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Ehrung
Der Wille ist das wirklich Entscheidende

Alle klar zum Fototermin: Die besten Behindertensportler des Kreises Saarlouis wurden von Landrat Patrik Lauer (links) ausgezeichnet.
Alle klar zum Fototermin: Die besten Behindertensportler des Kreises Saarlouis wurden von Landrat Patrik Lauer (links) ausgezeichnet. FOTO: Johannes A. Bodwing
Saarlouis . Der Landkreis Saarlouis ehrte erfolgreiche Behindertensportler. Einschränkungen müssen keine Beschränkungen sein. Von Johannes Bodwing

Disziplin und klare Ziele machen ihren Erfolg aus. Das erwähnten die behinderten Sportler bei Gesprächen nach der 26. Ehrung für Behindertensportler des Landkreises Saarlouis immer wieder. „Sie zeigen, dass Einschränkungen keine Beschränkungen sind“, sagte Landrat Patrik Lauer im Sitzungssaal des Kreisständehauses. „Denn diese großen Erfolge können sich sehen lassen.“ Das sei auch ein Zeichen in die Gesellschaft hinein, was sich mit entsprechendem Willen erreichen lasse.



„Sie vertreten nicht nur den Landkreis weltweit, sondern das ganze Saarland“, ergänzte Axel Riedschy, der Präsident des Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbandes Saarland, BRS. Denn unter den ausgezeichneten Sportlerinnen und Sportlern sind auch frühere Teilnehmer der Paralympics. Eine davon ist die Bogenschützin Katharina Schett, 25, Teilnehmerin der Sommer-Paralympics 2008 in Peking. 2020 stehen die Spiele in Tokio an.

„Ob das realistisch ist?“, überlegte Schett zur möglichen Teilnahme. Eine Antwort darauf könne die deutsche Meisterschaft in diesem Jahr liefern. „Aber ich weiß schon recht genau, wo ich stehe. Da ist noch Raum nach oben.“ Zum Bogenschießen kam Schett über ihren Großvater, berichtete sie. „Es ist ein sehr ästhetischer Sport. Aber damit es auch so aussieht, braucht man Kraft.“ Die bringe das entsprechende Training. 16 Kilo müsse sie beim Wettbewerb am Bogen ziehen, und das etwa 90 Mal.

Begonnen hat sie mit diesem Sport im Alter von vier Jahren, erste Wettkämpfe machte sie mit sieben. „Am Anfang war es Spaß. Dann hat man gemerkt, dass ich das nötige Talent habe“, erzählte sie. Richtig einschätzen lässt sich die Leistung von Katharina Schett erst vor dem Hintergrund ihrer Erkrankung, Spina bifida (Wirbelspalt). „Wenn ich nicht so viel Sport machen würde, wäre ich gesundheitlich nicht so gut dran. Die meisten Leute, die das haben, sitzen im Rollstuhl“, sagte sie.

Eisstockschießen ohne Eis praktiziert eine Gruppe um Maria Turner. „Bosseln“ heißt der Sport mit Teams von je drei Personen, der in der Halle ausgeübt wird. „4,65 Kilogramm wiegt das Gerät, darunter sind Bürsten.“ Sie mache das seit 21 Jahren, seit 20 Jahren nehme sie an deutschen Meisterschaften teil. Nun schaffte das Frauenteam zum zweiten Mal nach 1997 den Deutschlandpokal. Der Sport und das Training baue auf und stärke Kontakte zu anderen, sagte Turner.



Erfolge auf der Kegelbahn verzeichnen Ingo Wagner, 64, und Andreas Will, 59. Wie bei den Wettkämpfen komme man auch im Training auf 100 Würfe in die Vollen. Die Behinderungen beim Behindertenkegeln reichen von Blindheit über Hörprobleme bis zu körperlichen Einschränkungen. In welcher Gruppe man antrete, entscheide ein Sportarzt.

„Es gibt Tage, da geht es einem nicht so gut“, gestand Carmelo Gangarossa, 41. Er ist an Multipler Sklerose erkrankt. Er kämpfe dagegen an, was immer wieder einen enormen Willen erfordere. Gangarossa will bei den Paralympics 2020 in Tokio dabei sein. Mit dem Recurve-Bogen. Der hat im Gegensatz zum normalen Bogen zusätzlich ein Visier und Stabilisatoren. „Im Oktober 2014 hatte ich zum ersten Mal einen Bogen in der Hand“, erzählte Gangarossa. Im Saarland habe er alle Meisterschaften gewonnen und bundesweit alle Turniere. „Seit ich diesen Sport angefangen habe, habe ich alle meine Ziele erreicht.“

Katharina Schett (Archivfoto) – die Bogenschützin peilt nach Peking 2008 nun die Paralympics 2020 in Tokio an.
Katharina Schett (Archivfoto) – die Bogenschützin peilt nach Peking 2008 nun die Paralympics 2020 in Tokio an. FOTO: Oliver Dietze