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Die Institution in Sachen demenzielle Erkrankungen

Die Institution in Sachen demenzielle Erkrankungen

Anfangs fehlen bloß mal die passenden Worte, dann schwindet nach und nach die Erinnerung – Demenz. Seit jetzt 20 Jahren hilft ein Verein in Saarlouis.

Begonnen hatte der Demenz-Verein Saarlouis mit engagierten Personen der Landkreisverwaltung sowie aus Pflegebereichen. "Mittlerweile sind 95 Prozent der Mitglieder Angehörige", sagt Andreas Sauder. "Ich bin der am längsten zugehörige Mitarbeiter, schon aus der Zeit vor der Gründung. Da war ich bei der Leitstelle Älter werden des Landkreises beschäftigt." Heute ist er Leiter der Landesfachstelle Demenz.

Gegründet wurde der Demenz-Verein am 4. Februar 1997. Als Verein "Hilfen für Menschen mit dementiellen Erkrankungen und ihre Angehörigen im Landkreis Saarlouis e.V.". Dafür bürgerte sich die Kurzform Demenz-Verein Saarlouis ein. Der Landkreis war Vorreiter, sagt Sauder. Anfangs mit einer spezialisierten Wohnanlage in einem Haus in Wadgassen. Im Jahr 2000 folgte die Villa Barbara in Saarlouis, die nach zweijährigem Umbau geöffnet wurde.

Zu den Angeboten gehörten unter anderen Weiterbildungs-Seminare. Aus einem im Jahr sind mittlerweile 71 geworden. Über die Grenzen bekannt ist der Demenzkongress, der 2017 zum 20. Mal stattfindet. Seit 2010 wurde ein gerontopsychiatrisches Netzwerk aufgebaut. Dem gehören inzwischen alle Kommunen im Landkreis an. Eine der wichtigen Aufgaben ist Information über Demenz. Denn immer noch ist das ein Tabu. Sauder: "Es gibt Angehörige, die bitten, dass wir nicht mit dem Auto kommen, auf dem ,Demenz-Verein' steht."

Ende 2012 war die Gründung der Landesfachstelle Demenz. Träger ist der Demenz-Verein. Hauptziele sind die Bündelung der Aktivitäten im Saarland sowie die Saarlouiser Erfahrungen für andere im Land verfügbar zu machen. "Zum Beispiel entsteht in Homburg eine spezialisierte Tagesstätte nach unserem Vorbild." In Saarbrücken ist eine Selbsthilfegruppe zu beginnender Demenz tätig.

Was damals eine Vision war, ist Realität geworden. Und das hat den Demenz-Verein weit über Saarlouis hinaus bekannt gemacht. Im Südwesten ist diese Einrichtung noch immer einmalig. Ein maßgeblicher Antrieb in dieser Entwicklung war der 2004 gestorbene Dezernent Michael Heck. "Nach seinem Tod war das eine ganz schwere Zeit für uns", erinnert sich Sauder. Im selben Jahr folgte Gerald Schlupp als Vorsitzender, seit 2011 ist es Dagmar Heib.

Zehn Plätze für Tagesbetreuung gab es beim Start in Wadgassen, in der Villa Barbara dann 21. Seit 2016 sind die um 20 aufgestockt. Pro Monat werden dort etwa 100 Personen betreut, das Personal umfasst 35 Leute plus Honorarkräfte. Derzeit liegt die Zahl der Demenzkranken im Landkreis bei etwa 4500. Für das Jahr 2050 wird mit einer Verdopplung gerechnet. "Wir brauchen neue Wohnformen und spezialisierte Pflegedienste", blickt Sauder deshalb nach vorn.

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 Andreas Sauder
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Die Institution in Sachen demenzielle Erkrankungen

Der Demenz-Verein Saarlouis feiert sein 20-jähriges Bestehen am Freitag, 28. April, 10 Uhr, mit einem Festakt im Vereinshaus Fraulautern. Neben Grußworten unter anderen von Sozialministerin Monika Bachmann, Oberbürgermeister Roland Henz und Monika Kuhn, Vorsitzende der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft, spricht die ehemalige saarländische Sozialministerin Regina Görner über "Herausforderung Demenz". Musikbeiträge kommen von Kerstin Schuldgen und dem "HeartChor Saar".