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Da zieht selbst der Teufel den Hut

Da zieht selbst der Teufel den Hut

Saarlouis. Normalerweise ist der Grundton einer beim Ehrenwein angekommenen Vernissage eher gedämpft und gleichmäßig. Doch drangen gestern aus manchem Kabinett in den beiden Etagen des Museums Lachsalven und Kicherattacken über das, was auf den Blättern großen und kleinen Formats zu sehen war

Saarlouis. Normalerweise ist der Grundton einer beim Ehrenwein angekommenen Vernissage eher gedämpft und gleichmäßig. Doch drangen gestern aus manchem Kabinett in den beiden Etagen des Museums Lachsalven und Kicherattacken über das, was auf den Blättern großen und kleinen Formats zu sehen war. Voll verantwortlich für dieses aberwitzige Treiben zeichnete buchstäblich Friedrich Karl Waechter, dessen Zeichenkunst derzeit im Museum Haus Ludwig zu sehen ist. Angesichts der an den Wänden versammelten Absurditäten des Alltags gerate selbst die Diskussion um den städtischen Haushalt fast zur Kleinigkeit: "Meine Güte, es gibt eigentlich Schlimmeres", sagte Oberbürgermeister Roland Henz angesichts der von Waechter aufs Blatt gebannten Katastrophen unter Männer, Frauen und Tieren.

Tragik trifft Komik

Waechter zielte stets dorthin, wo das Tragische aufs Komische traf. Seine so genannten "Stillen Blätter" waren wie schillernde blaue Flecke: schmerzhaft, aber auch angenehm und prickelnd. Dafür stand Waechters Definition seiner Arbeit: "Zeichnen heißt, das Schwarze im Auge auf einer weißen Fläche verteilen", zitierte Museumsleiterin Dr. Claudia Wiotte-Franz Waechters Bekenntnis. Dass das Werk des 2005 im Alter von 68 Jahren verstorbenen Zeichners nach Saarlouis kam, entspricht der Tradition des Hauses, in dem man immer wieder mit dem Deutschen Museum für Karikatur und Zeichenkunst - Wilhelm Busch, Hannover zusammenarbeitet und vor allem immer wieder gerne Bildergeschichten und komische Zeichnungen zeigt.

In Buschs Tradition

Waechter hat mit seinen 4000 Blättern im Nachlass dem verantwortlichen Deutschen Museum für Karikatur und Zeichenkunst dafür genug Material geliefert. Darunter sind viele Bildergeschichten für Kinder, die er jedoch ursprünglich für Erwachsene gemacht hatte, ganz so wie Wilhelm Busch, erinnerte Dr. Gisela Vetter-Liebenow, Kuratorin des Deutschen Museums für Karikatur und Zeichenkunst, Hannover. Waechter hinterließ ein himmlisches Werk und war dabei stets mit dem Teuflischen im Bunde. Er entwickelte das Signet des seinen Hut ziehenden Teufels für das Satiremagazin "pardon" und nahm sich in Illustrationen dem Märchen vom Höllenhund an, bevor er sich auf eine Wolke im Irgendwo zurückzog. Der Abschluss der Vernissage mit "Fly me to the Moon" in der Version des Duos Ricardo Angel-Peters und Peter Maas war dafür ein deutlicher Hinweis.

Ausstellung bis zum 5. Juni. Öffnungszeiten von Dienstag bis Freitag von 10 bis 13 und von 14 bis 17 Uhr. Samstag, Sonntag, Feiertag von 14 bis 17 Uhr.