Delegiertenversammlung IG Metall in Saarlouis

IG Metall : Vorstandswechsel bei den Metallern

Die Delegierten der IG Metall Völklingen wählen Lars Desgranges zum Nachfolger von Robert Hiry. Ralf Cavelius wird zweiter Mann.

Arbeitsplätze sind nicht nur in den großen Unternehmen gefährdet. Was bei Ford, Dillinger Hütte und anderen passiert, hat Folgen bis in kleinere Betriebe und Geschäfte hinein. In dieser Phase erfolgt der Vorstandswechsel bei der IG Metall-Geschäftsstelle Völklingen. Am Mittwochabend bestimmte die 13. Delegiertenversammlung im Vereinshaus Fraulautern das neue Vorstandsduo. Die Wahl von Lars Desgranges, 40, zum ersten Bevollmächtigten und Kassierer sowie Ralf Cavelius, 47, zum zweiten Bevollmächtigten bedeutet auch eine Verjüngung des Vorstandes um jeweils etwa 20 Jahre.

Trotz allem zeigten sich die bisherigen Amtsinhaber, Robert Hiry, 63, und Guido Lesch, 64, auch erleichtert vom Ende ihrer Amtszeit. Hiry ist noch bis Ende April im Dienst. „Ich war 49 Jahre lang ein Getriebener des Terminkalenders“, sagte er dieser Zeitung. So lange ist er schon bei der IG Metall. Auch Lesch findet jetzt wieder mehr Zeit, um nicht nur zielorientiert zu diskutieren. Philosophische Fragen beschäftigen ihn, und inwiefern Digitalisierung die Menschen verändern wird.

Etwa dreieinhalb Stunden lang wählten 131 Delegierte ihren neuen Vorstand sowie Delegierte für den Gewerkschaftstag und die Tarifkommission. Zahlreiche Anträge wurden beschlossen, darunter Betriebsrente für alle und gegen Gewalt an Frauen.

Desgranges dankte Robert Hiry und Guido Lesch für deren Ideen und Antrieb. Hiry habe „die Geschäftsstelle Völklingen geprägt und nach vorne gebracht, wie kaum ein anderer“. Zusammen mit Lesch sei dies „über 14 Jahre das beste Führungsduo, was man sich vorstellen kann“ gewesen. Das Ergebnis dieser Führungsarbeit stellte Hiry im Geschäfts- und Kassenbericht dar. Neben zahlreichen Erfolgen auf betrieblicher Ebene betonte er die Stärke der IG Metall. Bundesweit waren es Ende 2018 rund 2,3 Millionen Mitglieder. Dagegen verloren die großen Parteien etwa die Hälfte ihrer Mitglieder. Für Völklingen verzeichnete Hiry im Februar 29 148 IG-Metaller. Ein Zuwachs von 1,5 Prozent, während es auf Bundesebene 0,1 Prozent waren. Nach Wolfsburg, Salzgitter-Peine und Emden steht Völklingen deutschlandweit auf Platz vier von 155 Geschäftsstellen der IG Metall. 2002 war es noch Platz 10. Auch finanziell stehe Völklingen gut dar. Von 2000 an stieg der Ortskassenbestand von 1,025 Millionen Euro auf nun 4,66 Millionen Euro. Damit sei man „hervorragend gewappnet für die Aufgaben, die vor uns stehen“. Als Risikofaktoren wertete Hiry unter anderen den Präsidenten der USA, einen möglichen Handelskrieg mit China und die Situation der Autoindustrie in Deutschland. Aber auch Digitalisierung, Klimawandel und Globalisierung führten zu „tiefgreifenden Umbrüchen“.

Der neu gewählte Vorstand der IG Metall-Völklingen (von links): Der zweite Bevollmächtigte Ralf Cavelius mit dem ersten Bevollmächtigten Lars Desgranges. Foto: Bodwing

„Die vor uns liegenden Zeiten werden nicht einfacher, sie werden schwerer“, verdeutlichte Lars Desgranges die Lage. Doch beim Kampf für die Arbeitsplätze im Saarland mache die Berliner Politik keine gute Figur. Von Kanzlerin Angela Merkel und dem früheren Kanzleramtsminister Peter Altmaier fehle noch immer die Umsetzung der einmal versprochenen Hilfe. Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) forderte ein Bekenntnis von Ford zum Standort Saarlouis. Denn das Saarland habe sich längst zu Ford bekannt. Die Realität bei Ford stellte der Betriebsratsvorsitzende Markus Thal dar. „Ich bin richtig angefressen, weil das Management sich keinen Millimeter bewegt“, sagte Thal. Das wisse jetzt noch nicht, was 2022 produziert werde. Ford habe geschlafen. Das betreffe den zu späten Einstieg beim SUV, aber auch die Reaktion auf das CO-2-Problem. Nur „zwölf Prozent der Kosten sind Lohnkosten“. Dort werde gespart, aber die restlichen 88 Prozent gehe niemand an, sagte Thal. Komme der Brexit, werde es noch härter. Denn „jedes dritte in Saarlouis gebaute Auto geht nach Großbritannien“. Die CO-2-Reduktion bis 2050 wirke sich jetzt schon als Rückgang in den Auftragsbüchern aus, sagte Stefan Ahr vom Saarstahl-Betriebsrat. Er forderte ein starkes Zeichen, beispielsweise am 1. Mai. Denn „es sind viele, deren Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen“.

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