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„Die Menschen lieben es“

James Francis Gill mit seinem Erkennungszeichen: Fast immer trägt er Hut. Foto: Jo Goertz
James Francis Gill mit seinem Erkennungszeichen: Fast immer trägt er Hut. Foto: Jo Goertz FOTO: Jo Goertz
Saarlouis. Der Amerikaner James Francis Gill begründete zusammen mit Künstlern wie Andy Warhol und Roy Lichtenstein die Pop-Art der 60er Jahre. Wie Gill heute arbeitet, zeigt eine Ausstellung in Saarlouis. Warum er immer wieder Marilyn Monroe darstellt, erklärt er SZ-Redakteur Johannes Werres. we

Herr Gill, Ihr aktuelles Werk erscheint von Porträts dominiert - ganz besonders vom Porträt Marilyn Monroes. Wie kommt es zu dieser Vorliebe?

James Gill: Mein erstes großes Bild war das "Marilyn-Tryptichon", das seit 1962 im Museum für Moderne Kunst (MoMA) in New York hängt. Ich bin immer noch fasziniert von ihrer Erscheinung, und oft bitten mich Leute, noch mehr Marilyns zu malen. Es ist eines der am besten wiederzuerkennenden Bilder, und die Menschen lieben es.

Soweit ich das sehe, war Ihre Marilyn noch vor dem berühmten Porträt, das Andy Warhol von ihr anfertigte?

Gill: Wahrscheinlich ungefähr dieselbe Zeit. Wir hatten zu der Zeit beide eine Ausstellung in New York, und wir hatten beide eine Marilyn darin. Der Unterschied liegt darin, dass meine Marilyn sofort, also noch 1962, vom MoMA erworben wurde, Warhols Marilyn aber erst ein paar Jahre später dort hin kam.

Das war schon 1962, da waren Sie gerade Anfang 30. Gab es danach noch größere künstlerische Erfolge als den, im MoMA vertreten zu sein?

Gill: Das war der bemerkenswerteste. Meine Bilder hängen in vielen anderen Museen, aber das MoMA ist das MoMA. 1967 ereignete sich etwas anderes Wichtiges: Ich war unter den Top 20 der Künstler der USA - die Liste schloss Warhol, Lichtenstein, Indiana und Hopper mit ein. Wir wurden zusammen bei der Biennale in Sao Paolo ausgestellt. Das war noch, bevor einer von uns international bekannt wurde.

Was ist eigentlich so reizvoll daran, ein perfektes Foto, sagen wir von John Wayne , als Vorlage zu nehmen und dann zu verändern?

Gill: Zunächst beauftragte mich das Life Magazine, ein Porträt von ihm zu malen. Wir lernten uns kennen, kamen sehr gut miteinander klar und er sagte: Du bist der Richtige, um mein Porträt zu malen. Für mich war und bleibt die Herausforderung, seine Persönlichkeit und seinen Charakter in meine Bilder einzubeziehen. Außerdem mochte ich ihn sehr, er war wirklich ein netter Kerl.

Welche Bedeutung hat eigentlich das Land Deutschland für Sie?

Gill: Mein erster Kunsthändler war aus Mitteleuropa, aus Wien, und mein derzeitiger (und sicher letzter) Kunsthändler lebt in Deutschland. Ich mag die Schönheit Deutschlands, aber ich komme aus Texas, und deswegen ist es immer eine Herausforderung, mit dem kalten Winter hier klarzukommen. Ich überlege, ob ich Deutsch lerne, weil ich wirklich gern hier bin und um mit den netten Leuten zu kommunizieren, die ich kennenlerne. Sie sind sehr warmherzig, und ich genieße es, mit ihnen zusammen zu essen, zu trinken und zu lachen. Pop-Art war die angesagte Kunst vor allem in den 60er Jahren. Die prominentesten Vertreter kamen aus den USA und Großbritannien, darunter Andy Warhol und Roy Lichtenstein . Warhols "Marilyn Monroe " ist geradezu ein Erkennungszeichen der Pop-Art geworden. Der letzte noch lebende Pop-Art-Gründervater ist James Francis Gill, geboren 1934 in Texas.

Pop-Art-Künstler spiegelten die Seh-Impulse der Alltags-Konsumwelt, sie hielten sich am scheinbar Trivialen fest und schufen eine Bildsprache, die heute zur Alltagskultur gehört. Gill machte 30 Jahre lang künstlerisch Pause. Heute knüpft er an die Pop-Art an, besonders mit seinen Porträts. Der Saarlouiser Galerist Michael Palz präsentiert signierte Serigrafien in einer Ausstellung. Als Grundlage der Porträts benutzt Gill Fotografien, bei der Bearbeitung setzt er auch Computer ein. Gill war am vergangenen Sonntag selbst zur Ausstellungseröffnung gekommen.

Galerie Palz, Lisdorfer Straße 9, Tel. (0 68 31) 9 66 58 00.


Marilyn Monroe, wie Gill sie heute sieht. Ähnlichkeiten zur Marilyn von Lichtenstein sind kein Zufall. Foto: Galerie Palz
Marilyn Monroe, wie Gill sie heute sieht. Ähnlichkeiten zur Marilyn von Lichtenstein sind kein Zufall. Foto: Galerie Palz FOTO: Galerie Palz