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„Das ist Spitze!“

 „Blumenmeer“ ist der Titel dieses Kunstwerks, an dem 25 Leute mitgewirkt haben. Fotos: Thomas Seeber
„Blumenmeer“ ist der Titel dieses Kunstwerks, an dem 25 Leute mitgewirkt haben. Fotos: Thomas Seeber
Saarlouis. Besucher aus aller Welt tummeln sich derzeit in Saarlouis, wo der Klöppelspitzenkongress stattfindet. Zu sehen sind Kunstwerke, die zum Teil über Jahre entstanden, und mitunter unverkäuflich sind. Marc Prams

"Einfach alles", antworten Mariane Hartog und Hedi Roskamp, ohne zu zögern auf die Frage, was denn eigentlich das Schöne am Klöppeln sei. Es sei sehr entspannend, sagt die Holländerin Hartog. Weil man sich ganz aufs Klöppeln konzentrieren müsse, fügt die Belgierin Roskamp hinzu. Seit Donnerstag sind die beiden begeisterten Klöpplerinnen in Saarlouis , um den Klöppelspitzenkongress zu besuchen und ihrer Werke dort zu zeigen. Klöppeln, sagen sie, sehe zwar auf den ersten Blick kompliziert aus, sei aber im Grunde ganz einfach zu erlernen. "Man klöppelt ja immer nur mit vier Klöppeln", erklären sie. "Die anderen schlafen." Die, die schlafen, also gerade nicht gebraucht werden, können eine ganze Menge sein. Nicht selten wird mit 200, 500 oder noch mehr Klöppeln gearbeitet. "Das Meiste, was ich gesehen habe, waren 1400 Klöppeln", erzählt Maria Hartog. Wie so ziemlich alle Besucher ist auch sie begeistert von den Exponaten.

Davon, und von dem Ambiente, das vor allem vom Ausstellungsraum in der Kaserne VI ausgeht. "Das ist wirklich einmalig. Hier in diesem traumhaften Saal und den Sandsteinsäulen kommen die Werke erst so richtig zur Geltung", sagt Wilhelma Schmülling, Pressesprecherin des Deutschen Klöppelverbandes. "Das ist eine einmalige Location", schwärmt sie. Einmalig sind auch die Arbeiten, die dort, auf der Vauban-Insel, im Rathaus und im Vereinshaus Fraulautern zu sehen sind. Werke, wie Schmülling weiß, an denen teilweise über Jahre hinweg gearbeitet wurde, die nach und nach entstanden sind, durch die Arbeit zweier oder vieler Hände.

Wie etwa das "Blumenmeer" in der Kaserne VI. Entworfen hat es die Künstlerin Esther Wanzenried, gefertigt wurde es von 25 Leuten. "Jede Blume ist anders. Jede hat ein anderes Raster und unterschiedlich dicke Fäden, keine gleicht der anderen", erklärt Schmülling.

Begeistert von dem, was es zu bewundern gibt, wie es präsentiert wird und davon, wie viele Besucher wegen des Klöppelhandwerks nach Saarlouis kommen, zeigte sich Oberbürgermeister Roland Henz bei der Eröffnung am Freitag. Mit den Worten "Das ist Spitze!", beziehungsweise "Das ist spitze!", brachte er es auf den Punkt.

Spitzen Spitze zeigt auch Maria Nowikowa aus dem russischen Sankt Petersburg an ihrem Stand. Die Weitgereiste arbeitet fürs Institut für Klöppeln an der Staatshochschule für Volkskünste in Sankt Petersburg und präsentiert unter anderem Kleider , die wohl zu den meist fotografierten Motiven des Kongresses zählen dürften. "Die Kleider sind Diplom-Arbeiten zweier Studentinnen", sagt Nowikowa. Der Preis? "Sie sind unverkäuflich. Der Staat schreibt vor, dass sie 75 Jahre in der Hochschule archiviert werden müssen", erklärt sie. Ein auffallend buntes, bodenlanges Kleid, sei typische für den modernen Klöppel-Stil in Russland. "Die jungen Studentinnen experimentieren viel mit bunten Farben." Ein Jahr habe es gedauert, bis das Kleid fertiggestellt war. Ein Oberteil, das ebenfalls an ihrem Stand zu sehen ist, sei eine typische Arbeit für den Wologdaer Stil. Wologda, erzählt sie, sei eine Stadt in der Nähe von Moskau, die sehr berühmt sei für ihre Klöppel-Kunst.

Die derzeit wohl berühmteste Stadt bei den Klöppelfreunden ist allerdings nicht Wologda, sondern eine andere: Saarlouis .


 Viel Arbeit steckt in diesen kleinen Schmetterlingen.
Viel Arbeit steckt in diesen kleinen Schmetterlingen.
 Aus Sankt Petersburg ist Maria Nowikowa angereist. Sie zeigt unter anderem diese beiden Kleider, unverkäufliche Einzelstücke, die von Studentinnen in Russland gefertigt wurden.
Aus Sankt Petersburg ist Maria Nowikowa angereist. Sie zeigt unter anderem diese beiden Kleider, unverkäufliche Einzelstücke, die von Studentinnen in Russland gefertigt wurden.
 Myriam von Lysebetten, Mariane Hartog, Hedi Roskamp, Ineke Kamphorst und Lydia Mertens (von links) sind aus Holland und Belgien angereist und bewundern die Werke in der Kaserne VI.
Myriam von Lysebetten, Mariane Hartog, Hedi Roskamp, Ineke Kamphorst und Lydia Mertens (von links) sind aus Holland und Belgien angereist und bewundern die Werke in der Kaserne VI.