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Auf die Plätze, fertig, Omnikin

Auf die Plätze, fertig, Omnikin

Wo powern sich die Menschen aus? Haben sie Hobbys – fernab von Fußballplatz, Fitnessstudio und Co? Die Saarbrücker Zeitung hat sich auf die Suche gemacht und stellt in der Serie „Anders fit“ ungewöhnliche Sport-Möglichkeiten im Landkreis Saarlouis vor. Heute: ein Training der Kin-Ball-Mannschaft des TV 1879 Roden.

Mit voller Wucht feuert Virginia Martinus den riesigen Gummiball in die Luft. Elf weitere Spieler beobachten seine Flugbahn. Einige rennen los, andere bleiben unbeeindruckt stehen. Und dann? Chaos. Drei Frauen gelingt es, die Kugel zu fangen. Sie knien nieder. Ein Mann läuft an, schreit, schlägt gegen den Ball. Der fliegt an die Decke und landet mit einem Knall auf dem Boden. "Fehler, Punkt für anderen", wertet die Schiedsrichterin. Virginia grinst. "Tja Papa, das kommt davon, wenn man seine Kraft nicht unter Kontrolle hat", kommentiert sie die Szene.

Dieses wilde Durcheinander, das auf den ersten Blick aussieht wie ein Volleyballspiel ohne Netz und mit viel zu großem Ball, trägt den Namen Kin-Ball. Eine Sportart, die neben Schnelligkeit, Kondition und Koordination vor allem eines fordert: Teamgeist. "Einer allein kann nichts bewegen. Die Mannschaft muss den Ball gemeinsam kontrollieren und eine Taktik ausarbeiten", erklärt Trainer Holger Bader. Er betreibt den noch relativ unbekannten Sport bereits seit elf Jahren. So lange bietet der TV 1879 Roden Kin-Ball bereits an.

Das komplexe Spiel stammt ursprünglich aus Quebec in Kanada, dort hat es der Lehrer Mario Demers im Jahr 1986 erfunden. Schnell hat er Anhänger in Kanada, Japan, Belgien, Frankreich und Deutschland gefunden. "Es ist die einzige Sportart auf der Welt, bei der sich drei Mannschaften mit je vier Spielern gleichzeitig auf dem Feld befinden", sagt Bader. Die Teams sind unterteilt in Grau, Schwarz und Rot beziehungsweise Blau. Sie spielen auf einem 21 mal 21 Meter großen Feld. Eine Mannschaft bekommt den 1,22 Meter großen und knapp ein Kilo schweren Ball und darf aufschlagen. Dazu halten drei Teamkameraden das Sportgerät fest. Ein vierter ruft Omnikin gefolgt von der Farbe der Mannschaft, die den Ball fangen soll. Anschließend schlägt er die Kugel mit dem Unterarm weg und das genannte Team muss sie annehmen. Gelingt dies, geht das Spiel weiter. Berührt der Ball den Boden erzielen die gegnerischen Teams jeweils einen Punkt. Gespielt werden drei Sätze à 15 Minuten. "Das Grundprinzip ist leicht zu erlernen", berichtet Christoph Bambach, der seit einem Jahr Mitglied im Verein ist. "Aber all die Regeln im Spiel anzuwenden, das schaffe ich immer noch nicht." Ruffehler, Zeitfehler, Schrittfehler - 60 Seiten umfasse das Regelwerk. Dennoch kann sich der 23-Jährige kaum ein schöneres Hobby vorstellen. Kin-Ball sei etwas Besonderes. "Ein Sport, den nicht jeder macht."

Nicht zu unterschätzen, ist dabei auch der Fitnessaspekt. "Laufen, bücken, strecken, rutschen. Da wird der ganze Körper beansprucht", sagt Bodo Martinus. Er hat schon verschiedene Sportarten ausprobiert und ist schließlich bei Kin-Ball hängen geblieben. Der 54-Jährige liefert sich gerne einen Wettkampf mit seiner Tochter Virginia. "Ich versuche öfter, sie auszuspielen. Schaffe es aber nicht immer." Bodos Stärke: Er ist groß, breit gebaut und kümmert sich meist "ums Grobe". Aufschläge sind sein Spezialgebiet. "Wenn Papa unter den Ball schlägt, kommt der mit einer ganz schönen Wucht angeflogen", erzählt die 25-jährige Virginia. Dennoch hat sie kein Problem, mit Männern zu trainieren. "Die Jungs haben Kraft, aber wir Mädels gleichen das mit Taktik aus."

Und die ist beim Kin-Ball extrem wichtig. "Ein Team muss sich genau absprechen", erklärt Trainer Bader. Wer schlägt auf? Wer hält den Ball? Wie soll der Angriff aussehen? Je vielfältiger die Mannschaft ist, desto bessere Chancen hat sie. Aus diesem Grund ist der Sport auch für fast jeden geeignet. "Wichtig ist nur, dass man keine Angst vorm Ball hat", sagt Bader. Das Kin-Ball-Chaos zu beherrschen, lerne man mit der Zeit von ganz alleine.

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Kin-Ball-Trainer Holger Bader (hinten links) und seine Mannschaft vom TV 1879 Roden. Fotos: Seeber

Auf einen Blick Kin-Ball ist ein koordinatives Spiel aus Kanada, das der Sportlehrer Mario Demers im Jahr 1986 erfunden hat. Seit elf Jahren gibt es auch im TV 1879 Roden eine Mannschaft. Die Spielerinnen und Spieler trainieren dienstags von 18.45 bis 21.15 Uhr in der Turnhalle der Römerbergschule sowie freitags von 20.15 bis 21.30 Uhr in der Vogelsangschule. Mitmachen kann jeder ab 14 Jahren. Weitere Infos gibt es bei Holger Bader unter E-Mail kinball@tv1879roden.de sowie auf www.tv1879roden.de/Sportangebot/Abteilungen/kinball/kinball . sara