Ausschuss setzt Bauprojekt in Saarlouis von der Tagesordnung ab

Bauprojekt : „So nicht“, sagt der Ausschuss zu Plänen für Saarlouiser Filetstück

Es wirkte so, als wollte die Saarlouiser Verwaltungsspitze mal eben ein 120-Millionen-Euro-Projekt durchwinken lassen. Da machte der zuständige Ratsausschuss nicht mit.

In diesem Kaliber hat es einen vergleichbaren Vorgang in Saarlouis noch nicht gegeben: Die Stadtverwaltung bereitet mit einem Investor eine Baumaßnahme am wertvollsten unbebauten Grundstück der Stadt vor, Volumen 120 Millionen Euro, und legt dem zuständigen Ausschuss das Ergebnis zur Zustimmung vor. Der Ausschuss, quer durch die politischen Lager, ist perplex. Am Mittwochabend sollte der Plan beraten werden, die Ausschussmehrheit aber setzte ihn als erstes von der Tagesordnung wieder ab.

Für 120 Millionen Euro will die IFA Gesellschaft für Immobilien mbh & Co KG den großen Parkplatz an der Lisdorfer Straße und der Walter-Bloch-Straße als „Walter Bloch Quartier Saarlouis“ bebauen. Derzeit stehen auf dem Platz 275 nicht bewirtschaftete und 225 von der GBS bewirtschaftete Dauer-Parkplätze zur Verfügung. Sie alle sollen laut Stadtverwaltung in ein neues Parkhaus (680 Plätze) verlagert werden, das ohnehin an der benachbarten Straße Fort Rauch gebaut werden soll.

IFA hat vorgeschlagen, die etwa 1,4 Hektar bester Lage mit drei Gebäuden zu bestücken: ein H-förmiger Bau, in dessen Erdgeschoss ein Aldi-Markt (1200 Quadratmeter) unterkäme. Darüber – insgesamt sechs Geschosse – sind ein Pflegeheim (110 Plätze) mit Tagespflege (16) und betreutes Wohnen (70 Wohnungen) geplant. In einem weiteren, ebenfalls sechsgeschossigen Bau würde ein Rewe-Markt (1630 Quadratmeter) unterkommen, drüber etwa 48 Wohnungen. Der dritte Komplex könnte ein Parkhaus mit etwa zwölf Penthouse-Wohnungen auf dem Dach werden.

Das Konzept entspricht nach Aussage von Oberbürgermeister Peter Demmer den Vorgaben, die die Stadt Investoren gemacht hat. So entspreche die Ansiedlung von Lebensmittelmärkten dem Saarlouiser Einzelhandelskonzept. Vorgaben seien unter anderem ein Anteil bezahlbarer Wohnungen oder die Einrichtung eines Pflegeheims. Vermutlich wegen dieser Vorgaben hätten weitere anfänglich an der Fläche interessierte Projektentwickler keine Konzepte eingereicht.

Dieses Konzept sollte der Ausschuss am Mittwochabend grundsätzlich billigen und die Stadtverwaltung beauftragen, mit dem Vorhabenträger Detailfragen zu klären und den vorhabenbezogenen Bebauungsplan vorzubereiten.

So nicht, befand der Ausschuss. Dass das „nun plötzlich aufgeploppt“, sei nicht akzeptabel, sagte Philipp Julien (Grüne). Da gebe es noch erheblichen Beratungsbedarf. Es sei nicht zu erkennen, wie sich der Plan mit der städtebaulichen Ausrichtung der letzten Jahre vereinbaren lasse. Ähnlich Raphael Schäfer (CDU): „Es ist der falsche Weg, nur mit einem Investor reden.“ Ein Ideenwettbewerb für dieses prominente Areal sei besser. Im Beirat äußerte Ekkehard Ulrich, „das Filetstück von Saarlouis habe etwas besseres verdient.“

Auch SPD-Fraktionschef Hakan Gündüz sah „erheblichen Diskussionsbedarf“. Ein derartiges Volumen stehe höchstens „alle 20 bis 30 Jahre auf den Plan“. Auf Anhieb sei auch seine Fraktion nicht in der Lage, eine städtebauliche Richtung vorzugeben. Auch Gündüz lehnte einen Beschluss in dieser Sitzung ab.

Mit seinem Vorschlag, den Investor das Konzept in der Sitzung vorstellen zu lassen, setzte er sich nicht durch. CDU, Grüne, FDP und AfD setzten den Punkt von der Tagesordnung ganz ab.