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Die Bau- und Siedlungsgesellschaft GBS Saarlouis wird 90 Jahre alt

Sozialer Wohnungsbau : „Der Markt wird nicht helfen“

Bezahlbare Wohnungen sind ein knappes Gut. Aus wechselnden Gründen, aber immer. Das zeigt die Geschichte der Gemeinnützigen Bau- und Siedlungsgesellschaft mbH Saarlouis (GBS). Sie ist jetzt 90 Jahre alt.

Der Markt wird sozialen Randgruppen nicht helfen“, schreibt der Geschäftsführer der Gemeinnützigen Bau- und Siedlungsgesellschaft mbH Saarlouis (GBS). Er trifft damit den Zweck des Unternehmens bei Gründung vor genau 90 Jahren ebenso wie die Begründung eines kommunalen Wohnbau-Unternehmens heute.

Wobei: Das Gesellschaftsbild dahinter sieht aus wie ein Spiegelei. Die Mitte, sozusagen das Gelbe vom Ei, und drumherum der Rand, der besonders breit ist. Die Beschaffung bezahlbaren Wohnraums „für die minderbemittelten Volksklassen“ hieß das 1929, „breite Schichten der Bevölkerung“ heißt es heute.

Die GBS gehört heute zu 97,8 Prozent der Kreisstadt Saarlouis und zu 2,2 Prozent der Kreissparkasse Saarlouis. Gegründet worden ist sie als Aktiengesellschaft (bis 1938).

Heute besitzt die GBS in Saarlouis 933 Wohneinheiten mit rund 63 700 Quadratmetern Wohnfläche. Etwa sieben Prozent der Saarlouiser wohnen in GBS-Immobilien. Der Mietpreis bei den fast durchgängig sanierten Wohnungen liegt im Schnitt bei 5,30 Euro.

Hinzu kommen einige gewerbliche Objekte und die Verwaltung von über 3000 Einheiten fremden Grundbesitzes. Die GBS hat heute 30 Mitarbeiter mit Geschäftsführer Knut Kempeni an der Spitze. Den Aufsichtsrat führt Oberbürgermeister Peter Demmer, die übrigen Mitglieder werden von den Fraktionen im Stadtrat gestellt.

Für Kempeni kennzeichnet die GBS die Kombination von öffentlichem Eigentum und Unternehmertum in privatwirtschaftlicher Rechtsform. „Besonders geeignet, um den Versorgungsauftrag von Kommunen zu meistern.“ Die GBS kann also handeln wie ein Privatunternehmen, steht aber unter öffentlicher Kontrolle. Das G im Namen steht für „gemeinnützig“. Das bezieht sich heute nur auf den Auftrag des Unternehmens. Es ist seit dem Steuerreformgesetz von 1990 keine steuerrechtliche Bezeichnung mehr. Seitdem ist die GBS in der Wahrnehmung ihres Auftrages aber auch freier. Sie konnte nun auch Hallen (Lisdorf 1994/5), Fraulautern 1991/2) oder Kitas (Picard) bauen. Und sie war Experimenten gegenüber aufgeschlossen: Im Mai 2009 zum Beispiel eröffnete die GBS das Gebäude Wohnen 50plus in der Adlerstraße, ein viel beachtetes und nachgefragtes Konzept zum Wohnen im Alter mitten in der Stadt. Allerdings: Das ist erst zehn Jahre her, und die von Anfang an oft kritisierte Architektur würde heute so nicht mehr genehmigt.

Einem anderen Experiment machte die Bankenkrise ein Ende. Die GBS plante seit 2003 ein Edel-Wohnprojekt „Contregarde Vauban“. Das Gelände hieß damals „Alter Schlachthof“. Nach dem teuren Abbruch des Projektes entdeckte die Stadt den wahren Wert des Geländes. Dort wurden Fundamente und Gräben der Vauban-Festung freigelegt und teilweise rekonstruiert – seitdem ein wesentliches Element des touristischen Aufschwungs von Saarlouis.

