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Da die Restaurants zu sind, fehlen Fleischgroßhändlern im Kreis Kunden

Fleischhandel zu Corona-Zeiten : Den Metzgern fehlt die Gastronomie

Fleischgroßhändler im Kreis Saarlouis spüren massiv, dass niemand mehr essen geht oder Catering für die Party zuhause bestellt.

Die Menschen zu Hause, die Straßen leer, die Restaurants geschlossen. Nichts wird gebrutzelt, nichts gebraten. Manchem Fleischgroßhändler im Landkreis Saarlouis liegt die Leere, die die Pandemie in den Auftragsbüchern hinterlässt, schwer im Magen.

Der Dillinger Fleischgroßhandel Di Paola etwa wendet sich mit einem Facebook-Beitrag an die Öffentlichkeit. Fast alle der belieferten Gastronomien hätten geschlossen. „Von Tag zu Tag wird es schwerer“, heißt es in dem Beitrag. Der Betrieb bittet deshalb um kauffreudige Unterstützung in der Corona-Krise.

Auch Zenz Fleisch in Rehlingen-Siersburg spürt die Auswirkungen der Pandemie. „Durch das Wegbrechen der Gastronomien haben wir rund 30 bis 40 Prozent weniger Umsatz“, schätzt Geschäftsführer Peter Zenz. „Es sind schwierige Zeiten“, meint er. Mit 40 Mitarbeitern versorgt der Betrieb auch Metzgereien und den Einzelhandel mit Fleischwaren. „Die Umsätze im Bereich Einzelhandel und Metzgerei sind auf Normalniveau. Der Ausfall im Segment Gastronomie kann damit aber nicht kompensiert werden“, erklärt Zenz.

Kompensieren müssen viele Metzgereien im Landkreis hingegen nicht. „Im Moment herrscht für uns Metzger ein gutes Einkaufsklima. Von meinen Kollegen hat bisher keiner ernsthafte Probleme“, sagt Bernd Scherer, der mit seiner Frau die Metzgerei Scherer in Dillingen führt. „95 Prozent unseres Umsatzes erwirtschaften wir aber im Laden“, meint Scherer. Beim Ladengeschäft habe man in der Krise sogar Zuwächse. „Wir haben Kunden gewonnen“, verdeutlicht Metzger Scherer.

Trotzdem litten auch die Metzgereien unter der Krise, meint Markus Strauß, der Geschäftsführer der saarländischen Fleischerinnung. Die Innung vertritt 70 Metzgereien im Land, darunter sieben Innungsbetriebe im Kreis Saarlouis. „Vielen Metzgereien brechen Einnahmen weg. Zum Beispiel Umsätze, die mit Catering oder beim Partyservice erzielt werden“, sagt Strauß. Die Metzgereien seien zwar in erster Linie auf das Ladengeschäft angewiesen. „Aber wenn die Kunden ausbleiben, wird die Luft dünn“, meint Strauß. Er rechnet damit, dass neben vielen Großhändlern auch die Metzgereien geschwächt aus der Corona-Pandemie gehen werden.

Peter Schu ist Geschäftsführer der Fleischgroßhandels-Firma Peter Schu in Dillingen. Auch diesem Betrieb sind in der Corona-Krise Umsätze mit Kunden eingebrochen, die wiederum Gastronomien beliefern. „Wir kaufen bereits entsprechend weniger Fleisch an“, sagt Schu. Er sieht in der Pandemie personelle Probleme, die entstehen könnten: „Ware gibt es. Aber die Fleischzerlegung kann Schwierigkeiten bereiten, wenn es wegen Corona zu Personalaufällen kommt. In Frankreich hat ein Fleischlieferant bereits das Problem.“

Rund 20 Tonnen Fleisch verarbeitet das Dillinger Unternehmen täglich, davon etwa 75 Prozent Schweinefleisch. Geschultes Fachpersonal für die Zerlegung sei nicht kurzfristig ersetzbar, erklärt Schu. „Wir haben vorsorglich kleine Gruppen gebildet. Erkrankt ein Mitarbeiter, kann die betroffene Gruppe in Quarantäne gehen und die Verarbeitung in den nicht betroffenen Bereichen kann fortgesetzt werden“, erklärt Schu die Corona-Strategie der Firma. Insgesamt sieht Schu die Fleischversorgung in der Pandemie derzeit gesichert.

Ein Stück rohes Fleisch mit den Umrissen Deutschlands. Foto: Fleischatlas 2016/Heinrich-Böll-Stiftung e.V./BUND

Das bestätigt Robert Zimmer, Direktor der saarländischen Landwirtschaftskammer. Trotz Pandemie gebe es noch keine großen Beeinträchtigungen im Ablauf der Produktion des Fleischs, dessen Verarbeitung und Vermarktung. „Die Fleischerzeugung ist nicht rückläufig. Bauern könnten im Fall von Lieferengpässen beim Futtermittel noch auf Reserven auf den Höfen zurückgreifen“, meint Zimmer. Problematisch sei, wenn ein gesamter Hof in Quarantäne müsse. Aber auch dafür ist laut Zimmer vorgesorgt: „Wir suchen bereits Aushilfskräfte mit landwirtschaftlicher Erfahrung.“ Die Landwirtschaftskammer rät, während der Pandemie regionale Produkte vor Ort zu kaufen, um die Lieferketten nicht unnötig zu belasten.