Bach windet sich wieder

Lange Zeit waren Bäche nur noch rasche Abflüsse für Abwasser und Niederschläge. Inzwischen wird vielerorts renaturiert. So wurde der Oberlauf des Rothsoligbaches in Wadgassen von der Gemeinde und dem Nabu auf insgesamt 400 Metern naturnah umgestaltet.

Die langweiligste Verbindung zwischen zwei Punkten ist eine Gerade. Das gilt zumindest für Gewässer, wie den Rothsoligbach am westlichen Ortsrand von Wadgassen. Denn lange Zeit war der Bach in eine Rohrleitung gezwängt, die sein Wasser geradlinig von der Quelle nahe der dortigen Kiesgrube und unter der Autobahnabfahrt hindurch zum Freibad leitete.

Erst 2008 entstand etwa 25 Meter entfernt eine neue Versorgungsleitung für das Bad. Die alten Rohre im Oberlauf des Baches wurden im Frühjahr 2010 entfernt. Danach blieb ein gerades Bachbett zurück mit vergleichsweise hoher Fließgeschwindigkeit. Hervorgerufen werde dieses durch ein Gefälle von 3,5 bis 4 Promille, berichtete der Umweltfachmann der Gemeinde Wadgassen, Thorsten Heinrich. Zum Vergleich: Die nahe gelegene Saar weise nur etwa die Hälfte auf.

Die Gemeinde sei verpflichtet gewesen, so Heinrich, nach dem Ausbau der Rohrleitung wieder einen naturnahen Zustand des Baches herzustellen. Dazu erfolgte eine erste Maßnahme vor rund drei Jahren in Zusammenarbeit mit dem Nabu, teilte der Sprecher des Nabu Saarlouis, Norbert Schöndorf, mit. Damals wurden links der Zufahrt nach Wadgassen auf einer Länge von rund 250 Metern bis etwa in Höhe des Freibades Mäander (geschlängelter Lauf) und wannenartige Vertiefungen angelegt.

Der zweite Renaturierungsabschnitt wurde am Jahresanfang in Angriff genommen - diesmal zwischen A 620 und Mitfahrparkplatz.

Dort wurden etwa 150 Meter durch ehrenamtliche Mitarbeit des Nabu kostengünstig renaturiert. Zwei prägnante Windungen sind dabei entstanden, die nun das Tempo des Gewässers drosseln. Mit dem Aushub wurden Böschungen modelliert und alte Bachabschnitte in solche mit stehendem Wasser umgewandelt. Beide Maßnahmen sollen helfen, die Bedingungen für den Wasserhaushalt zu begünstigen. Aber auch, um selten gewordenen Pflanzen und Tieren Rückzugsräume zu bieten.

Auch das Leben im nun langsamer fließenden Bach könnte sich weiterentwickeln, hoffte Thorsten Heinrich. Denn bislang tummeln sich dort lediglich winzige Wasserkrebse.