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Die Naturlandstiftung hat viele Aufgaben

Die Naturlandstiftung hat viele Aufgaben

Seit 40 Jahren kauft die Naturlandstiftung Saar (NLS) ökologisch wertvolle Flächen, um die heimische Tier- und Pflanzenwelt zu schützen. In einer Serie stellen wir die Arbeit der NLS im Landkreis Saarlouis vor. Ihr Vorsitzender, Umweltminister Reinhold Jost, spricht mit SZ-Redakteurin Sarah Konrad über Projekte, Ziele und Konflikte.

Herr Jost, welchen Wert hat die Naturlandstiftung (NLS)?

Reinhold Jost : Die NLS hat es sich zum Ziel gesetzt, Flächen zu bewahren, die einen besonderen Schutz genießen. Etwa, weil sie ein sehr hohes Artenvorkommen von Pflanzen oder Tieren beinhalten.

Wie erreichen Sie dieses Ziel?

Jost: Wir kaufen für den Naturschutz wertvolle Flächen auf, um diese weiter zu entwickeln und so unser saarländisches Naturerbe für nachfolgende Generationen zu erhalten. Außerdem setzen wir Projekte auf Landes,- Bundes,- und EU-Ebene um. Wir führen zum Beispiel Entsiegelungsmaßnahmen durch.

Können Sie dafür ein Beispiel nennen?

Jost: In Hemmersdorf, im Bereich des ehemaligen Campingplatzes. Das war eine überbaute Fläche. Wir haben den ganzen Beton rausgeworfen, die entsprechenden Versorgungsleitungen entfernt und so der Natur Platz gegeben, sich weiterzuentwickeln.

Wie hat sich die Arbeit der NLS in 40 Jahren verändert?

Jost: Das Aufgabenspektrum hat sich ausgeweitet. Die NLS ist mittlerweile auch Eigentümer des Hofgutes Imsbach. Einem Biolandbetrieb mit über 500 Hektar. Wir produzieren zudem Lebensmittel und haben in Theley eine Biometzgerei eingerichtet. Außerdem bereiten wir Flächen als Ausgleichsmaßnahmen vor.

Was heißt das?

Jost: Wenn beispielsweise das Gewerbegebiet Lisdorfer Berg entwickelt wird, gehen dort Flächen verloren, die vorher einen gewissen Wert für Pflanzen und Tiere hatten. Es muss also ein Ersatz her. Und darum kümmert sich die NLS.

Das Aufgabenfeld ist also komplexer geworden.

Jost: Ja, aber unser Kerngeschäft, das Sichern von Flächen und die entsprechende Weiterentwicklung, steht immer noch im Mittelpunkt unseres Handelns.

Sind alle Flächen, die Sie kaufen, Schutzgebiete?

Jost: Nein, die NLS sichert auch Flächen, die nicht in Schutzgebieten liegen. Wir sind im Austausch mit Menschen, die nicht wissen, was mit ihren Grundstücken passieren soll. Das sind etwa Landwirte, die keinen Betriebsnachfolger finden. Wir sichern diese Flächen und wollen so dazu beitragen, dass sich eine weitere, nicht intensive Landwirtschaft im Saarland etabliert.

Die Landwirte werfen der NLS vor, sie würde ihnen Flächen wegnehmen.

Jost: In den vergangenen Jahren ist es uns gelungen, mehrere Hundert Hektar Land in die landwirtschaftliche Nutzung zu nehmen, die zuvor nicht landwirtschaftlich genutzt werden konnten. Außerdem verpachten wir Flächen an Landwirte und zwar prämienbehaftet. Darüber hinaus vergibt die NLS auch Aufträge an Landwirte. Diese übernehmen dann vertraglich geregelte Naturschutzmaßnahmen für uns.

Hat sich das Verhältnis zwischen den Landwirten und der NLS mittlerweile verbessert?

Jost: Gleich nachdem ich Umweltminister geworden bin, haben wir uns mit dem Bauernverband zusammengesetzt und uns die Frage gestellt, wie wir das Verhältnis verbessern können. Wir haben dann 2014 die Flächenbörse eingeführt.

Wie funktioniert die?

Jost: Alle Flächen, die uns angeboten werden, geben wir an den Bauernverband weiter. Der kann sie bei seinen Mitgliedern bewerben. Wenn jemand Interesse hat, kann er das Land in Anspruch nehmen. Die Erfahrung zeigt, dass 90 Prozent der uns angebotenen Flächen von der Landwirtschaft als uninteressant angesehen werden.

Welche Flächen im Landkreis Saarlouis liegen Ihnen besonders am Herzen liegt?

Jost: Die Niedaue und der Saargau. Es gibt aber eine ganze Reihe von Projekten, bei denen die NLS hilfreiche Arbeit im Sinne des Natur- und Umweltschutzes geleistet hat.

Welches Projekt sollte die NLS in Zukunft angehen?

Jost: Aktuell sind wir dabei, das Ensemble vom Forsthaus Neuhaus aufzukaufen. Dort wollen wir mit dem Nabu und der Lebenshilfe ein waldpädagogisches Zentrum errichten. Ob das funktioniert, entscheidet am Ende aber der Landtag.

Reinhold Jost
Der Saargau zwischen Ittersdorf und Berus.

Foto: Rolf Ruppenthal