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Aus dem kleinsten Strich kann noch was werden

Saarlouis. 1871 wurde Rudolf Hesse als Sohn eines Kaufmanns und Inhabers einer Eisenwarenhandlung an der Ecke Französische Straße/Kleiner Markt geboren. Als sein Bruder Emil 1895 als Verkaufsleiter für Villeroy & Boch nach München ging, lud er den Bruder ein, ihm zu folgen Von SZ-Mitarbeiterin Sabine Graf

Saarlouis. 1871 wurde Rudolf Hesse als Sohn eines Kaufmanns und Inhabers einer Eisenwarenhandlung an der Ecke Französische Straße/Kleiner Markt geboren. Als sein Bruder Emil 1895 als Verkaufsleiter für Villeroy & Boch nach München ging, lud er den Bruder ein, ihm zu folgen. Emil hatte das zeichnerische Talent des Bruders erkannt und wollte, dass Theodor an der Akademie der Bildenden Künste dort studierte. Der Bruder gehorchte, studierte und wurde Zeichner, der Magazine wie die "Münchner Fliegenden Blätter", den "Kladderatsch" oder "Die Jugend" belieferte. Hesse blieb, bis auf ein kurzes Gastspiel in Koblenz, zeitlebens in München, bis er 1944 dort starb. Ihn, den man als humoristischen Zeichner lobte und der auch als Porträtmaler sein Geld verdiente, zu ehren, war der Plan von Professor Peter Pachnike, Kurator der Ludwig-Galerie Schloss Oberhausen und dem Trierer Hesse-Sammler Dr. Volker Hochdörffer. Wobei Hesse ein Vertreter "des liebevollen Humors, nicht des bissigen war", weiß Peter Pachnike. Zu Recht, bestätigt Museumsleiterin Claudia Wiotte-Franz und holt zum Beweis den 1912 erschienenen Bildband "Spass muss sein" hervor. Da steht einer, zieht seinen Hut, ob zum Betteln oder Grüßen und steht dank des Strichwerks unter seinen Füßen "wie auf Spiegelflächen", meint Claudia Wiotte-Franz. Diese beiläufig aus der Hand laufenden Striche sind Peter Pachnike "Produkt linearer Erfindungen" eines Künstlers, der wusste, dass noch aus dem kleinsten Strich etwas werden kann. Apropos klein. Hesse, der auch als Porträtmaler arbeitete, malte zu Übungszwecken seine drei Kinder. Als Gegenleistung schuf Hesse für die Puppenstuben seiner Tochter Lilli Miniaturgemälde, Zeichnungen und Bilderbücher. Diese Kleinstformate zeigt die sein Werk umfassende Ausstellung in Originalkulisse, ebenso wie auch Blätter aus Kinder- und Studienjahren, Kinderbücher, Illustrationen für Zeitschriften von humoristisch bis düster, zwischen Jahrmarkt und religiösem Motiv, Porträtarbeiten und die dafür notwendigen Studien in verschiedenen Techniken. Ausstellung bis zum 30. August. Öffnungszeiten von Dienstag bis Freitag von zehn bis 13 Uhr und von 14 bis 17 Uhr. Samstag/Sonntag/Feiertag von 14 bis 17 Uhr. Katalog: 12,50 Euro.