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Die meisten Kranken haben es im Rücken

Die meisten Kranken haben es im Rücken

An jedem Tag des Jahres 2014 waren in den Landkreisen Saarlouis und Merzig-Wadern 45 von 1000 Arbeitnehmern krankgeschrieben. Das geht aus dem DAK-Gesundheitsreport hervor.

Die Krankenkasse DAK legt alljährlich einen Gesundheitsreport vor. Bei 80 000 Versicherten im Saarland, davon 15 000 in den Landkreisen Saarlouis und Merzig-Wadern gibt es eine solide Zahlenbasis für Aussagen zur Häufigkeit von Krankheiten, die zu Fehltagen führen. Den Report 2015 mit den Zahlen von 2014, haben gestern in der AHG-Klinik Berus Claus Uebel, DAK-Pressesprecher im Saarland, und Josef Schwickerath, leitender Psychologe der Klinik, vorgestellt.

Der Krankenstand wird in Prozent angegeben. 4,5 Prozent (Saarland: 4,4) in den beiden Kreisen bedeuten, dass an jedem Tag des Jahres 2014 im Durchschnitt 45 von 1000 Arbeitnehmern krankgeschrieben waren. Etwas mehr sind es in den Kreisen Neunkirchen und St. Wendel sowie der Stadt Homburg (4,7 Prozent), etwas weniger im Regionalverband und der Stadt St. Ingbert (4,2).

Die meisten Ausfalltage an der Unteren Saar, nämlich fast jeder vierte (23,7 %), resultieren aus Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen. 18 Prozent Anteil haben die psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Angstzustände. Erfreulich wirkt auf den ersten Blick ein Rückgang von Erkrankungen des Atmungssystems, sprich Erkältungen, aber auch Grippe. "Das liegt aber daran, dass im vergangenen Winter die Grippewelle erst im neuen Jahr kam", merkt Uebel an. Wie eben viele Zahlen für sich genommen noch keine tiefere Einsicht vermitteln. Mit einem Anstieg der Fehltage wegen psychischer Erkrankungen in den vergangenen Jahren ist nicht zwingend erwiesen, dass mehr Menschen psychisch erkranken. Schwickerath erläutert, dass dies zum einen an der inzwischen größeren Offenheit gegenüber diesen Krankheitsbildern liegt, zum anderen aber auch an den längeren Krankschreibungen.

Uebel wünschte sich nicht nur bei den psychischen Erkrankungen mehr Engagement der Unternehmen bei Gesundheitsmanagement und Prävention. Zu wenige hätten verstanden, "dass sich das rechnet, weil Fehltage oft viel teurer sind". Das bestätigt Schwickerath hier beim aktuellen Schwerpunkt des Gesundheitsreports "Gehirndoping", dem Medikamentenmissbrauch am Arbeitsplatz.

"Alarmierend" sind aus Uebels Sicht die Ergebnisse einer Studie, nach der etwa sieben Prozent aller Berufstätigen im Saarland schon mal Pillen zur Leistungssteigerung oder besseren Stimmung im Beruf genommen haben, obwohl sie nicht krank waren. Die Tendenz seit steigend. "Dabei geht es immer um kurzfristige Effekte mit erheblichen Risiken", warnt Schwickerath. Stattdessen wäre es wichtig, berufliche Probleme langfristig in den Griff zu bekommen und nicht mit Medikamenten auf die Schnelle zu überspielen. Ein weites Arbeitsfeld in der Zukunft, sagen die beiden Experten.