Der Engel hängt schief am Grab

Berus. Noch recht harmlos klang das in einer Meldung der Polizei am 28. Februar dieses Jahres. Von "Grabschmuck und Rohre in Berus geklaut" war da die Rede. Über 30 Geschädigte gebe es, an der Oranna-Kapelle sei ein Kupferrohr gestohlen sowie ein Zinkrohr am Toilettenhäuschen. Das war viel mehr, meldete sich darauf eine Leserin in der Redaktion

Berus. Noch recht harmlos klang das in einer Meldung der Polizei am 28. Februar dieses Jahres. Von "Grabschmuck und Rohre in Berus geklaut" war da die Rede. Über 30 Geschädigte gebe es, an der Oranna-Kapelle sei ein Kupferrohr gestohlen sowie ein Zinkrohr am Toilettenhäuschen.Das war viel mehr, meldete sich darauf eine Leserin in der Redaktion. Beim Ortstermin am nächsten Nachmittag standen dann rund ein Dutzend Betroffene auf dem Beruser Waldfriedhof. Die meisten verärgert, zum Teil wütend, aber alle auch betroffen und traurig. "Das ist, als hätte jemand in der Wohnung eingebrochen", schildert eine Frau. "Die sind auf den Gräbern herumgetrampelt, beim Versuch Figuren aus der Halterung zu reißen."

Fotos zeigen sie von den Schäden. Mindestens 50 Gräber seien betroffen, heißt es. An Grabsteinen wurden Kreuze verbogen, die aber zu gut befestigt waren, um sie mitgehen zu lassen. Bronzener Grabschmuck sei gestohlen worden und Blumenschalen, selbst Kupferabdeckungen auf Holzkreuzen. "In der Grabplatte sind jetzt Löcher drin", weist jemand auf Schäden hin. "Ich weiß noch gar nicht, wie ich das machen lassen soll."

Andere demonstrieren, wie locker ihre Grabsteine jetzt sind. Um die Sicherheit wieder herzustellen "wird das einiges kosten". "Alles aus Kupfer und Bronze haben die mitgenommen. Das liegt wohl derzeit im Trend", meint jemand ärgerlich. "Die haben die Mülltonnen ausgekippt, um ihr Diebesgut abzutransportieren."

Etwas weiter ist das Regenfallrohr am Toilettenhäuschen verschwunden. An der Oranna-Kapelle fehlen alle Regenfallrohre, an einer Ecke sind mehrere Meter aus dem Blitzableiter herausgeschnitten. "Sollen wir jetzt nur noch Plastikschmuck auf die Gräber machen?", fragt eine ratlos. Und eine Frau zeigt ein Foto. "Den Engel auf unserem Grab haben sie nicht abbekommen, der hing danach schief am Grab. Den stellen wir auch nicht mehr auf, der kommt jetzt in den Garten." Vor etwa fünf Wochen muss es losgegangen sein. "Ich habe gleich eine Anzeige bei Polizei gemacht", berichtet eine Betroffene. Der zuständigen Polizeiinspektion Bous liegen bislang 24 Anzeigen vor, hieß es dort auf Anfrage.

Ein "Einzelfall" sei Berus derzeit. Fußspuren habe man gesichert. Allein in Bezug auf die 24 Anzeigen geht die Polizeiinspektion Bous von einem Schaden von um die 11 000 Euro aus. "Wir hoffen auf Hinweise aus der Bevölkerung." Das könnten Angaben zu verdächtigen Personen sein oder zu einem Kleintransporter, mit dem das Diebesgut wohl abtransportiert wurde. Die Tatzeit liegt zwischen 18 Uhr abends und acht Uhr morgens von Sonntag auf Montag, 26./27. Februar. Nicht damit abfinden wollen sich Betroffene. "Wir sind dabei eine Belohnung zusammenzutragen", betonen sie.

 Ein verwüstetes Grab blieb nach dem Beutezug von Rohstoff-Dieben auf dem Beruser Friedhof zurück. reproFoto: Johannes Bodwing
Ein verwüstetes Grab blieb nach dem Beutezug von Rohstoff-Dieben auf dem Beruser Friedhof zurück. reproFoto: Johannes Bodwing

Hinweise an die Polizei Bous unter Telefon (0 68 34) 92 50.