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Demenz-Cafés
Demenz-Cafés geben den Menschen Zeit

Gegen das Alleinsein: Das „Café Vergissmeinnicht“ dient als Treffpunkt und Anlaufstelle.
Gegen das Alleinsein: Das „Café Vergissmeinnicht“ dient als Treffpunkt und Anlaufstelle. FOTO: dpa / Armin Weigel
Kreis Saarlouis. Die Betreuungsgruppen für Demenzkranke des DRK im Kreis entlasten Angehörige und helfen Betroffenen. Von Barbara Scherer

Sie hören auf den schönen Namen „Café Vergissmeinnicht“ – und sie leisten wichtige Arbeit im Kreis: die Demenz-Cafés in Saarwellingen, Differten und Schmelz, die der Kreisverband Saarlouis des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) betreibt. Diese Betreuungsgruppen sind Angebote sowohl für die demenzkranken Menschen selbst als auch für die Angehörigen, um diese zumindest für ein paar Stunden zu entlasten. Die Einrichtungen erfreuen sich dabei wachsender Beliebtheit. Diese Tatsache und der gesellschaftliche Wert eines solchen Angebotes, verbunden mit der Aufgabe eines Wohlfahrtsverbandes, lassen der Kreisvorsitzenden und Sozialministerin Monika Bachmann genauso wie dem Kreisgeschäftsführer Harald Messinger keine Zweifel, dieses Projekt weiterzuführen und gegebenenfalls auszuweiten.


Die Treffen in den Demenz-Cafés im Kreis Saarlouis dauern jeweils drei Stunden. „Die Leute kommen, und zunächst gibt es ein kurzes Gespräch, wenn die Angehörigen noch da sind“, erläutert Anke Even von der Projektleitung. Der Kontakt zu den Angehörigen sei wichtig, da diese oft Fragen hätten oder Hilfe benötigten. „Die Leute sind oft überfordert“, weiß Even – deshalb sei es wichtig, mit ihnen zu sprechen, beispielsweise zusätzlich in speziellen Gesprächskreisen.

Doch im Zentrum der Cafés steht die Beschäftigung mit den Erkrankten. Zunächst steht dabei Musik auf dem Programm. „Wir singen alte Melodien von früher, die die Leute noch kennen“, erläutert Even die Auswahl der Lieder. Dabei sei immer wieder festzustellen, dass auch Menschen, die sich kaum noch artikulieren können, mitsingen. „Musik ist der Königsweg zu Demenzkranken“, ist Anke Even überzeugt.

Nach dem gemeinsamen Gesang gibt es von den ehrenamtlichen Helfern selbstgebackenen Kuchen, und es wird über früher gesprochen. Dabei betreue im Optimalfall ein ehrenamtlicher Helfer einen Demenzkranken, erläutert Even. Die Helfer müssen alle eine Basisschulung im Demenzbereich absolvieren, bevor sie im Café aushelfen können, sodass sie in Notsituationen passend reagieren können. In jedem Café sei zusätzlich zu den Ehrenamtlichen eine leitende Fachkraft vor Ort.

Diese Anzahl von Helfern macht es möglich, im Café Einzelbetreuungen anzubieten – beispielsweise, wenn einer der Gäste nicht an einer Gruppenaktivität teilnehmen kann oder will. „Man soll die vorhandenen Fähigkeiten nutzen“, betont Even. Und wenn die Menschen bei einer Betätigung zum Beispiel fahrig würden, werde etwas anderes gemacht.



Neben Bewegungsübungen wie Gymnastik oder Spaziergängen stehen nach Evens Worten auch Aktivitäten auf dem Programm, die zur aktuellen Jahreszeit passen. „Zu Ostern haben wir in Schmelz Ostereier bemalt“, nennt sie ein Beispiel, und in der Adventszeit komme der Nikolaus in die Demenz-Cafés. Bei einigen Aktionen würden Erinnerungen an früher geweckt, beschreibt Even und nennt ein Beispiel: Beim Zimtwaffelbacken vor Weihnachten habe eine Frau erzählt, wie sie das früher gemacht habe.

Generell ist es bei Demenz so, dass Erinnerungen aus dem Langzeitgedächtnis vergleichsweise lange erhalten bleiben, erläutert Even. Deshalb könnten sich die Menschen beispielsweise an die Kriegsjahre erinnern, aber nicht mehr an die Namen ihrer Enkel. Den Ablauf von Demenz erklärt sie mit dem Beispiel eines Bücherregals: Wenn das Gedächtnis ein Bücherregal wäre, dann verschwinde durch die Demenz aus dem Kurzzeitgedächtnis „immer wieder eine Seite pro Tag“. Und bei einer weit fortgeschrittenen Erkrankung gehe alles „über Empathie und Wertschätzung“, ergänzt sie. Wichtig sei es ebenfalls, nicht in Eile zu verfallen, betont sie: „Demenzkranke brauchen Zeit.“