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Die Frohe Botschaft mit Fröhlichkeit feiern

Die Frohe Botschaft mit Fröhlichkeit feiern

Die Kantorei und das Ensemble Una Volta führten in der gut besuchten evangelischen Kirche Saarlouis Charpentiers „Messe de Minuit pour Noël“ auf. Im zweiten Teil des Programms folgten a-cappella-Weihnachtsmotetten. Als Hommage an Martin Luther zum 500. Reformationsjubiläum sangen die Kirchenbesucher zusammen mit der Kantorei klassische Weihnachtslieder. Die Leitung hatte Joachim Fontaine, der auch die Orgel im Altarraum spielte.

Die "Messe de Minuit" des Barockkomponisten Marc-Antoine Charpentier steht in der französischen Tradition, die Botschaft der Geburt Christi mit ausgelassener Fröhlichkeit zu feiern. Zehn alte französische Weihnachtslieder werden in der um 1694 entstandenen Mitternachtsmesse verarbeitet. Das geistliche Werk gehört zu den populärsten Messen und wird zur Weihnachtszeit gerade in Frankreich gerne aufgeführt.

Wahrscheinlich wurde das Werk von den Jesuiten der Kirche Saint-Louis (heute Saint-Paul-Saint-Louis) in Paris in Auftrag gegeben, für die Charpentier ab 1687 als "maître de musique" tätig war.

Zehn Weihnachtslieder

Es gehört in die Tradition der Parodiemesse, die Melodien von zehn damals bekannten und beliebten Weihnachtsliedern (Noëls) als cantus firmus beinhaltet. Damit greift Charpentier auf eine Technik zurück, die bereits im vierten Zeitalter der Frankoflamen (1520-1550) verwendet wird. Das mit zwei Flöten, Miriam Grapp und Bernhard Stilz, drei Streichern, Ortrud Gölzer und Pamela Buell (Violine) sowie Walter Keller, Cello, und Joachim Fontaine an der Orgel eher klein besetzte Instrumentalensemble hat in selbstständigen Sätzen wesentlich Anteil am musikalischen Geschehen und wechselt mit unterschiedlichen Gruppierungen der Vokalstimmen ab.

Mal spielen nur die Flöten oder eine von beiden allein, mal gestaltet Fontaine solistisch reine Orgelpassagen. Gerade die Flöten, die auch mal gewechselt werden, von der Altflöte zur Blockflöte , von der Blockflöte zur Piccoloflöte, verleihen der Messe den lebhaften, tänzerischen Charakter, obwohl das Werk auch strenge, lineare Passagen enthält.

In den meisten Fällen geht den einzelnen Sätzen eine instrumentale Einführung voraus, die das Quintett harmonisch und intonationssicher gestaltet. Insbesondere der Sopran beeindruckt.

Zugaben gefordert

Die sieben Stimmen werden auch in hohen Tonlagen sicher und strahlend geführt. Insgesamt ist die Kantorei Saarlouis stimmlich gut aufgestellt. Ein schönes Konzert, dem auch viele Kinder beiwohnen.

Im zweiten Teil bekommt das Publikum Gelegenheit, zwei Weihnachtslieder mitzusingen, während der Chor a cappella drei Weihnachtsmotetten der englischen Tradition in Sätzen der Spätromantiker Edgar Pettman, William Walton und Charles Wood singt. Bei so viel Beifall sind zwei Zugaben unumgänglich.