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Dackel Ignaz auf Tierarzt-SucheTierversicherungen sind sinnvoll

Rauhaardackel Ignaz geht's wieder gut. Foto: Heike Theobald
Rauhaardackel Ignaz geht's wieder gut. Foto: Heike Theobald
Berus. Ignaz, ein sechs Jahre alter Rauhaardackel, reagiert auf die Türklingel mit eindringlichem Bellen, empfängt Besuch mit überschwänglicher Freude. Dass ihn einen Tag zuvor zwei große Doggenmischlinge angegriffen haben, zeigen die Wunden, die er tapfer versucht zu vernachlässigen. Frauchen Marie-Louise Paquet aus Berus hingegen ist verärgert Von SZ-Mitarbeiterin Heike Theobald

Berus. Ignaz, ein sechs Jahre alter Rauhaardackel, reagiert auf die Türklingel mit eindringlichem Bellen, empfängt Besuch mit überschwänglicher Freude. Dass ihn einen Tag zuvor zwei große Doggenmischlinge angegriffen haben, zeigen die Wunden, die er tapfer versucht zu vernachlässigen. Frauchen Marie-Louise Paquet aus Berus hingegen ist verärgert. Zwar auch darüber, dass die beiden Hunde auf dem Grenzweg bei Berviller frei herumlaufen duften, mehr aber noch auf die Pferdeklinik in Altforweiler, die ihren Hund nicht behandelt hat. Dabei hoffte sie für ihren Notfall auf eine Ausnahme.



"Die Kleintierpraxis war geschlossen, aber die Pferdeklinik war geöffnet", erklärt Paquet, noch unter dem Eindruck der Ereignisse stehend. Donnerstagfrüh wollte sie mit ihrem Ignaz eine Runde auf dem alten Grenzweg spazieren. "Die Hunde kamen wie aus dem Nichts auf Ignaz zugestürmt", schildert sie aufgeregt. Eine Mischung aus Bordeauxdogge und Bosseron. Zwei große Kläffer also gegen einen kleinen Dackel. Bei dieser Vorstellung grenze es fast schon an ein Wunder, dass Ignaz nicht mehr passiert sei. Zumal, wie Paquet erklärt, die Hunde von der Besitzerin nur mit einer Heugabel dazu gebracht werden konnten, von dem Rauhaardackel abzulassen. "Sie hat sich mehrmals bei mir entschuldigt, hat sich selbst Vorwürfe gemacht, ihre Hunde frei laufen gelassen zu haben", sagt die Beruserin. Auch habe die Französin gleich bereitwillig gesagt, sie übernehme die Tierarztkosten.

Nur für Pferde

Paquets Tierarzt hatte offiziell seine Praxis wegen Urlaub geschlossen, also steuerte die Hundebesitzerin auf die Tierklinik in Altforweiler zu, weil die eben am nächsten lag. An der Anmeldung erfuhr sie, dass die Kleintierpraxis geschlossen sei, nur die Pferdeklinik sei besetzt. Für die Beruserin unerklärlich, warum kein Tierarzt aus der Pferdeklinik ihren Hund notversorgen wollte, und sie in die Kleintierklinik nach Spiesen-Elversberg verwiesen wurde. Dr. Bogdan Schubert, Eigentümer der Pferdeklinik, erklärt auf Anfrage: "Die Tierärzte der Pferdeklinik behandeln keine Kleintiere, für Pferde sind sie rund um die Uhr da."



Seit einigen Jahren steht die Kleintierpraxis auf dem Gelände unter eigener Führung, gehört nicht mehr zur Pferdeklinik. "Das muss man als zwei verschiedene Firmen betrachten", erklärt Schubert. Dass Paquet nach Spiesen-Elversberg verwiesen wurde, habe nahegelegen, weil die Klinik rund um die Uhr offen sei.

Ansonsten habe die Hundebesitzerin die Gelegenheit gehabt, einen der Tierärzte aus der Region aufzusuchen. Und das tat sie dann ja auch. Genauer gesagt, ihr Tierarzt hatte trotz Urlaubs Ignaz' Bisswunden und Hämatome versorgt. Am gleichen Abend noch meldete sich die Besitzerin der beiden Doggenmischlinge und wiederholte, die Kosten dafür zu übernehmen. Saarbrücken. Im Saarland besteht keine Pflicht für eine Tierhalterhaftpflicht. Generell gilt jedoch: Tierhalter haften für Schäden, die ihre Tiere verursachen, wie Eva-Maria Loch von der Verbraucherzentrale des Saarlandes auf Anfrage der SZ mitteilt. Auch gibt es Krankenversicherungen für Haustiere, ein teurer Spaß ohne Gewähr, dass alle Behandlungen abgedeckt sind. Sie können nicht für alle Tiere abgeschlossen werden.

Während Haustiere wie Katzen oder Hasen in der Privathaftpflicht mit enthalten sind, sollten Halter von Hunden eine Tierhalterhaftpflicht abschließen. Selbst wenn den Halter keine Schuld trifft, das Bürgerliche Gesetzbuch sieht bereits den Besitz eines Tieres als Gefährdung. "Daher haftet er für alle Schäden, die sein Tier anrichtet", erklärt Loch. Sie rät zu einer Versicherung mit hoher Haftungssumme bis zu drei Millionen Euro.

Schwieriger zu versichern und teurer sind Vierbeiner, die als Kampfhunde gelistet sind. Auch seien Krankenversicherungen für Tiere "recht teuer". Nicht jedes Tier wird versichert, wie zum Beispiel ältere Hunde, und nicht alle Krankheiten oder Behandlungen bei Tierärzten sind damit abgedeckt. Eine Alternative biete eine Operationskostenversicherung, um sich die Kosten für chirurgische Eingriffe erstatten zu lassen, sagt die Verbraucherberaterin. hth

Rauhaardackel Ignaz geht's wieder gut. Foto: Heike Theobald
Rauhaardackel Ignaz geht's wieder gut. Foto: Heike Theobald