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Auf den Kaiser lässt Calli nichts kommen

Auf den Kaiser lässt Calli nichts kommen

Er ist in ganz Deutschland bekannt, der Calli. Seinen Wohnsitz hat er in Saarlouis. Was liegt also näher, als Reiner Calmund mal beim Wirtschaftsforum plaudern zu lassen? So dachte und machte es die Kreissparkasse Saarlouis.

Egal was dem Kaiser vorgeworfen wird: "Franz Beckenbauer bleibt mein großes Idol", sagt Ex-Fußballmanager Reiner Calmund , heute als Vortragsredner, Buchautor, gefragter Bundesliga-Experte und pfiffiger Gast in TV-Shows unterwegs. Seit 2012 wohnt der schwergewichtige Rheinländer mit seiner Familie in Saarlouis , um sein anstrengendes Geschäftsleben etwas zu "entschleunigen", wie er sagt.

Saarlouis verpassen? Geht nicht!

Zum traditionellen Wirtschaftsforum der Kreissparkasse Saarlouis hatte Calli es also nicht weit. Dennoch wäre sein dortiger Auftritt fast gescheitert: Ein Bandscheibenvorfall und eine Entzündung im Armgelenk machten ihm zu schaffen. Aber: "Ich habe noch nie gefehlt. Und dann ausgerechnet in Saarlouis ? Geht ja gar nicht", gibt sich der Unterhaltungsprofi nach der Begrüßung durch den KSK-Vorstandsvorsitzenden Horst Herrmann ganz lokalpatriotisch und erntet ersten wohlwollenden Applaus.

Der Andrang war groß. Knapp 500 Zuhörer waren gekommen, um Calmund darüber reden zu hören, was die Wirtschaft vom Spitzenfußball lernen kann. "Mit Kompetenz und Leidenschaft zum Erfolg" hieß das Thema des Abends, von Calmund emotional und mit lockerem Mundwerk gleich zugespitzt: "Das heißt Gas geben, malochen und noch einmal malochen . . ." Ohne Mühen und höchsten Einsatz kein Erfolg: Was dem Fußball der Kampf um jeden Ball, sei der Wirtschaft der Kampf um jeden Kunden, um jeden einzelnen Auftrag.

Im Milliardenmarkt Bundesliga-Fußball zählten nur Ergebnisse und Tabellenplatz. "Wer da als Spieler nicht mithalten kann, kriegt 'ne Briefmarke auf den Arsch und Goodbye", weiß der ehemalige Proficlub-Macher, und nimmt auch an anderer Stelle kein Blatt vor den Mund, nämlich bei der selbst gestellten Frage, ob die Saar-Spitzenclubs zwecks besserer Zukunftsperspektiven nicht endlich doch fusionieren sollten: "Da würden ja einige Doofe ihre Kirchturmspitze verlieren."

"Setzt auf den Nachwuchs"

"Tradition schießt keine Tore und sichert auch keinen Umsatz", weiß Calmund. Was die Wirtschaft auf jeden Fall vom Spitzenfußball lernen könne, sei konsequente Nachwuchsförderung, das Setzen auf eigene "High Potentials", beste Aus- und Weiterbildung und die Positionierung als attraktiver Arbeitgeber. Wenn dann auch noch Motivation und Einsatzbereitschaft stimmten, bleibe der Erfolg nicht aus.

Mehr als eineinhalb Stunden fesselte Calmund seine Zuhörer an die Plätze, mit wortreichen Ausflügen in seine "Iron-Calli"-Erlebnisse, ehrenamtliches Engagement und vielen Fußball-Anekdoten nicht immer ganz hart am Thema. Aber das hatten die Gäste dieses Abends auch nicht wirklich erwartet. Calli einmal leibhaftig zu erleben, und dann wie alljährlich einen vergnüglichen Gesellschaftsabend bei der KSK zu verbringen, war den Besuch allemal wert.