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Ausstellung
Der gemeinsame Nenner heißt Poesie

Paul Bertemes vor den Werken seines Vaters Roger Bertemes im Institut für aktuelle Kunst in Saarlouis.
Paul Bertemes vor den Werken seines Vaters Roger Bertemes im Institut für aktuelle Kunst in Saarlouis. FOTO: Thomas Seeber
Saarlouis. Bis Ende März werden im Institut für aktuelle Kunst in Saarlouis Tuschezeichnungen von Roger Bertemes ausgestellt. Von Jutta Stamm

Das Forschungszentrum für Künstlernachlässe in Saarlouis zeigt Tuschebilder des Luxemburgers Roger Bertemes. Zur gut besuchten Vernissage sprachen Jo Enzweiler, Direktor der beiden Einrichtungen, und Sohn Paul Bertemes, Kunstvermittler. Die Laudatio hielt der Luxemburger Kunstkritiker Professor Lucien Kayser.


„Künstlernachlässe sind Verpflichtungen, wertvolle Geschenke mit der Auflage, sie als eine Art Vermächtnis zu betrachten, das nicht nur konserviert, sondern aufgearbeitet, archiviert und dauerhaft zugänglich gemacht werden soll“, sagte Paul Bertemes zur Vernissage mit farbigen Tuschezeichnungen seines Vaters Roger Bertemes im Forschungszentrum für Künstlernachlässe am Institut für Aktuelle Kunst in Saarlouis. Dieser Verpflichtung hat er sich nach dem Tod des Vaters im Jahr 2006 zusammen mit dem jüngeren Bruder, dem Archäologen Professor François Bertemes, gestellt. Beide sehen sich als „care-­taker“ mit verantwortungsvoller Um- und Weitsicht.

 Wer sich die Werke von Roger Bertemes erobern will, sollte etwas über seine Verbundenheit mit der Natur, mit Landschaften und seiner gedachten Verknüpfung von Kunst und Dichtung wissen. Bertemes war Bildender Künstler und Poet und sah seine Malerei als Poesie. Seinen Tuschebildern haftet trotz Schwernis durch felsenartige Gebilde Leichtigkeit an im Spiel mit der Horizontalen wie mit der Vertikalen. Er versteht es, auf weißer Fläche Farbfelder in Schwarz, Grau und minimalistisch eingebrachtem Rot tanzen zu lassen, die seinem spontanen Malgestus entsprechen. Auf der scheinbar rein formalen Ebene gibt es „scharfe, unerbittliche Striche, daneben die weiche Auflösung der Konturen, die Transparenz der Hintergründe“, sagt Paul Maas in seinem Aufsatz „Ein Spurensucher, der Spuren hinterlässt“. Strenge entsteht durch Andeutungen geometrischer Formen. Das Träumerische behauptet sich neben dem Handwerklichen oder auch Didaktischen. Improvisiertes Theater, das vom Rhythmus des Künstlers dominiert wird und auch mal über das Blatt hinausführt.

Roger Bertemes ist einer der Künstler, die es geschafft haben, nicht nur in ihrer Heimatregion, sondern weit darüber hinaus, grenz­überschreitend und gerade im Saarland Akzente zu hinterlassen. Deshalb erscheint es nur angemessen, dass Professor Jo Enzweiler, Leiter des Instituts für Aktuelle Kunst und Begründer des angrenzenden Forschungszentrums für Künstlernachlässe, diesen hoch geschätzten Luxemburger Künstler in den sehr schönen, hellen Räumlichkeiten zeigt.

Gezeigt werden die Werke bis 29. März. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 14 bis 18 Uhr, und nach Vereinbarung.