"Das sind professionelle Gruppen"

"Das sind professionelle Gruppen"

Herr Schnur, trügt der Eindruck, dass Wohnungseinbrüche in unserer Region beträchtlich zugenommen haben?Schnur: Der Eindruck trügt nicht. Wir haben bundesweit eine Steigerung der Wohnungseinbrüche. Bis 2009 ging die Zahl kontinuierlich zurück. Seit 2009 geht die Kurve relativ stetig hoch. Im Saarland begann das zeitlich verzögert 2011 mit einer Steigerung von 22 Prozent auf 2012. Das waren etwa 2000 Taten im Saarland. Auf den Kreis Saarlouis entfielen 2011 noch 260 Wohnungseinbrüche, 2012 waren es 400 und 2013 460. Es ist ein Kriminalitätsphänomen, das die Bevölkerung schon sehr beunruhigt. Mehr Einbrüche gab es 2013 gegenüber 2012 vor allem in Überherrn, Wadgassen, Bous, Rehlingen-Siersburg und in letzter Zeit auch Wallerfangen. In Saarlouis selbst gab es im Januar bisher zehn Einbrüche.

Herr Schnur, trügt der Eindruck, dass Wohnungseinbrüche in unserer Region beträchtlich zugenommen haben?Schnur: Der Eindruck trügt nicht. Wir haben bundesweit eine Steigerung der Wohnungseinbrüche. Bis 2009 ging die Zahl kontinuierlich zurück. Seit 2009 geht die Kurve relativ stetig hoch. Im Saarland begann das zeitlich verzögert 2011 mit einer Steigerung von 22 Prozent auf 2012. Das waren etwa 2000 Taten im Saarland. Auf den Kreis Saarlouis entfielen 2011 noch 260 Wohnungseinbrüche, 2012 waren es 400 und 2013 460. Es ist ein Kriminalitätsphänomen, das die Bevölkerung schon sehr beunruhigt. Mehr Einbrüche gab es 2013 gegenüber 2012 vor allem in Überherrn, Wadgassen, Bous, Rehlingen-Siersburg und in letzter Zeit auch Wallerfangen. In Saarlouis selbst gab es im Januar bisher zehn Einbrüche.

Gibt es eine Erklärung für die Steigerungen?

Schnur: Auf die Steigerung ab 2009 hin wurde eine bundesweite Projektgruppe eingerichtet. Ein Befund dabei war, dass die Steigerungsraten überwiegend durch nicht deutsche Täter verursacht wurden. Ich würde sie als mobile Intensivtäter bezeichnen. Eine große Zahl der vermehrten Einbrüche wird von osteuropäischen Tätern verübt. Das sind ganz andere Einbrecher als der klassische Täter, der tatortnah lebt.

Woher wissen Sie, dass es sich um solche Täter handelt?

Schnur: Die Bekämpfung dieser Wohnungseinbrüche wird bei uns mit klarer Priorität bearbeitet. Wir haben zum Beispiel 2013 eine spezielle, landesweite Ermittlungsgruppe gegründet, die in Dillingen sitzt, die EG WE (Ermittlungsgruppe Wohnungseinbruch). Im Prinzip geht es vor allem darum, Serien zu erkennen, und solche Serien bestimmten Tätern zuzuordnen. Die Informationen gehen jeden Morgen hier ein und werden ausgewertet. Auf der Basis werden Maßnahmen getroffen: schnell, direkt. Aufgrund dieser intensiven Ermittlungen ist es uns gelungen, in nur einem Jahr rund 50 Haftbefehle zu vollstrecken. Sie betreffen viele Menschen, die aus Osteuropa kommen.

Wie gehen diese Täter vor?

Schnur: Es sind keine Einzeltäter, sondern professionelle Gruppen, die arbeitsteilig vorgehen. einige machen den eigentlichen Einbruch, oder sie leiten dazu an, andere sind die Abnehmer, andere kundschaften aus. Häufig ist es so, dass in kurzer Zeit an einem Ort mehrfach eingebrochen wird. Überwiegend geschieht das in der Zeit zwischen 17 und 21 Uhr. Die Risikoabschätzung gehört zum Muster. Wie schnell gelange ich an Diebesgut? Wie schnell bin ich weg? Sie brechen oft nicht nur ein, sondern begehen auch andere Taten, etwa im Rauschgifthandel oder im Rotlichtmilieu.

Himbert: Sie suchen sich natürlich die Häuser aus, bei denen wahrscheinlich ist, dass sie niemanden antreffen und von niemandem gesehen werden. Es sind solche Häuser, in denen das passende Diebesgut vermutet wird. Das sind ja Berufskriminelle. Sie suchen vor allem Geld und Schmuck.

Wie wird ausgekundschaftet?

Himbert: Zum Beispiel, indem Täter von Haus zu Haus gehen und sich als Bettler ausgeben. Oder neuerdings klemmen sie ein Plastikstückchen in die Haustür. Tage später schaut jemand nach, ob das Plastikstückchen runtergefallen ist oder nicht.

Spielt die Grenznähe eine Rolle?

Schnur: Die professionell agierenden Einbrecher gehen sehr rational vor. Dazu gehört, wie sie schnell vom Tatort wegkommen, um ein minimales Risiko zu haben. Da spielt die Grenznähe natürlich eine Rolle.

Himbert: Die Grenznähe wird in allen Richtungen genutzt. Auch in Frankreich und Luxemburg ist die Zahl der Wohnungseinbrüche gestiegen.

Schnur: Im Bereich der Tageswohnungseinbrüche hat das zu verstärkter grenzüberschreitender Zusammenarbeit geführt. Die EG WE arbeitet intensiv mit den Kollegen in Luxemburg und Frankreich zusammen. Das wird als ein kriminalgeografischer Raum angesehen. Das funktioniert, und oft werden die Maßnahmen auch abgestimmt.

Wie ist das mit Brutalität? Vor kurzem gab es in Picard einen Fall mit enormer Brutalität.

Schnur: Das war ein ganz außergewöhnlicher Fall, den wir mit der größten Akribie behandeln. So viel kann ich sagen. Aber es handelt sich wohl um einen Einzelfall. Brutalität ist bislang keine Begleiterscheinung der Tages-Wohnungseinbrüche. Wir haben, von Ausnahmen abgesehen, nicht beobachtet, dass diese Täter mit Gewalt auf Widerstand reagieren. Die verschwinden lieber.

Können sich Bürger vor solchen Einbrüchen schützen?

Schnur: Es bringt etwas, wenn Nachbarn die Augen offen halten, Licht einschalten, wenn sie etwas hören, zum Beispiel. Das wissen wir von den versuchten, aber nicht ausgeführten Einbrüchen. Das ist jeder dritte bis zweite Versuch. Ein Haus sollte immer bewohnt aussehen, durch Bewegung, durch Licht. Wenn Leute an der Haustüre betteln oder einfach klingeln und der Eindruck entsteht, da wird ausgekundschaftet, dann kann man ruhig die Polizei anrufen. Solche Informationen können für die Polizei wertvoll sein. Wir sind auf die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung angewiesen.

Auf einen Blick

Harald Schnur, Kriminaldirektor, ist Leiter der Direktion 2 im Landespolizeipräsidium (Kriminalitätsbekämpfung/LKA).

Georg Himbert ist Sprecher des Landespolizeipräsidiums Saarland. Unter Schnurs Regie konzentriert sich die Polizei derzeit auf die Bekämpfung der Wohnungseinbrüche. Die neue Struktur der Polizei seit der jüngsten Reform erleichtere einesolche landesweite Schwerpunktarbeit, sagt Schnur. we

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