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Rathaussturm
Demmers Amtszeit endet nach fünf Wochen

Ergebenheitsadresse: Der Herr in der dieses Jahr offenbar beliebten weißen Kapitäns-Uniform ist OB Peter Demmer. Hier erkennt er messerscharf: Er muss von Bord.
Ergebenheitsadresse: Der Herr in der dieses Jahr offenbar beliebten weißen Kapitäns-Uniform ist OB Peter Demmer. Hier erkennt er messerscharf: Er muss von Bord. FOTO: Thomas Seeber
Saarlouis. Das organisierte Narrentum wird beim Rathaussturm auch mit dem neuen Oberbürgermeister von Saarlouis locker fertig.

Peter Demmers Amtszeit als Oberbürgermeister von Saarlouis endete am Donnerstag nach nur fünf Wochen im Amt. Das schnelle Aus führten die vereinigten Saarlouiser Fastnachtsvereine im Handstreich herbei - Demnmers Spötteln, „ihr kriegt ja nix geregelt“ versackte bei einer der Wiederholungen hoch droben am Rathausfenster.


Als letzter Akt vor dem eigentlichen Sturm spielte der Fanfarenzug Ensdorf „Wir wollen unsern Kaiser Wilhelm wieder haben, mit Bart, mit Bart“. Den Kaiser konnte niemand liefern, aber Demmer hätte in seiner weißen Kapitänsuniform wohl auch bella figura in der kaiserlichen Marine gemacht. Nutzte alles nichts. Auch Reiner Callmund nicht, der im Rathausfenster das ausfüllte, was Demmer freiließ. Aber Achtung, Heimtücke: Obernarr Hans-Werner Strauß, der die Narren-Offensive dirigierte, und das mit gutem Auge fürs Geschehen („Ich begrüße die Zehntausende begeisterter Narren“), entdeckte auch: Der Calli kommt aus dem Rheinland, der ist einer von uns hier. Also kein so guter Rathaus-Verteidiger

Demmer gab sich eher gelangweilt angesichts einer Kanonade nach der anderen, denn jeder angerückte Verein drückte einmal auf auf die Wort-Kanone. Die meisten klagten über die Zustände in den städtischen Mehrzweckhallen und versprachen, das jetzt selbst zu regeln. Demmer: „Gardinenpredigten wie daheim – und am Schluss heißt es dann: Alles nicht so schlimm“.

Demmer fühlte sich sicher – „ich habe den Calli hier und die Bundeswehr, den Stadtrat und die Verwaltung“, schallte es aucg die frierenden Narren. „Haste nit was aanständiges?“ – „Verräter!“

Auf irgendein vergiftetes Kompliment der Narren, dass ja mal das Rathaus fastnachtlich geschmückt sei, entgegnete Demmer, der erst im Januar seinen Rathaussessel eingenommen hat: „Neuer Kapitän, und alles läuft besser.“



Und dann zogen sie ein, rein ins Warme: der Spiel- und Fanfarenzug Neuforweiler, SKC de Boules, die Picarda Fräsch, Karo Blau Gold Roden samt Stadtprinzenpaar Heike I und Uwe III., und dem Kinderprinzenpaar LIlly I. und Vlado I., die LiGeKa Lisdorf, die Faasend Rebellen vom Steinrausch, die GKG Faulautern und von dort das Lauterner Artillerie-Korpos mit der alles entscheidenden Kanone.

Strauß am Ende frohlockend: „Uwe III regiert jetzt – und der Peter ist schon gar nicht mehr zu sehen.“

BIs Aschermittwoch jedenfalls nicht. Dann kehrt der Käpt’n zurück aufs Schiff, aufs sinkende, wie ein Fastnachter unkte? Knall. Bumm. O-Ton Strauß.