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„Die Schicksale sind immer wieder andere“

„Die Schicksale sind immer wieder andere“

Mit Stolpersteinen für zwölf Opfer des Nationalsozialismus an sechs Standorten in Saarlouis hat es 2011 begonnen. Am Sonntagvormittag verlegte der Begründer der Aktion, Gunter Demnig, nun weitere Steine zur Erinnerung. Damit erhöhte sich deren Zahl in Saarlouis auf 31.

16 weitere der so genannten Stolpersteine gibt es seit Sonntagvormittag in Saarlouis . Auf diesen markanten Steinen enthält eine quadratische Messingplatte jeweils den Namen eines Opfers der NS-Zeit mit den Daten seines Schicksals. Die ersten fünf Stolpersteine verlegte der Künstler Gunter Demnig gegen 9 Uhr in Roden im Gehweg vor der Thirionstraße 9. Sie erinnern an die jüdische Familie Hanau, die hier wohnte. Das Ehepaar Gabriel Hanau und Susanne Wolff kam ebenso in Vernichtungslagern ums Leben, wie vier ihrer fünf Kinder, Theodor, Rosa, Golda und Flora. Ein Stolperstein für das im Zuchthaus verstorbene KPD-Mitglied Nikolaus Brünnet befindet sich schräg gegenüber vor der Hausnummer 6. Ein weiterer Stein erinnert dort an Günter Massone. Der 14-Jährige war behindert und kam in der berüchtigten Pflegeanstalt Hadamar ums Leben. "Der Hintergrund dieser Aktion ist kein Grund zur Freude", sagte Demnig. Er hat die Stolpersteine entworfen und verlegt sie inzwischen in rund 20 Ländern. 55 000 seien es bislang. Die Arbeit selbst sei zwar zur Routine geworden, sagte er. "Aber die Schicksale sind immer wieder andere."

Erinnerungen an Menschen

Nicht nur die Menschen seien vernichtet worden, sondern auch die Erinnerung an sie sollte verschwinden. So hätten selbst Fotos den Vermerk gehabt: "Zur Vernichtung bestimmt."

Routiniert verlegte Demnig die Steine an vom NBS vorbereiteten Stellen. Anschließend tritt er jedes Mal dezent in den Hintergrund. Mittig vor der Einfahrt zur Feuerwache Innenstadt erinnern vier Steine an Mitglieder der Feuerwehr, die dem NS-Regime zum Opfer gefallen waren. Darunter Simon Eschwege. Die drei anderen haben auch Stolpersteine vor ihren damals letzten Wohnungen. So wie Isidor Juda. Er wohnte in der Zeughausstraße 4. Dort setzte Demnig Stolpersteine für ihn und die Familienmitglieder Rosa, Ludwig, Felix und Elsa Juda.

Paten begleiten Steinverlegung

Die beiden Steine vor der Französischen Straße 13 sind für Ludwig Wollheim und seinen Sohn Leo. Leo wurde in Auschwitz ermordet, Ludwig starb im Ghetto Theresienstadt.

Den letzten Stolperstein setzte Demnig vor der Weißkreuzstraße 7 für Nikolaus Foss. Den ehemaligen Stadtverordneten mit KPD-Mitgliedschaft deportierte die Gestapo aus dem Krankenhaus heraus. Er kam im KZ Dachau ums Leben.

Die Stolperstein-Aktion begleiteten je nach Standort zwischen 30 und 40 Personen. Darunter auch Paten der Steine, wie Feuerwehr, Schulen und Privatpersonen.