Der Kesselschumi

Hemmersdorf. Auf der Treppe zum Keller eines Einfamilienhauses in Hemmersdorf schlägt beißender Ölgeruch entgegen. Ursache ist der Brenner eines Heizkessels, der gerade von Joachim Steuer und seinen beiden Mitarbeitern mit Zangen bearbeitet wird. Seit einer halben Stunde ist er jetzt, um neun Uhr, vor Ort

Hemmersdorf. Auf der Treppe zum Keller eines Einfamilienhauses in Hemmersdorf schlägt beißender Ölgeruch entgegen. Ursache ist der Brenner eines Heizkessels, der gerade von Joachim Steuer und seinen beiden Mitarbeitern mit Zangen bearbeitet wird. Seit einer halben Stunde ist er jetzt, um neun Uhr, vor Ort. Aufgrund von "Altersschwäche" hat der Kessel ausgedient und wird von dem Heizungsinstallateur durch ein energiesparendes Modell ersetzt. "Nach 15 bis 20 Jahren sollte man so ein Ding schon mal austauschen. Außerdem kann man mit dem neuen Kessel ein Drittel Energie sparen", erklärt der Installateur. Der neue Niedrigtemperaturkessel misst mit Außenfühlern die Temperatur und heizt nur soviel, wie wirklich gebraucht wird. Der ausgediente Stahlkoloss muss weg. Zuerst entfernen die Installateure seinen orange lackierten Blechmantel, und man kann ins Herz des Heizgerätes sehen. Unter einem Gewirr von Steinwolle kommt ein pechschwarzer Edelstahl-Kasten zum Vorschein. Jetzt echte Knochenarbeit: Den 150 Kilo schweren Kessel nach draußen zu transportieren ist eine Herausforderung für die Muskeln. "Für so einen Stahlheizkessel braucht man eben schon mal ein bisschen Kraft", meint Steuer. Und die muss er, zusammen mit seinem Lehrling Steven-Niklas Knittl, auch tatsächlich aufwenden, als sie feststellen, dass das Rollbrett für den Transport durch den Keller nicht durch die Tür passt. Als "Kesselschumi" bezeichnet sich der seit 1995 selbstständige Installateurmeister, während er den zur Verschrottung freigegebenen Stahlhaufen durch die Garage zu seinem Wagen manövriert.Draußen steht schon das neue Modell, bereit die nächsten 20 Jahre das Haus mit Wärme zu versorgen. Viel ist noch nicht zu erkennen. Der neue Apparat ist noch in alle Einzelteile zerlegt und in Kisten verpackt. Als es ans Anschrauben der Füße geht, müssen die Handwerker feststellen, dass ein Schräubchen fehlt. Oder besser vier. Steuer ist aber auf alles vorbereitet und hat die fehlenden Einzelteile schnell aus seinem Werkzeugkasten gezaubert. "Normalerweise kommt so etwas nicht vor", meint der erfahrene Installateur. Nachdem das neue Monstrum zusammengesetzt ist, muss es im Keller angeschlossen werden. Die Verbindung mit den großen und kleinen Rohren wie Warm- und Kaltwasserzufuhr oder Zirkulationsleitung wird die drei Arbeiter in den nächsten beiden Tage beschäftigen.

HintergrundArbeit ist ein Räderwerk, das niemals still steht. Rund um die Uhr wird irgendwo gearbeitet. Viele Tätigkeiten greifen ineinander, um die Wirtschaft und unser Leben am Laufen zu halten.Die SZ geht vor Ort zu den Menschen, die Tag und Nacht arbeiten. So entsteht ein Mosaik der Berufswelt in unserer Region rund um die Uhr. Und im Stundentakt: SZ-Journalisten besuchen Männer und Frauen für je eine Stunde an ihren Arbeitsplätzen und berichten darüber. red