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Bereitschaft in der Silvesternacht

Bereitschaft in der Silvesternacht

Saarlouis. Es herrscht ausgelassene Stimmung in der chirurgischen Ambulanz im Marienhaus Klinikum St. Elisabeth in Saarlouis, eine halbe Stunde vor Neujahr. Auf dem Tisch liegen bunte Spielkarten, ein kleiner Fernseher überträgt Silvesterprogramm. Erst zwei Patienten mussten an diesem Abend versorgt werden

Saarlouis. Es herrscht ausgelassene Stimmung in der chirurgischen Ambulanz im Marienhaus Klinikum St. Elisabeth in Saarlouis, eine halbe Stunde vor Neujahr. Auf dem Tisch liegen bunte Spielkarten, ein kleiner Fernseher überträgt Silvesterprogramm. Erst zwei Patienten mussten an diesem Abend versorgt werden.

Zeit für einen Abstecher nach draußen - das Funkgerät in der Tasche, die Pforte im Auge. Mitternacht. "Frohes neues Jahr", wünschen sich die Ärzte und Schwestern untereinander, während sie in ihren dünnen Kitteln schon bald zu frieren beginnen.

Erste Patienten um halb eins

"Viertel nach zwölf - jetzt sind die ersten Rettungswagen vor Ort. In zehn Minuten werden sie hier sein", rechnet Assistenzarzt Dominic Grün, zurück in der Ambulanz. "Ach, warte mal ab", antwortet sein Kollege Dr. Platon Kastriotis. Doch tatsächlich: Um kurz vor halb eins kommt der erste Patient im neuen Jahr. Zwei Sanitäter fahren den Mann auf der Liege in die Notaufnahme. "Auf dem Weg zum Anstoßen beim Nachbarn ist er auf der Treppe schief aufgetreten", erklärt Kastriotis, während der Fuß des Patienten geröntgt wird. Gebrochen ist er nicht. "Er bekommt eine stabilisierende Bandage, dann kann er wieder nach Hause."

Kurz darauf betreten Heinrich Geber und sein Sohn Tom (Namen geändert) die Ambulanz. Der zehnjährige wollte einen Silvesterknaller zünden - der explodierte in seiner Hand, bevor er ihn wegwerfen konnte. "Ich habe nur kurz weggeschaut, da zündete er den Knaller", sagt sein Vater. Tom hat leichte Verbrennungen an den Händen und im Gesicht. Er zittert, seine Augen sind gerötet und tränen. "Es besteht der Verdacht auf eine Hornhautverletzung", sagt Kastriotis, "das können wir hier nicht therapieren." Schnell werden die Hände des Jungen mit kühlender Salbe behandelt, dann geht es für ihn und seinen Vater weiter in die Augenklinik nach Sulzbach.

Danach kehrt Ruhe ein - vorerst. Im Gemeinschaftsraum lässt das Team vom Bereitschaftsdienst den bisherigen Abend Revue passieren. Kastriotis ist überrascht. "Es ist einer der ruhigsten Dienste von den über 300, die ich bisher hatte", sagt er. Vier Patienten seit der Einsatz vor sechseinhalb Stunden begann.

Zwischen halb drei und halb acht folgt der unerwartete Höhepunkt in der chirurgischen Ambulanz. "In der Zeit war einiges los", erzählt Dominic Grün am nächsten Morgen, als sein 14-stündiger Dienst zu Ende ist. Ein Kind hatte dieselben Verletzungen wie Tom.

Ein Patient kam mit einem Messerstich am Bauch, "aber das war nichts Dramatisches", sagt Grün. "Außerdem gab es ein paar Stürze von Betrunkenen, von denen wir einen Fall mit 2,5 Promille stationär behalten haben."

Und eine Geburt

 Sabina Tautvetter und ihre Tochter Hana Michelle: Die 20-Jährige brachte das letzte Kind 2012 im Marienhaus Klinikum zur Welt. Foto: Sascha Schmidt
Sabina Tautvetter und ihre Tochter Hana Michelle: Die 20-Jährige brachte das letzte Kind 2012 im Marienhaus Klinikum zur Welt. Foto: Sascha Schmidt
 Dominic Grün behandelt die Brandwunden an Toms Händen mit kühlender Salbe. Foto: Sascha Schmidt
Dominic Grün behandelt die Brandwunden an Toms Händen mit kühlender Salbe. Foto: Sascha Schmidt
 Sabina Tautvetter und ihre Tochter Hana Michelle: Die 20-Jährige brachte das letzte Kind 2012 im Marienhaus Klinikum zur Welt. Foto: Sascha Schmidt
Sabina Tautvetter und ihre Tochter Hana Michelle: Die 20-Jährige brachte das letzte Kind 2012 im Marienhaus Klinikum zur Welt. Foto: Sascha Schmidt

Hoch her ging es am frühen Abend schon an ganz anderer Stelle: im Kreißsaal der Klinik, wo Sabina Trautvetter auf ihre Entbindung wartete. "Wir haben noch gescherzt, ob es das erste Kind 2013 wird", erzählt Hebamme Melanie Hinkel. Doch so lange wollte das Mädchen nicht warten: Um 22.28 Uhr in der Silvesternacht kam Hana Michelle zur Welt: das 871. und letzte Kind im Marienhaus Klinikum im Jahr 2012.