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Lage der Kitas
Bedarf an Kita-Plätzen im Kreis wächst

In Wadgassen hat die Gemeinde die katholischen Kindergärten übernommen und baut sie (hier: Kita Abenteuerinsel) neu.
In Wadgassen hat die Gemeinde die katholischen Kindergärten übernommen und baut sie (hier: Kita Abenteuerinsel) neu. FOTO: Ruppenthal
Kreis Saarlouis. Nachfrage nach Betreuung über dreijähriger Kinder passt nicht immer zum Angebot in den Einrichtungen.

Darüber, dass sie keinen Kindergartenplatz für ihr bald dreijähriges Kind zugesagt bekommen haben, haben sich mehrere Eltern aus dem Kreis Saarlouis beklagt. Zwei Familien kommen aus Saarlouis-Fraulautern und haben nach ihren Angaben weder im Stadtteil Fraulautern noch in Steinrausch in den nächsten Monaten einen Platz in Aussicht. Eine weitere Mutter sucht einen Platz in Hülzweiler und hat bisher keine Zusage.



Kinder über drei Jahre haben grundsätzlich einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz. Allerdings nicht am eigenen Wohnort, betont Ralf Weber, zuständig für Jugendhilfeplanung im Kreis und Geschäftsführer der Kinderland im Kreis Saarlouis gGmbH. „Nach der aktuellen Rechtssprechung ist eine Fahrtzeit von 20 Minuten zumutbar.“ Dass es derzeit in manchen Orten zu Wartezeiten kommt, ist ihm bekannt. „Grundsätzlich stehen genügend Plätze zur Verfügung, aber eben nicht immer am Wunschort“, stellt Weber fest.

Genehmigte Plätze gibt es im Kreis durchaus mehr als betreute Kinder. Aber genehmigt bedeutet nicht automatisch, dass der Platz tatsächlich zur Verfügung steht. Es sei schwierig, an aktuelle Zahlen zu kommen, betont Weber, wie viele Plätze wirklich frei sind. Denn die freien Träger, die die Kinderbetreuung ausrichten, seien nicht verpflichtet, den Kommunen Auskunft über die Belegung zu erteilen – obwohl sich diese an den Kosten beteiligen. Plätze sollen eigentlich nicht länger als drei Monate freigehalten werden, erklärt Weber. „Doch in manchen Kommunen gibt es noch Verträge, nach denen die Kosten für unbelegte Plätze die Kommune übernimmt. Da haben die Träger keinen Grund, sich zu melden.“

Aber auch der Bedarf ist ohne Frage gestiegen: „Wir müssen neue Plätze schaffen, vor allem im Stadtbereich“, betont er. Drei Gründe sieht er für den höheren Bedarf: Zum einen der Zuzug von Familien in den Kreis Saarlouis, der sich auch in den gestiegenen Kosten für Bauland und Wohnraum spiegele. Der Zuzug von Flüchtlingen macht hingegen laut Weber „keinen besonders hohen Anteil“ aus.

Zum zweiten der Anstieg der Geburten: In den Jahren 2015 und 2016 waren es 15 bis 20 Prozent mehr, sagt Weber; diese Kinder kommen nun in die Krippe und bald in die Kita. Auch gebe es einen deutlichen Trend zur „Mehrkindfamilie“, erklärt Weber, besonders bei gut verdienenden und gut ausgebildeten Eltern. Zum dritten habe es ein „Umdenken“ gegeben: Kinder gingen heute früher in die Betreuung und auch selbstverständlicher als vor zehn oder 20 Jahren, meint Weber. „Wir rechnen inzwischen mit einem Betreuungsbedarf von zehn Prozent bei unter Einjährigen, 35 Prozent bei Ein- bis Zweijährigen und 50 Prozent bei Zwei- bis Dreijährigen.“



Doch die Verwaltung kann nicht immer unmittelbar auf Faktoren wie Geburtenanstieg oder Zuzug reagieren. „Für eine neue Einrichtung brauchen wir etwa drei Jahre Vorlauf“, erklärt Weber, bis mit Trägern die Pläne ausgearbeitet sind und alles auf den Weg gebracht ist. Der Landkreis Saarlouis ist hier mit seiner eigenen Kinderland-Gesellschaft als Träger von bald vier Kitas schon flexibler als andere Kreise. „So können wir selbst den Bedarf feststellen und schneller reagieren.“ Auch die Gemeinde Wadgassen, die kürzlich alle Kitas in ihre eigene Trägerschaft überführt hat, nennt Weber als gutes Beispiel.

Im Kreis Saarlouis sollen in den kommenden Jahren Hunderte Plätze zusätzlich entstehen. In Schwalbach, Lebach, Schmelz, Roden und Siersburg etwa sind Erweiterungen geplant oder schon im Bau. Mit jeweils 200 bis 250 neuen Plätzen im Krippen- und Kita-Bereich rechnet Weber bis zum Jahr 2020, „außerdem versuchen wir, die Großtagespflegestellen auszubauen“. In Großtagespflegestellen betreuen mehrere Tagesmütter oder -väter gemeinsam Kinder. „Wir sind auf einem guten Weg und versuchen immer, zeitnah zu reagieren.“