1. Saarland
  2. Saarlouis
  3. Saarlouis

Die Tafel in Saarlouis verteilt Essenstaschen bei Notausgabe

Kostenpflichtiger Inhalt: Die Tafel in Saarlouis verteilt Essenstaschen bei Notausgabe : Versprochen: „Wir lassen niemanden allein“

Die Tafel in Saarlouis hat in einer Notausgabe Essenstaschen verteilt. Der erwartete Zulauf blieb dabei aus – aus verschiedenen Gründen.

Die Gasse vor der Notausgabe der Saarlouiser Tafel ist an diesem Dienstagmittag relativ leer. Nur vereinzelt kommen Kunden, nehmen ihre Essenstaschen entgegen, bedanken sich herzlich, wünschen allen weiterhin Gesundheit und gehen wieder. „Normalerweise stehen die Leute hier Schlange“, sagt Ingeborg Paproth-Leinen, Fachbereichsleiterin des Caritasverbandes. Die Caritas unterhält die Saarlouiser Tafel. Bei der Notausgabe herrscht ein anderer Betrieb als sonst: Die Lebensmitteltüten sind schon zusammengestellt, doch nur wenige Kunden nehmen das Angebot an.

Aber warum verteilt die Tafel in Corona-geplagten Zeiten in drei Stunden nur 15 Taschen? „Viele Kunden, die wir haben, sind Rentner. Die können nicht kommen, weil die Ansteckungsgefahr zu hoch ist. Eine alleinerziehende Mutter, deren Kinder zurzeit nicht zur Schule gehen, kann auch nicht mit den Kindern hier erscheinen“, weiß Paproth-Leinen. Ein dritter Grund, warum bei der Notausgabe so wenig los ist: „Viele Kinder wissen nicht, dass ihre Eltern das Essen von der Tafel haben. Wenn die Kinder jetzt nicht in der Schule sind, können die Eltern auch nicht hierher.“ Ein trauriger Grund, findet sie. Umso wichtiger ist es der Frau von der Tafel, „den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen. Die Würde, die sie haben, dürfen sie nicht verlieren. Niemand braucht sich zu scheuen.“

Insgesamt sind drei Caritas-Mitarbeiterinnen an diesem Tag vor Ort, um die Taschen an Menschen zu verteilen, die darauf angewiesen sind. Vor der Ausgabe stecken Hütchen und Absperrgitter den Sicherheitsabstand ab, der auch für die Tafel-Mitarbeiter gilt: „Wir halten uns hier an die aktuellen Richtlinien. Meine zwei Kolleginnen sind im Innendienst und verteilen die Taschen. Ich bin draußen, um Gespräche mit den Hilfesuchenden zu führen.“

Vorsorge für einen Ansturm bei der Tafel, der nicht stattfand. Foto: Joshua Schwinn

Und von denen gibt es viele. Auch wenn sie heute mal nicht den Weg zur Tafel suchen. „Wir sind am Ende des Monats. Das Geld wird knapp“, weiß Paproth-Leinen. Dazu kommt das Corona-Virus. Die Tafel in Saarlouis hatte vor zwei Wochen das letzte Essen und die letzten wohltuenden Worte verteilt. „Gerade deswegen ist es wichtig, nach außen zu kommunizieren, dass wir niemanden allein lassen.“ Weder mit Essensengpässen noch mit Corona-Ängsten. „Die Menschen haben ganz viel Angst. Unsere Beratungsdienste sind momentan auch Seelsorger.“

Auch die ehrenamtlichen Helfer fürchten um ihre Gesundheit. In erster Linie engagieren sich ältere Menschen bei der Tafel und die gehören momentan zur Corona-Risikogruppe. „Die sollen sich jetzt aber schützen und werden deswegen durch uns entlastet“, erzählt Paproth-Leinen. Um die ehrenamtlichen Mitarbeiter und die Risiko-Gruppen der Tafel-Kunden zu schützen und um auf die abnehmenden Lebensmittelspenden zu reagieren, hat die Caritas ihre Einrichtungen bis zum 26. April geschlossen. Tafel-Autos fahren nicht – Kühlhäuser ruhen. Die Bedürftigen werden aber nicht im Stich gelassen. Dafür sorgen Notausgaben und Liefer-Services, bei denen sich hauptamtliche Mitarbeiter und ehrenamtliche Helfer der Stadt (wie am Dienstagmittag in Dillingen) einsetzen.

Die Hilfsbereitschaft von außen ist aus Sicht der Caritas-Mitarbeiterin ungebrochen. Kirchengemeinden sind aktiv, Handelsketten und Privatpersonen. Sie spenden Geldbeträge oder stellen Lebensmittel zur Verfügung. In den 180 Taschen der Saarlouiser Tafel sind Suppenkonserven, Nudeln, Reis und haltbares Brot. Dazu ein Wertgutschein, „um den Bedürftigen auch einen Spielraum zu lassen“, erklärt Paproth-Leinen und denkt an die Allergiker und Kunden mit Unverträglichkeiten. Wurst, Fisch oder haltbarer Käse fehlen momentan.

Eine schöne Geste: Bevor ein Kunde nach seiner Lebensmitteltasche greift, möchte er einen Euro in die Kasse an der Ausgabe legen. Mit dem Euro beteiligen sich die Hilfesuchenden am Projekt der Tafel. Doch das ist in der derzeitigen Notsituation nicht notwendig. „So wahren sie sich ihr Gesicht. Nur weil jemand sozial benachteiligt ist, heißt das nicht, dass er kein Sozialverhalten hat“, weiß die Caritas-Mitarbeiterin.

Trotz der Unvernunft und Egozentrik vieler Bürger, die spätestens beim Blick in die Toilettenpapier-Abteilung mancher Supermärkte deutlich werden, gibt es auch hilfsbereite Menschen, die sich bei ihrer Spende Gedanken machen: Eine Palette mit Überraschungseiern wird vor der Osterzeit sicherlich vielen Kindern ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Wie es weitergeht bei der Tafel, wird nächste Woche entschieden. Die restlichen Essenstaschen kommen erst einmal zum Caritasverband. Hilfsbedürftige können sich dort telefonisch melden. Paproth-Leinen blickt voraus: „Vermutlich vergeben wir dann Einzeltermine, bei denen die Taschen abgeholt werden können, um die Ansteckungsgefahr zu vermeiden. Vielleicht wird die nächste Essensausgabe dann im Caritasverband angeboten. Die Leute können sicher sein: Wir lassen niemanden allein.“

Die Tafel in Lebach öffnet am Donnerstag, 24. März, ab 13 Uhr für eine Notausgabe. Lebensmitteltaschen können von den Kunden abgeholt werden. Auf die Abstands- und Hygieneregeln ist zu achten. Lebensmittelspenden beim Caritasverband Saar-Hochwald, Lisdorfer Straße 13. Terminvereinbarungen unter Telefon (0 68 31) 9 39 90. Geldspenden für Menschen in Not: Kreissparkasse Saarlouis, IBAN: DE58 5935 0110 0000 0783 29, Betreff: „Menschen in Not“.