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Demenzbroschüre
„Demenz geht uns alle an“

Die Broschüre „Demenz geht uns alle an“ stellten Vertreter der „Plattform Demenz“ sowie (vorne von links) Erik Leiner, Susanne Schwarz und Dagmar Heib jetzt in Saarlouis der Öffentlichkeit vor.
Die Broschüre „Demenz geht uns alle an“ stellten Vertreter der „Plattform Demenz“ sowie (vorne von links) Erik Leiner, Susanne Schwarz und Dagmar Heib jetzt in Saarlouis der Öffentlichkeit vor. FOTO: Johannes A. Bodwing
Saarlouis. Plattform Demenz stellt neue Infobroschüre vor – Sie listet verschiedene Projekte auf. Von Johannes Bodwing

Hinter den Zahlen stehen Schicksale und stille Tragödien. Alleine im Landkreis Saarlouis wird die Anzahl dementer Personen auf an die 5000 Menschen geschätzt. Zusammen mit den Familienangehörigen gehe es um zehn- bis fünfzehntausend Menschen, „die täglich damit konfrontiert werden“, sagte am Donnerstagmittag Susanne Schwarz, Sozialdezernentin des Landkreises Saarlouis.


„Pro Jahr kommen 300 bis 400 Erkrankte neu dazu“, ergänzte Sozialarbeiter Erik Leiner vom Demenz-Verein Saarlouis. Und es gebe bislang keine Medikamente dagegen. „Teilweise tappt man da noch im Dunkeln, was die Ursachen angeht. Deshalb liegt unser Schwerpunkt auf der Vorsorge.“ Dazu gehörten Bewegung, gesunde Ernährung und vielfältige soziale Kontakte, stellten Leiner und Vertreter der „Plattform Demenz“ dar. Die ist Teil der „Lokalen Allianz Demenz im Landkreis Saarlouis“. Letztere gibt es seit 2011, sie engagiert sich für eine hohe Qualität bei Pflege und Versorgung der von Demenz Betroffenen.

18 Vertreter der Plattform trafen sich am Donnerstag in der Fort- und Weiterbildung des Demenz-Vereins Saarlouis in der Walter-Bloch-Straße 6. Gesprächsthemen waren die alltägliche Arbeit, Netzwerke und neue Ideen zum Wohl der Betroffenen. Inzwischen sind rund 130 Partner im Landkreis tätig, die sich mit dem gesellschaftlich brisanten Thema Demenz und den Folgen befassen.



Im Anschluss stellte Leiner die Broschüre „Demenz geht uns alle an!“ vor. Sie entstand im Rahmen des Bundesprogramms „Lokale Allianz für Menschen mit Demenz“ und führt generationsübergreifende Projekte zum Thema auf. Die „Lokale Allianz“ im Kreis Saarlouis bekam bereits zwei Mal die Bundesförderung mit je 10 000 Euro. In der Förderperiode 2013 bis 2015 entstand neben zahlreichen Veranstaltungen die aktualisierte Ausgabe des „Ratgeber Demenz für den Landkreis Saarlouis“. Sie wurde in Russisch, Türkisch und Italienisch übersetzt.

In der aktuellen Förderperiode, die nun auslief, lag der Schwerpunkt darauf, Kinder und Jugendliche für die Krankheit zu sensibilisieren. Denn sie stehen oftmals ratlos vor den neuen Bedingungen in von Demenz betroffenen Familien. Über die jüngere Generation sollten außerdem Familie und Öffentlichkeit besser erreicht werden. Zu den aufgeführten Veranstaltungen gehörte unter anderen eine Filmvorführung im Theater am Ring mit anschließender Diskussion sowie ein zweitägiger Workshop „Musik und Demenz“. Daran beteiligten sich auch Kindergärten und Schulen. Aus den Projekten entstanden neue Kontakte und Partnerschaften, die zur Hilfe für Betroffene beitragen. Denn Demenz sei vielfach noch ein Tabu, stellte Leiner dar.

„Demenz ist eine Herausforderung für die Gesellschaft und die Angehörigen“, betonte Dagmar Heib, Vorsitzende des Demenz-Vereins. „Oftmals bedeutet es ein neues Leben für Ehepartner und Familie“, führte sie weiter aus. Denn Demenz mache einen anderen Menschen aus dem Erkrankten „mit dem man klar kommen muss“. Die Broschüre „Demenz geht uns alle an!“ enthält zusätzliche Anregungen, wie sich das Thema in die Öffentlichkeit tragen lässt.

Die Broschüre gibt es im Demenzzentrum Saarlouis, in den Kommunen und dem Landkreis Saarlouis.