„Dann sinkt der Umsatz“

Bis zu sechs Wochen im Jahr ist die Mitte von Saarlouis wegen Festen gesperrt. 95 Händler teilten der Stadt per Brief mit: Das schadet dem Umsatz, es stört uns. Jetzt traf sich OB Roland Henz mit ihnen.

95 Einzelhändler aus Saarlouis haben einen Brief an die Stadtverwaltung unterschrieben, in dem sie Veränderungen besonders während der Saarlouiser Woche und der Emmes fordern. Das große Stadtfest und Veranstaltungen von der Kirmes über Märkte, Oktoberfest und Altstadtfest bis zum Public Viewing klemmten fünf bis sechs Wochen im Jahr die Ader zwischen Kunden und Geschäften ab, begründete der Initiator, Werner Canné, am Montagabend bei einem Treffen, zu dem OB Roland Henz eingeladen hatte. Tenor der Händler : Großveranstaltungen sollten doch auch Kunden in die Stadt bringen, sie seien in Wirklichkeit aber schlecht fürs Geschäft. Rund 120 Händler und Vertreter der Stadt nahmen an dem Treffen teil.

Wenn die Zufahrten zur Innenstadt für die Saarlouiser Woche gesperrt würden, dann sinke der Umsatz vieler Geschäfte auf die Hälfte, sagte Canné. Laute Musik etwa in der Französischen Straße mache Verkaufsgespräche unmöglich. Einzelhändler Paul Leinen sagte, früher seien Kunde bei Sperrung eben eine Woche später wiedergekommen. "Heute kauft er dann im Netz oder sonstwo." Und das Fest bringe zwar Leute in die Stadt, aber die Bühnen verhinderten, dass die Geschäfte wahrgenommen würden. Leinen unterstrich, "Saarlouis lebt aus der Kombination Tourismus, Gastronomie und Handel, das füllt die Stadt", und dieser Dreiklang sei keineswegs überall selbstverständlich.

Andere Geschäftsleute forderten, das Altstadtfest auf die Altstadt zu begrenzen oder Großereignisse vor die Stadt, in die Fliesen, zu verlegen.

Henz erinnerte daran, dass vieles schon verändert worden sei; die dynamische Arena bei der Fußball-WM habe drei Viertel der Parkplätze auf dem Großen Markt frei gelassen; auch bei Ludwigskirmes und Krammarkt habe man zurückgenommen. "Vielleicht ist weniger mehr. Das nehme ich als Auftrag mit." Solche Veränderungen bezeichnete Henz als "notwendige Anpassung".

Vor zu viel Anpassung im Sinne eines Rückschnittes warnte an dem Abend Joachim Küper, Rendita Colonia, einer Gesellschaft zur Entwicklung und Betreuung von Gewerbe-Immobilien. In Saarlouis betreut Rendita Colonia die Galerie Kleiner Markt und deren Umbau für H & M. Ein bewusstes "Weniger" sei allzu häufig der erste Schritt zum Sterben eines Standortes, weil man sich "von der Zukunft abgeschnitten" habe. Debatten um Detailfragen, Probleme, die man nicht vor der eigenen Haustür haben wolle, das gebe es überall. Kehre "jeder vor seiner Haustüre, dann erleben wir eine Gesamtkomposition, die wieder funktioniert."

Meinung:

Kaufleute bleiben am Zug

Von SZ-RedakteurJohannes Werres

Der Weg am Einzelhandelsverband vorbei mutet seltsam an, aber das Zwischenergebnis gibt den Unterzeichnern des Briefes an die Stadtverwaltung Recht: Es besteht Gesprächs- und Veränderungsbedarf zu Handel und Großveranstaltungen in Saarlouis . Das schimmert zwischen den ganz praktischen Forderungen der Händler durch. Es geht nicht bloß darum, Straßen umsatzschonender zu sperren. Sondern darum zu fragen: Was ist das Ziel einer Stadt, die sich als Event-Stadt versteht? Da braucht es "Anpassungen", wie OB Henz sagt. Welche? Da sind wieder die Kaufleute , die Unternehmer am Zug, die ihre konkreten Anregungen zur Balance aus Quantität und Qualität einbringen müssen.