Deutlicher Trend zu Urnengräbern

Deutlicher Trend zu Urnengräbern

Was soll nach dem Tode mit der sterblichen Hülle geschehen? Die Antwort auf diese Frage war früher in unseren Breiten fast ausnahmslos „Erdbestattung“. Das hat sich stark verändert. Die Zahl der Urnenbestattungen nimmt zu. In einer SZ-Serie zeigen wir, wie sich das in den Städten und Gemeinden des Landkreises verhält.

Klassische Gräber, wie hier in Friedrichweiler, werden seltener.

Die Bestattungskultur in Deutschland unterliegt seit einigen Jahren einem sehr starken Wandel. Vor allem der Trend von der früher üblichen Erdbestattung zu deutlich mehr Urnenbestattungen ist unverkennbar. Dadurch verändern auch die Friedhöfe der 13 Kommunen im Landkreis Saarlouis ihre Gestalt. Dennoch gibt es unterschiedliche Entwicklungen, wie eine Umfrage der Saarbrücker Zeitung bei den Städten und Gemeinden ergab.

Am deutlichsten ausgeprägt ist der Trend zur Urne in Überherrn und Wadgassen mit 80 bis 85 Prozent aller Bestattungen. Auch in den Gemeinden Rehlingen-Siersburg (75 Prozent) und Schmelz (67) sowie den Städten Saarlouis (70) und Dillingen (65) machen Urnenbeisetzungen rund zwei Drittel und mehr aller Bestattungen aus. Starke Zunahmen verzeichnen auch Lebach und Nalbach, wo der Anteil der Urnen-Bestattungen ebenso wie in Schwalbach (55), Saarwellingen (56) und Bous (58) inzwischen die Fünfzig-Prozent-Marke überschritten hat.

Enorm angestiegen sind die Urnen-Bestattungen auch in der Gemeinde Wallerfangen. Lagen Urnen- und Erd-Bestattungen im Jahr 2012 noch gleichauf, so liegt der der Urnen-Anteil im laufenden Jahr bei rund 87 Prozent: ein Spitzenwert für den Kreis mit 78 Urnen- bei insgesamt 90 Bestattungen. Schon 2011 hat Wallerfangen im Ortsteil Bedersdorf eine erste Urnenwand errichtet. Von den sieben Kammern sind derzeit zwei belegt. Ob weitere Urnen-Wände auf den elf Friedhöfen Wallerfangens aufgestellt werden, hängt derzeit noch von den Gremien der einzelnen Ortsteile ab.

Eine Ausnahme im Landkreis Saarlouis scheint nur Ensdorf zu bilden. Hier halten sich die Urnen- und Erdbestattungen weitgehend die Waage, wie Annegret Luxenburger vom Friedhofsamt berichtet. Seit 2008 hat sich der Urnen-Anteil kaum verändert und liegt mit 45 Prozent sogar noch hinter den Erdbestattungen. Zwar laufen derzeit Planungen für weitere Urnen-Gräber, doch besonders stark gefragt sind in Ensdorf vor allem die Rasengrabflächen. Rasen-Reihengräber für Erdbestattungen sind hier "ein starker Trend".

Obwohl die Gebühren für Rasengräber etwa in der Gemeinde Nalbach deutlich höher sind als für ein Einzelgrab oder gar ein Urnengrab, nimmt diese Form der Erdbestattung dort ebenfalls einen breiten Raum ein, berichtet Patricia Groß vom Standes- und Friedhofsamt. 25 Jahre lang übernimmt die Gemeinde die Rasenpflege, sodass der Pflegeaufwand für die Angehörigen gering ist. "Niemand will mehr pflegen", nennt Groß als wesentliche Ursache für den Wandel in der Bestattungskultur . Die finanziellen Auswirkungen für die Gemeinde kann sie derzeit noch nicht abschätzen. Die gerade erst angehobenen Friedhofsgebühren sollen zum Jahresende nochmals überprüft werden.

Geringere Pflegeintensität und niedrigere Kosten für die Angehörigen sind denn auch für den Trend zur Urnenbestattung in Wadgassen ursächlich. Durch das geringere Gebührenaufkommen bei gleichzeitig erforderlichen Investitionen etwa in Urnenwände, sah sich die Gemeinde jedoch gezwungen, die Gebühren für Urnenbestattungen erst in jüngster Vergangenheit anzuheben. Ob sich der rasante Anstieg von knapp 40 auf gut 80 Prozent in den nächsten Jahren noch weiter fortsetzen wird, bleibt daher abzuwarten. Wadgassen hat 2013 den zuletzt nicht mehr genutzten Spurker Friedhof reaktiviert und dort Themen-Grabanlagen für Rasengräber sowie Gräber mit besonderer Gestaltung zur Verfügung gestellt, die auf den übrigen Friedhöfen nicht zugelassen sind.

< wird fortgesetzt