In den Jahren danach blieb die Aktivität der GBS vor allem (scheinbar) unspektakulär. Sie sanierte und modernisierte große Teile ihres Wohnungsbestandes. Davon zeugen etwa die Zeughausstraße oder die Hochhäuser in der Fasanenallee. Der Zustand dieser Substanz dürfte vorbildlich sein. 2017 folgten Modernisierung und Neubau am Husarenweg. In diese Jahre fällt auch die Unterbringung von Flüchtlingen.

Das größte Bauvolumen innerhalb der 90 Jahre wickelte die GBS zwischen 1967 und 1980 ab. Die Lage in den 60ern ähnelte in manchem der aktuellen: Junge Familien kamen neu nach Saarlouis und fanden keine Mietwohnung. Sie kamen damals, weil Ford seine Fabrik aufbaute. 1967 stellte die GBS das erste Wohnhaus im neuen Stadtteil Steinrausch hin. Hier hat sie inzwischen 161 Eigenheime gebaut. Zuletzt stellte sie dort zudem 100 Wohnungen in der Thomas-Mann-Straße fertig.

Aus der Boom-Zeit stammen auch das so genannte Ford-Hochhaus an der Wallerfanger Straße und die Hochhäuser in der Fasanenallee.

Diese Boom-Zeit folgte auf die letzten Ausläufer des Wiederaufbaus der kriegszerstörten oder -beschädigten Häuser. Neu gebaut wurden Sozialwohnungen damals wegen der Regeln für Fördermittel allein in Regie der Stadt, nicht der GBS. Die Stadt errichtet Quartiere wie „An der Molkerei“, „Am Bahnhof“ oder „Fraulauterner Siedlung“.

Mit der Beseitigung der Wohnungsnot hatte es 1929 auch begonnen. Bis 1936 baute die GBS nur Mietwohnungen wie „Obstgarten“ in Lisdorf und in der Mühlenlängtstraße in Roden. 1938 entstanden 70 Wohnungen am Bahnhofsplatz und in der Bahnhofstraße.

Ab 1936 beteiligte sich die GBS massiv an der Errichtung der bis heute als Wohnlagen begehrten Siedlungen in Beaumarais, Roden und Fraulautern. 205 Siedlungshäuser zählt die GBS-Statistik.

Der breite Rand des Spiegeleis namens Gesellschaft ist jetzt, 90 Jahre nach der Gründung der GBS, wieder größer geworden. Die Gruppe der Menschen mit geringem Einkommen wächst, das Wohnen wird gleichzeitig teurer.

modell für den zeughausplatz Foto: gbs
Geschäftsführer Knut Kempeni leitet die GBS seit 2014. Foto: STefanie Gerber, GBS/Stefanie Gerber, GBS
Gründungseintrag ins Handelsregister 1929. Foto: GBS
Der halbe Straßenzug wurde abgerissen. Foto: gbs/GBS
So sah die Ecke Adlerstraße vorher aus. Foto: gbs/GBS
Wohnen 50plus in der Adlerstraße. Foto: gbs/GBS
Typische GBS-Farben in der Zeughausstraße. Foto: GBS
Das Gebäude sah vor der Sanierung so aus. Foto: GBS
Engelbert Feld, Geschäftsführer seit 2005  Foto: Seeber
Das so genannte Ford-Hochhaus entstand während eines Baubooms in Saarlouis. Foto: GBS
Thomas-Mann-Straße: Hundert Wohnungen hat die GBS hier fertiggestellt – ihr bislang letzter Akt auf dem Steinrausch. 1967 hatte sie den Grundstein für den neuen Stadtteil gelegt. Foto: GBS
Husarenweg: Eine der jüngsten Maßnahmen der GBS. Ein Teil des Bestandes wurde energetisch saniert, 17 neue Wohnungen entstanden. Foto: GBS
Willi Heible war GBS-Geschäftsführer von 1985 bis 2004. Foto: Heike Theobald
GBS-Modernisierungsobjekt am Bahnhof in Roden. Foto: GBS

Nachdem der soziale Wohnungsbau jahrelang von der Tagesordnung verschwunden war, steht er jetzt bundesweit wieder drauf. Ohne dass man von Wohnungsnot sprechen kann, sieht GBS-Geschäftsführer Knut Kempeni einen steigenden Bedarf auch in Saarlouis. Auch mit Blick auf älter werdende Menschen und Migranten. Die GBS-Warteliste wird wieder länger.