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Aus spöttischer Distanz betrachtet

Aus spöttischer Distanz betrachtet

Von mehr als 2000 Werken, die Marie Marcks dem Archiv des Museums Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst – kurz vor ihrem Tod vermachte, zeigt das Saarlouiser Museum Haus Ludwig 160 Arbeiten: erste Grafiken der Nachkriegszeit, Zeichnungen aus ihrer Autobiografie „Marie, es brennt!“ sowie Blumen- und Landschaftsaquarelle.

"Ich habe immer meine eigene Position gehabt", sagt Marie Marcks (1922-2014), die in einer künstlerisch geprägten Familie aufwächst: Der Vater ist Architekt, die Mutter Buchgrafikerin mit privater Kunstschule in Berlin. Bei ihr erhält sie den ersten Zeichenunterricht und beginnt noch während des Zweiten Weltkriegs ein Architekturstudium in Berlin und Stuttgart. Nach Kriegsende zieht sie mit ihrem ersten Kind nach Heidelberg. In einer ausgebauten Scheune schwingt sie mit Tusche getränkte Zeichenfeder, Aquarellpinsel und Kochlöffel - etabliert sich zunächst als Gebrauchsgrafikerin mit Plakatentwürfen. Ihre Hinwendung zur Karikatur ist den aufkommenden brisanten, politischen Debatten im Deutschland der 50er Jahre zu verdanken. Parallel dazu wird die Gleichberechtigung der Frau für sie zu einem echten Anliegen. Sie weiß, wovon sie spricht: Fünf Kinder zieht sie meist allein groß und setzt sich zugleich ohne Wenn und Aber in der von Männern dominierten Karikaturszene durch.

Karriere als Grafikerin

Marie Marcks macht Karriere. Schon bald zählt sie zu den prominentesten Karikaturistinnen, Grafikerinnen und Buchautorinnen im deutschen Sprachraum. Ohne erhobenen Zeigefinger, doch mit präziser Sicht und kluger Einschätzung analysiert sie gesellschaftspolitische Themen, wobei die Zeitlosigkeit vieler Arbeiten erstaunt. Schon vor Jahrzehnten kritisiert sie die Atombombenversuche der Amerikaner, die Einführung der Wehrpflicht in der BRD, den Beitritt der Nato mit dem darauffolgenden Wettrüsten in Ost und West sowie den Friedensbewegungen als Gegenreaktion.

Politik und Zeitgeist

Sie thematisiert die Asylpolitik und warnt, die NS-Vergangenheit zu verharmlosen. Dazu belegen autobiografische und pointierte Zeichnungen aus dem Familienalltag wie "frauenleben" ihren Kampf gegen das überlieferte Bild der Geschlechterrollenverteilung.

Was andere schreiben, zeichnet sie. Fast ein Vierteljahrhundert deckt sie als einzige Frau in der von Männern dominierten Zeitungswelt die Tagespolitik der Süddeutschen ab, reagiert mit Intellekt, Neugier und spöttischer Distanz auf Mitmenschen, Politik und Zeitgeist. Auch ihren politischen Karikaturen in der "Zeit", im "Spiegel" und anderen Zeitungen räumt sie hohen Stellenwert ein. Die Karikaturen mit Comic-Elementen wie Sprechblasen sind meist ironisch, manchmal sogar ätzend. Stets geht es ihr um Aufklärung und Agitation, unter anderem auch darum, Wut abzulassen. "Das Lächerlichmachen ist wirksamer als das Dozieren", meint sie und amüsiert sich darüber, dass die Leitartikelschreiber sie um ihre Narrenfreiheit beneiden. Bis ins hohe Alter bezieht Marcks mit reichlich Wortwitz Position.

Zur Eröffnung der Ausstellung "Nichts gegen Männer..." morgen, 19 Uhr, spricht Ruth Brunngraber-Malottke M.A., Stellv. Direktorin des Wilhelm-Busch-Museums Hannover. Die Ausstellung läuft bis 11. September. Öffnung: Dienstag bis Freitag, 10-13 und 14-17 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen, 14-17 Uhr. Montags und 16. August geschlossen.