| 20:46 Uhr

Neuer Chef der Martin-Luther-King-Schule
„Der Lehrer macht das für dich, nicht für sich“

Udo Ulrich war stellvertretender Schulleiter am Schengen-Lyzeum. Seit Beginn dieses Schuljahres leitet er die Martin-Luther-King-Gemeinschaftsschule in Saarlouis.
Udo Ulrich war stellvertretender Schulleiter am Schengen-Lyzeum. Seit Beginn dieses Schuljahres leitet er die Martin-Luther-King-Gemeinschaftsschule in Saarlouis. FOTO: Thomas Seeber
Fraulautern. Udo Ulrich ist der neue Leiter der Martin-Luther-King-Gemeinschaftsschule in Saarlouis-Fraulautern. Er kommt vom Schengen-Lyzeum in Perl und ist Fachmann für Didaktik, also Lehrmethoden. Und er tanzt. Von Johannes Werres

Der neue Leiter der Martin-Luther-King-Gemeinschaftsschule (MLK) in Saarlouis kommt vom Schengen-Lyzeum in Perl. Udo Ulrich war an dieser deutsch-luxemburgischen Vorzeigeschule des Saarlandes stellvertretender Schulleiter und Didaktikleiter. Er folgt am MLK auf Bernd Schmitz. Im Gespräch holt Ulrich weit aus, aber er kommt immer wieder zu einem Thema: „Doch, es lohnt sich, man kann auch einen einzelnen Schüler retten. Das ist mir ganz wichtig. War es immer.“ Darum setze er sich auch als Schulleiter hin, um mit Schülern in Schwierigkeiten zu reden. Junge Leute wollten wahrgenommen werden, und manchmal müsse das eben so sein. Einer, erinnert er sich an Perl, sei drei Jahre lang da gesessen. „Später kam er zu meiner Überraschung und sagte, er wollte sich bedanken, ohne diese Gespräch hätte er sich nicht so entwickelt. Sagte ein Junge mit 16!“


Das passt zur MLK. Gerade ist die Schule mit dem QVP-Gütesiegel der Saar-Uni ausgezeichnet worden. Es bescheinigt systematische Weiterentwicklung in einem Zweijahreszeitraum. Eltern bescheinigten da der Schule zum Beispiel, weniger Hausaufgabenstress zu erzeugen. Und dass die Anleitung zur Selbstreflexion der Schüler, Entwicklungsgespräche und das schulische Lerntagebuch sehr hilfreich seien. Das, sagt Ulrich, führe den Jungen und Mädchen auch vor Augen, wie sehr es an ihnen selber liege, auf einem guten Weg zu sein. Es helfe eben auch dabei, „mal einen einzelnen Schüler zu retten“, man könne den jungen Leuten klar machen, „der Lehrer macht das für dich, nicht für sich“.

Die MLK befindet sich mit 28 Lehrkräften auf dem Weg zur reinen Ganztagsschule. Zurzeit 320 Schüler, eine überschaubare Schule, weswegen es, sagt Ulrich, möglich sei, die Hauptfächer nur morgens zu unterrichten. „Das wollte die Schulgemeinschaft so.“ Man arbeitet in zehn Teams, geleitet von Ulrich und seinen beiden Stellvertreterinnen Andrea Nüske und Cornelia Nauhauser.



Es hat sich sehr viel verändert an dieser Schule, seit Ulrich sie zum letzten Mal betreten hat. Das war, um sein 10. Schuljahr zu absolvieren. Denn er stammt aus Fraulautern. 1966 geboren, Klosterschule in Fraulautern, heute verheiratet, eine Tochter, ein Sohn. Lehrer werden wollte er immer schon, sagt er. Und ging einen ungewöhnlichen Umweg.

Musiklehrer hatte seinerzeit Aussichten, also übte und übte er Gitarre, „drei Stunden am Tag, mit 16, um Lehrer zu werden.“ Als ihm klar wurde, dass er dafür auch Klavier brauchte, versuchte er es lieber mit Geographie und Germanistik.

Musikalisch aber blieb er intensiv: Tanzen. Er ging zum Tanzsportclub Rubin, drei Mal die Woche, absolvierte die Trainerausbildung, tanzte bis zur S-Klasse, bis heute amtiert er als Wertungsrichter bei Deutschen Meisterschaften. Vor fünf Jahren rief er die saarländischen Schultanzmeisterschaften ins Leben. Letzter Durchgang mit 453 Teilnehmern.

Beruflich führte der Weg von Ulrich über die Gesamtschulen Ludweiler und Wadgassen, ins Ministerium, dort zuständig für Grundsatzfragen im Bereich Gesamtschulen, dann zur Gemeinschaftsschule Rastbachtal in Saarbrücken und von 2014 bis 2018 ans Schengen-Lyzeum. Zwischendurch studierte er Schulmanagement (Master) in Kaiserslautern. Ulrich bekennt sich ausdrücklich zur „guten Laune“ nach 25 Jahren Schuldienst. Spaß ist für ihn wichtig.„Deswegen ist die  breite Angebots-Palette am Nachmittag so wichtig. Von Leichathletik bis Theater, es soll jedem Spaß machen.“ Schule sei heute ein Lebensraum. „Sie muss auch das leisten, was früher das gemeinsame Spielen auf der Straße war.“ Zum Schluss erzählt er noch von einer Begegnung in seiner neuen Schule.

Einem Schüler, mit dem er öftere redete, drohte Schulverweis. „Na und“, habe der zurückgegeben, „dann komm ich halt nicht mehr.“ Aber, wand Ulrich ein, „dann hättest du auch diese Gespräche nicht mehr.“ Der Junge habe innegehalten. „Das wäre schade.“