestern den WM-Auftakt der deutschen Nationalelf in der Arena auf dem Großen Markt. Die Erwartungen vorm Spiel waren hoch, doch am Ende war die Enttäuschung über die Niederlage noch größer. Von Axel Künkeler

Bereits 90 Minuten vor Spielbeginn warten die ersten Fans auf Einlass in die Arena auf dem Großen Markt in Saarlouis. Wenige Minuten später öffnen die Sicherheitskräfte die Tore an der Rathaus-Ecke. Nach und nach füllt sich der Große Markt mit erwartungsfrohen Fans. Vor dem ersten Spiel der deutschen Nationalmannschaft bei der WM in Russland herrscht allenthalben Zuversicht. Auch bei Alexander Dauster und Aldo Caouo aus Picard. Die beiden 18-Jährigen kommen zum ersten Mal überhaupt zum Public Viewing. „Wir hoffen auf eine gute Stimmung und einen deutschen Sieg“, sagen sie unisono.


Ebenfalls mit 2:1 und 3:1 auf einen deutschen Erfolg gegen Mexiko tippen Sandra und Kai Kochensdörfer aus Wadgassen. Die beiden sind „seit 2006 jedes Mal dabei“ und gehen gleich zu ihrem Stammplatz vor der ersten Barriere mitten auf dem Platz. Kai trägt ein Trikot mit allen vier WM-Titeln und hofft „auf den fünften Stern“. Als eine Erfolgsgeschichte bezeichnet Oberbürgermeister Peter Demmer das Public Viewing in Saarlouis. Auch er tippt auf 3:1 für Deutschland, auch er wird am Ende enttäuscht sein.

Als Interviewpartner vor dem Spiel ist Sebastian Jacob auf der Bühne. Er rechnet mit einem 2:0 der deutschen Mannschaft und einer großen Herausforderung für Marvin Plattenhardt, der für Jonas Hector (Grippe) nachrückt. „Jonas ist schon ein wichtiger Pfeiler des deutschen Teams, das sind schon große Fußstapfen für den Berliner“, meint der Stürmer des 1. FC Saarbrücken.



Nicht nur aus dem Kreis Saarlouis kommen die Fans in die Arena nach Saarlouis. Jean-Claude und Daniela Gaspard sind mit ihren drei Kindern sogar extra aus Orscholz saaraufwärts gefahren. Auch sie sind Stammgäste beim Public Viewing. „Es ist schade, dass Jonas Hector ausfällt“, meint Tochter Franziska. Die Zwölfjährige ist traurig, dass der Saarländer ausfällt.

Dennoch kommt erster Jubel auf, als die deutsche Aufstellung bekannt gegeben wird. Die Namen der deutschen Spieler werden laut gerufen, nur bei Mesut Özil gibt es vereinzelte Pfiffe. Danach die deutsche Nationalhymne, etliche Fans singen mit, dann geht‘s schon los. Doch schnell verfliegt die Euphorie, Bangen und Bibbern angesichts der vielen Torchancen der Mexikaner. Es dauert bis zur 35. Minute, dann fällt tatsächlich das vorher nicht erwartete 0:1. Lozano sorgt für einen Stimmungsdämpfer. Entsetzte Gesichter auf dem Großen Markt, doch mehr als eine Halbzeit bleibt den Jungs von Jogi Löw ja noch.

„Mein 3:1-Tipp kann noch klappen“, bleibt Kai Kochensdörfer optimistisch. Nur müssten jetzt die deutschen Tore auch fallen, „dann hauen wir die weg.“ Jean-Claude Gaspard ist da schon etwas skeptischer: „Wir können froh sein, dass es nur 0:1 steht“, meint er und ahnt Böses. Mexiko sei „ganz klar besser.“ Für Alexander Dauster ist die Stimmung „super gut“, aber das Spiel müsse besser werden: „Wir geben nicht auf“, hofft er auf die zweite Halbzeit.

 Da steigert sich die deutsche Mannschaft, gerade nach der Einwechslung von Marco Reus. Der Weltmeister kommt vor allem in der letzten halben Stunde zu einigen Chancen, aber der Ausgleich will nicht fallen. Dennoch hoffen die meisten – so wie auch Kai Kochensdörfer – auf „zwei späte Tore“. Schließlich „war die zweite Halbzeit deutlich besser“, meint auch Jean-Claude Gaspard, „aber richtig gute Chancen haben doch gefehlt.“ So sind denn auch die beiden 18-Jährigen aus Picard am Ende „sehr enttäuscht“. Beim Public Viewing auf dem Großen Markt hat es ihnen trotzdem gefallen. Alexander und Aldo wollen wieder kommen, vielleicht schon zum nächsten Spiel der deutschen Mannschaft am Samstag gegen Schweden. Wenn es dann auch hoffentlich mit einem Sieg klappt.