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Beach-Tennis
Trotz fehlendem Durchblick zum Sieg

Hochbetrieb am und im Sandkasten: Die Beach-Tennis-Open auf dem Kleinen Markt in Saarlouis lockten am Wochenende viele Zuschauer an. Die Stimmung am Center Court ließ die Spieler schwärmen.
Hochbetrieb am und im Sandkasten: Die Beach-Tennis-Open auf dem Kleinen Markt in Saarlouis lockten am Wochenende viele Zuschauer an. Die Stimmung am Center Court ließ die Spieler schwärmen. FOTO: Ruppenthal
Saarlouis. Benjamin Ringlstetter gewinnt bei den deutschen Beach-Tennis-Meisterschaften den Titel im Mixed. Volltreffer aufs Auge. Von David Benedyczuk

Es wird merklich kühl, als die Sonne über der „Strand-Anlage“ am Kleinen Markt in Saarlouis der Abenddämmerung weicht. Das Flutlicht am Center Court der ITF Beach-Tennis-Open kommt inzwischen richtig zur Geltung, kurz vor Beginn des letzten Höhepunkts am Turnier-Samstag sind die Ränge aber zunächst noch spärlich besetzt. Das ändert sich schlagartig, als der Mann auf dem hohen Stuhl, der Schiedsrichter, Moderator und „Anheizer“ in Personalunion zu sein scheint, die letzte Minute bis Spielbeginn ankündigt. Als die vier Protagonisten auf dem Beachtennis-Feld dann so richtig loslegen, sind die meisten der 600 blauen Sitzschalen vergeben.


Und kalt ist bald auch keinem mehr: Das Mixed-Finale bei den deutschen Beachtennis-Meisterschaften reißt die Zuschauer schier von den Sitzen, die fetzige Dauerbeschallung aus den Boxen animiert sie zusätzlich – es läuft wie erhofft im Saarlouiser Stadion. Die Sportler verzücken das Publikum, die Stimmung steigt und animiert wiederum die Sportler, die sich daraufhin förmlich in einen Rausch spielen. Auf der einen Seite Maraike Biglmaier und Benjamin Ringlstetter, die Titelverteidiger. Auf der anderen Laura Kemkes und Manuel Ringlstetter, der jüngere Bruder des Vorjahressiegers.

Beide Paarungen liefern sich eine begeisternde „Sandschlacht“ mit etlichen spektakulären Ballwechseln. Immer wieder werden Passanten, die über den Markt flanieren, spontan zu Schaulustigen, verfolgen gebannt das Geschehen – und bleiben teils gar bis zum Ende des höchst unterhaltsamen Beachtennis-Treibens.



Am Ende haben die Titelverteidiger mit 7:6 und 6:1 die Nase vorne – obwohl Benjamin Ringlstetter früh im ersten Satz einen Ball voll aufs Auge bekommen und damit selbst nach längerer Behandlungspause noch zu kämpfen hatte: „Zwei Spiele lang habe ich, ehrlich gesagt, gar nix gesehen – allerdings war es dennoch ganz gut, was ich da gespielt habe“, schilderte Ringlstetter grinsend: „Dann kam die Phase, wo ich dachte, ich kann wieder sehen, den Ball aber noch nicht richtig einschätzen konnte…“

Auch Partnerin Biglmaier, die deutsche Nummer eins, räumte ein: „Der ,Augenschuss’ hat uns natürlich rausgebracht. Ich hätte die sehr gute Stimmung gerne mehr genossen, musste mich aber erst umso mehr anstrengen, um die nötigen Punkte zu holen.“ Das gelang schließlich, im Tie-Break lagen sie und ihr Partner 7:2 vorne. „Zum Glück haben wir den ersten Satz gewonnen, das war quasi der Durchbruch zum Sieg“, meinte Benjamin Ringlstetter. Er hatte sich mit dem Bruder zuvor bereits zum Meister bei den Herren gekrönt – wobei das kein wirklicher Trost war für das Zweitrunden-Aus beim mit 15 000 Dollar dotierten ITF-Hauptturnier.

Für Maraike Biglmaier lief es da deutlich erfolgreicher: Die Mixed-Vizeweltmeisterin hatte bereits nach dem gewonnenen DM-Finale ihre Ambitionen für die ITF-Finalrunde am Folgetag untermauert: „Ich halte mich heute mit dem Feiern zurück. Ich hoffe, dass wir morgen um den Turniersieg spielen. Meine Partnerin hat letztes Jahr bereits hier gewonnen – jetzt hoffen wir, das zusammen wiederholen zu können“, sagte Biglmaier. Ihre Hoffnungen sollten sich erfüllen: An der Seite der Brasilianerin Raffaella Miiller holte die gebürtige Berlinerin am Sonntag mit einem 6:2, 7:5-Erfolg über die topgesetzten Italienerinnen Sofia Cimatti und Flaminia Daina den Turniersieg – bei erneut ausgelassener Stimmung. Für den nun siebenfachen deutschen Meister aus Bayern, Benjamin Ringlstetter, war die Atmosphäre in Saarlouis schlicht „unbeschreiblich. Die Beste, bei der ich bislang gespielt habe.“