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Die hohe Kunst der Schriftmalerei

Katharina Pieper bezeichnet ihre Kunst als kalligrafischen Expressionismus. Fotos: Sascha Schmidt/Stadt
Katharina Pieper bezeichnet ihre Kunst als kalligrafischen Expressionismus. Fotos: Sascha Schmidt/Stadt
Saarlouis. Katharina Pieper, gebürtige Saarlouiserin, zeigt erstmals im Museum Haus Ludwig Werke auf Papier, Leinwand und Seide. Nach der Begrüßungsrede von Oberbürgermeister Roland Henz und der Laudatio von Museumsleiterin Claudia Wiotte-Franz sprach die Künstlerin über ihre Liebe zu der Schreibkunst. Jutta Stamm

"Das Sinnliche ist der Weg zum Sinn", schreibt Katharina Pieper in malerischer Schrift, zunächst spiegelbildlich, auf die Plexiglaswand, die zwei Räume des Ateliers (vorübergehend) trennt, und trifft damit die Essenz ihrer künstlerischen Arbeit. Mit dem Titel ihrer Ausstellung "Wortsinnlich" hat sie, wie sie verrät, die Überschrift eines Artikels über sie in der Saarbrücker Zeitung übernommen. Er gefiel ihr.



"Kalligrafie", aus dem griechischen "Kallos" und "Graphein" zusammengesetzt, ist die Kunst des schönen Schreibens", erläutert Claudia Wiotte-Franz den Besuchern, die in großer Zahl zur Vernissage gekommen sind, und lobt die Arbeiten der Künstlerin. Immer noch einen hohen Stellenwert werde der Kalligraphie im asiatischen Raum zugemessen. Aber auch im westlichen Kulturkreis habe sie sich seit dem Mittelalter behauptet. Als Schreibwerkzeuge nennt sie die Hand, den Pinsel, den Federkiel oder einen gewöhnlichen Stift.

Pieper, die zu den renommiertesten Schriftkünstlerinnen der Welt zählt, geht seit Ende der 80er Jahre ihren eigenen Weg. Sie verbindet asiatische mit westlicher Kalligrafie, vereint Malerei und klassische Schriftkunst. Nach dem Diplom als Kunstdesignerin studiert sie lateinische und außereuropäische Schriften in Theorie und Praxis. Meister aus China, Japan und Korea prägen ihren Pinselstrich.

Inzwischen hatte sie zahlreiche Ausstellungen weltweit, von denen die Kalligrafie-Biennale von Sharjha in den Vereinigten Arabischen Emiraten, St. Petersburg, Mumbai, Korea und Südafrika nur einige Stationen sind. Auch arbeitet die Künstlerin als gefragte Dozentin, die ihre Kunst im In- und Ausland weiter vermittelt und bekannt macht.

Katharina Piepers Leidenschaft ist es, mit Worten zu spielen - im künstlerisch-kalligrafischen Sinn sowie im Schreibfluss eines Textes, wobei sie nach eigenen Worten "nicht nur persönlich nahestehendes Gedankengut wählt, sondern sich auch eigener Ideen, Wörter, Sätze bemächtigt, die ihr beim Schreiben zufallen. In fließendem Prozess verschmelzen sie mit der jeweiligen Schrift. Gerne bezeichnet sie ihre Arbeit als kalligrafischen Expressionismus. "Die Berührung des Pinsels oder der Feder, die Bewegung, der Schreibrhythmus, die Wahl der Farben" - all diese Aktionen machen den sinnlichen Prozess aus. Für sie ist das Schreiben ein hoch komplexer Vorgang, der Auge und Hand, Hirn und Herz in Einklang bringt. "Schrift setzt Sprache ins Bild, und die Kalligrafie haucht ihr Leben ein", sagt sie.



Von dieser Sinnlichkeit, die ihr Wesen ausmacht, und der Liebe zur Sprache erzählt diese Ausstellung.

Die Künstlerin behauptet: Ein kalligrafisch geschriebener Text kann wie ein Musikstück nicht nur im Ausführenden, sondern auch im Betrachter etwas zum Schwingen bringen. Vielleicht ermuntern die Kunststücke, die Schönheiten der Schrift und ihre sinnlichen Inhalte auf unterschiedlichen Materialien in unterschiedlichen Formaten den einen oder anderen Besucher, wieder einmal mit der Hand zu schreiben und dieser Schwingung nachzuspüren.

Bis 7. August. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 10 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr. Gespräch und Signierstunde mit Katharina Pieper in der Ausstellung sind am Samstag, 30. Juli, 15 Uhr.

Mit Hand, Pinsel, Federkiel oder Stift erschafft Pieper ihre Werke.
Mit Hand, Pinsel, Federkiel oder Stift erschafft Pieper ihre Werke.
Katharina Pieper stellt im Museum Haus Ludwig aus.
Katharina Pieper stellt im Museum Haus Ludwig aus.