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"Das große Thema für 15 Jahre"

"Das große Thema für 15 Jahre"

Saarlouis. Die Saarlouiser Jamaika-Koalition bedauert den "harten Einschnitt" der fast kompletten Schließung des Bundeswehrstandorts Saarlouis, sagte Grünen-Fraktionschef Gabriel Mahren

Saarlouis. Die Saarlouiser Jamaika-Koalition bedauert den "harten Einschnitt" der fast kompletten Schließung des Bundeswehrstandorts Saarlouis, sagte Grünen-Fraktionschef Gabriel Mahren. Sie wolle aber weder ins "Lamento der Stadtverwaltung verfallen" noch sich am "aktuellen Ideenwettbewerb zur späteren Geländenutzung aus dem Quelle-Katalog der Wünsche" beteiligen. Jamaika will eine städtische Konversionsgesellschaft nach dem Muster von St. Wendel gründen lassen. Sie solle zunächst die Fläche ins Eigentum bekommen, erklärte FDP-Fraktionschef Wolfgang Krichel. Auf keinen Fall dürfe der Bund als Eigentümer Teilflächen an Investoren verkaufen, weil dann die Stadt das Gelände nicht aus einem Guss entwickeln könne.Das Konzept für die Konversionsgesellschaft soll die Verwaltung entwickeln. Klar sei aber, dass dabei kein eigenes hauptamtliches Personal vorgesehen sei. Die Gesellschaft könne unter das Dach der städtischen Wirtschaftsbetriebe, sagte CDU-Fraktionschef Tim Flasche. Jamaika rechnet damit, dass die Fläche in drei bis vier Jahren frei wird. Flasche: "Die Entwicklung wird das große Thema für Saarlouis in den nächsten zehn bis 15 Jahren." Die Konversionsgesellschaft müsse dazu eine städtebauliche Konzeption erarbeiten.

Die Fläche der Kaserne beträgt gut 15 Hektar. Das Gelände ist bebaut mit Unterkünften, von denen ein Teil gerade erst für 20 Millionen Euro saniert wurde. Der Sportplatz kostete über eine Million Euro. Nicht in dieser Fläche enthalten sind der Übungsplatz in Beaumarais und eine Schießanlage.

Der Bundeswehr-Rückzug beflügelt inzwischen die Fantasie. JU-Chef Marc Speicher formulierte, jede neue Nutzung müsse überörtliche Bedeutung haben. Das könne ein weiteres Gericht sein, ein Studentenwohnheim, eine Jugendherberge oder ein eigener Stadtteil mit Energie-Modell-Siedlung. Die FWG will einen Uni-Standort für Telematik. Das fraktionslose Ratsmitglied Dirk Scholl schlug ein Bildungszentrum oder ein Zentrum für regenerative Energie vor. Die Kreis-SPD regte Ausbildungseinrichtungen der Vollzugspolizei und der Bereitschaftspolizei an und Gebäude für ein personell aufgestocktes Bundesamt für Steuern, das demnächst aus dem Alleehaus ausziehe.

Meinung

Nicht bloß der Bodenwert

Von SZ-RedakteurJohannes Werres

Das Luftbild zeigt sofort, wie attraktiv das Erbe ist, das die Garnison einst hinterlassen wird. Es zeigt, dass von der einen Seite her Gewerbe und Industrie, von der anderen her Wohnen auf das Gelände erweitert werden könnte. Es zeigt auch, wie innenstadtnah die Riesenfläche ist. Nicht der Bodenwert allein verpflichtet die Stadt, sich dafür wirklich etwas Gutes einfallen zu lassen. Ein bisheriger Akzent des Stadtbildes, die Garnison, muss von einem neuen Akzent ersetzt werden. Wenn eine Konversionsgesellschaft, wie jetzt von Jamaika vorgeschlagen, die dafür nötige Offenheit garantiert, dann ist das sicher nicht die schlechteste Idee.