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Die Saarlouis Saints: ein Football-Club mit sozialer Ader

Kostenpflichtiger Inhalt: „Was hier passiert, ist überwältigend.“ : Die knallharten „Heiligen“ aus Saarlouis

American Football boomt in Deutschland. Seit Ende 2018 gibt es auch in Saarlouis mit den „Saints“ wieder einen Club, der den harten Vollkontaktsport betreibt. Abseits des Feldes glänzen die „Saints“, aber mit einer sozialen Ader.

„Go hard or go home“ ist auf den Trikots der American Footballer der Saarlouis Saints zu lesen. Frei übersetzt heißt das so viel wie „Gib Vollgas, oder geh’ nach Hause“. Für den harten Vollkontakt-Sport ein passendes Motto.

Doch bei aller Härte auf dem Feld, die nötig ist, um im Football erfolgreich zu sein, haben sich die „Saints“ (zu Deutsch: Heilige) abseits des Platzes der Unterstützung von Menschen verschrieben. „Wir haben diesen Namen auch gewählt, weil wir außerhalb des Sports im sozialen Bereich aktiv sind“, berichtet der Vorsitzende Holger Neumann.

„Wir haben beispielsweise mit einer Spende den Kältebus in Saarbrücken unterstützt, und wir haben eine Kooperation mit dem Haus Mutter Rosa in Wadgassen.“ Den Kindern und Jugendlichen dieser Einrichtung ermöglicht es der Verein unter anderem, kostenlos am Training teilzunehmen, auch die erforderliche Ausrüstung wird gestellt. Ebenso haben die „Saints“ einen Fahrdienst zu den Übungseinheiten eingerichtet. Auch 1500 Euro an Spendengeldern gingen schon ans Haus Mutter Rosa.

Das soziale Engagement in Verbindung mit der Tatsache, dass American Football auch in Deutschland in den vergangenen Jahren einen Boom erlebt, dürften wohl auch zwei der Gründe sein, warum die Saints rasend schnell gewachsen sind. „Mittlerweile haben wir schon über 100 Mitglieder und Spieler“, freut sich Neumann, der die Idee zur Gründung der Saints hatte.

Der 37-Jährige stand früher für die Dillingen Steelhawks und später für die Saarland Hurricanes in der 1. Football-Liga auf dem Feld. „Vor vier Jahren habe ich dann aus beruflichen Gründen eine Auszeit genommen, der Sport hat mich aber nicht losgelassen“, berichtet Neumann lachend. „Ich habe bei Facebook einen Aufruf gestartet, wer Interesse hätte, in Saarlouis Football zu spielen. Was seitdem passiert ist, ist überwältigend.“

Zunächst starteten die „Saints“ Ende 2018 als eine Abteilung des TV Saarlouis. Doch nach ein paar Monaten entschlossen sich die Verantwortlichen zur Gründung eines selbstständigen Vereins. „Es ist zu groß geworden, und wir wollten auch eigenständig sein“, erklärt Neumann.

Der ehemalige Erstligaspieler und seine Mitstreiter wollten ihre eigenen Vorstellungen von einem Club verwirklichen. Dazu gehört das schon angesprochene soziale Engagement, aber auch andere Dinge: „Bei uns soll es um Spaß gehen und nicht um Meisterschaften“, erklärt der 37-Jährige. „Es wird auch keine bezahlten Spieler oder bezahlte Trainer geben.“

Aktuell haben die Saarlouiser schon vier Teams: eine Herrenmannschaft im traditionellen American Football und eine im Bereich Flag-Football (ohne Körperkontakt), dazu eine U 17 und ein Bambini-Team für Kinder ab sechs Jahren. „Auch ein Frauen-Team befindet sich im Aufbau“, berichtet Neumann. „Dort haben wir aber noch zu wenige Spielerinnen, sodass wir unsere Akteurinnen aktuell bei den Trier Stampers spielen.“ Das von Neumann als Chefcoach trainierte Herren-Team, das zu großen Teilen aus Neulingen besteht, soll eigentlich dieses Jahr erstmals am Ligabetrieb teilnehmen. „Nachdem wir Anfang des Jahres bei einem Vier-Nationen-Turnier in Luxemburg den Top-Favoriten aus Belgien mit 55:6 geschlagen haben, war ich der Meinung, dass wir jetzt, nach einem guten Jahr Vorbereitung, bereit dafür sind“, sagt Neumann.

Beim offenen Training der Saints im Januar herrschte reger Andrang. Foto: Basel Bunni Media Art & Design

Die Saints sind nun eines von vier Teams in der Verbandsliga Mitte, die eigentlich bald starten sollte. Wegen der Corona-Krise müssen sich die Saints aber noch gedulden, bevor sie ihre Pflichtspiel-Premiere feiern können. „Stand jetzt ist die Saison zwar noch nicht abgesagt, aber sie verschiebt sich“, berichtet Neumann. Sollte die Runde ganz abgesagt werden, hätte der Neuling aber schon einen Plan B. „Dann würden wir Freundschaftsspiele machen.“ Ihre Heimspiele bestreiten die Saints übrigens im Dillinger Parkstadion.