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Demenzverein Saarlouis leidet mehrfach unter Corona

Kostenpflichtiger Inhalt: Angehörige besonders belastet : Demenzverein in Saarlouis beklagt das Leid der kranken Menschen

Alles, was Demenzkranke brauchen, geht derzeit kaum noch: geregelte Abläufe, vertraute Bezugspersonen, Körperkontakt. Der Demenzverein Saarlouis leidet darunter besonders stark.

Die Corona-Pandemie bringt den Demenz-Verein Saarlouis, bundesweit eine Vorzeige-Einrichtung, in ein dreifaches Dilemma. Der Umgang mit demenzkranken Menschen sei derzeit extrem schwierig, sagte die Vorsitzende des Vereins, Dagmar Heib, am Donnerstag. Denn körperliche Zuwendung sei wichtig im Umgang mit ihnen, Schutzkleidung und Masken schufen Barrieren. Die meisten Demenzkranken könnten den rationalen Erklärungen für die Schutzmaßnahmen aber nicht folgen. Heib: „Wichtig ist in Corona-Zeiten, wie immer, eine Vertrauensbasis, sprich feste Bezugspersonen, klare deutliche Sprache in kurzen Sätzen, behutsamer Umgang, zugewandt zu der Person, auch körperlich zugewandt. So kann man zum Beispiel die Händedesinfektion in den Umgang einbauen. Das Tragen von Mundschutz schafft natürlich eine Barriere. Da sind die Augen und die Hände besonders gefordert.“

Zugleich muss der Verein seine Tagespflege schließen. Dort werden Demenzkranke betreut, um die Angehörigen zu entlasten. Kurzarbeit sei grundsätzlich angemeldet, sagte Heib. Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dies genau betreffen werde, sei aber noch unklar.

Um irgendwie weiterzumachen, hat der Verein seine direkte häusliche Betreuung verstärkt, um Angehörige wenigstens etwas zu entlasten. „Da wünschen wir uns“, sagt Heib, „das weiter hochfahren zu können, „allerdings ohne bürokratische Monsterhürden in der Abrechnung durch die Pflegeversicherung, insbesondere für die Angehörigen“.

Landtagsabgeordnete Dagmar Heib ist Vorsitzende des Demenzvereins Saarlouis. Foto: Michael Schönberger

Die Nachfrage wachse, sagt Heib. Der Demenzverein beantrage deswegen die Zulassung als ambulanter gerontopsychiatrischer Pflegedienst. Der Gesetzgeber sehe da derzeit eine einfache und schnelle Zulassung vor.

Für die Tagespflege diskutiert der Demenzverein derzeit über Notgruppen, etwa für Angehörige bestimmer Berufsgruppen. Aber ist ist, sagt Heib, schwierig, schon der Transport der Menschen sei „hochrisikobehaftet“.

Drittes Problem für den Demenzverein: Corona trifft ihn wirtschaftlich. Die Tagespflege ist geschlossen, bleibt es laut Heib auch, weil die Gäste dort besonders gefährdet seien. Die Tagespflege falle unter den Rettungsschirm für Pflegeeinrichtungen, die Erstattung durch die Pflegekassen werde aber nicht 100 Prozent betragen.

Wirklich gravierend aber seien die Einnahmen aus den Veranstaltungen zu Fort- und Weiterbildung des Vereins. Und die fielen jetzt weg, im Bereich Fort- und Weiterbildung gebe es keinen Rettungsschirm. Dazu gehöre auch die jährliche Frühjahrstagung, die erheblich zun Budget des Vereins beitrage. „Wir sind im Moment umso mehr auf Spenden angewiesen, die helfen, die extremen Folgen abzumildern.“ Lockerungen für Fort- und Weiterbildung würden dem Verein erheblich nutzen, unterstreicht Heib.

Der Verein hat derzeit 36 Beschäftigte sowie eine Vielzahl von Ehrenamtlichen und betreibt in Saarlouis die Villa Barbara, das erste Zentrum für Demenz im Saarland. In der Tagespflege hat der Verein nach eigenen Angaben seit Beginn des Jahres auf den 41 Plätzen rund 80 untershiedliche Personen betreut.