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Oldtimerfreunde: Die pure Lust auf knatternde Motoren

Oldtimerfreunde : Die pure Lust auf knatternde Motoren

Das Old- und Youngtimertreffen in Fraulautern wurde zum Schaulaufen alter Zweirad-Träume.

„Der Sattel passt nicht“, meckerte ein Experte am Motobecane (Baujahr 1962) von Angelo Delles aus Ittersdorf herum. „Doch, für meinen Hintern schon“, erwiderte Delles schlagfertig. Delles war einer von vielen Ausstellern, die das Old- und Youngtimertreffen des noch jungen Vereins „Freunde historischer Fahrzeuge und Technik“ in Fraulautern ansteuerten, um ihre betagten Vehikel dem staunenden und zuweilen besser wissenden Publikum vorzuführen.

Nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr veranstalteten die Protagonisten des Vereins rund um ihr Vereinshaus in der früheren Feuerwache Ost jetzt wieder, sehr zur Freude der vielen Fans in der Szene, ihr Treffen.

Aus weiten Teilen des Kreises und der Region ratterten die Oldiefreunde herbei. Auch Rolf Nussbaum aus Saarlouis zwängte sich in seinen kleinen Vespa-Car P 3 aus dem Hause Piaggio und rollte auf den drei kleinen Rädern zur historischen Feuerwache.

Mit nur 15 000 Kilometern auf dem Tacho habe er das Fahrzeug erstanden, das in Italien noch heute zum Straßenbild gehört, denn klein und praktisch ist das dreirädrige Gefährt mit einer Pritsche hinten drauf, dass es auch durch die kleinste Gasse passt. „Meine Vespa ist mein Hobby, obwohl sie ja mit 28 Jahren auf dem Buckel streng genommen noch gar kein Oldtimer ist. Sie wird es aber“, da ist sich Nussbaum sicher.

Ansonsten gab es beim Oldie- und Youngstertreffen alles, was zu einem Sommerfest von Oldtimerfreunden gehört, Essen, Trinken und Benzingespräche mit viel Fachkompetenz.

Dass die Freunde historischer Fahrzeuge Fraulautern nicht so ganz dem Klischee entsprechen, zeigt zum einen ihre ambitionierte Jugendarbeit, die dem Nachwuchs nicht nur technische Raffinessen näher bringen will, sondern durchaus auch mit dem Anspruch antritt, soziale Kompetenzen zu fördern. Dazu haben die Freunde einen Pädagogen in ihren Reihen.

Zwei weitere Beispiele sind das liebevoll gestaltete „Magazin zur alternativen Freizeitgestaltung“, das die Vereins­philosophie illustriert und der sogenannte Bücherkühlschrank, eine Büchertauschbörse vom „eiskalten Thriller im Gefrierfach bis zum Nutzgartenbuch im Gemüsefach“.

Im Gespräch mit unserer Zeitung sagte der Vorsitzende Klaus Marx, dass er sich von der Stadt wünsche, die „gefühlt“ unsichere Nutzung in ein langfristiges Mietverhältnis umzuwandeln. 60 Mitglieder hat der Verein zurzeit, Tendenz steigend. In den Sommermonaten gibt es mittwochs ab 19 Uhr einen offenen Garagentreff für alle Mitglieder und alle, die es werden wollen. Aber auch an anderen Tagen sei es nicht ungewöhnlich, den ein oder anderen in der Garage, dem historischen Hackerspace oder im Technikgarten anzutreffen. „Wir sind ein bunter Haufen von Schülern, Akademikern, Handwerkern und Gastronomen“, sagte Marx. Aber, so die Einschränkung, „wir sind kein Reparaturservice, gewerblicher Dienstleister oder Teilehändler. Bei den Freunden historischer Fahrzeuge und Technik bieten Mitglieder sich gegenseitig Hilfe zur Selbsthilfe an.