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Assyrische Christen fordern „Zeichen der Solidarität“

Saarlouis. Von der Entführung assyrischer Christen durch IS-Terroristen sind auch Familien der Gemeindemitglieder im Saarland betroffen. Diese wünschen sich vom Landtag mehr Anteilnahme an den Schicksalen der Entführten.

. Unter den etwa 450 assyrischen Christen im Saarland herrscht Verzweiflung, Trauer und Entsetzen. Seit Dienstag werden elf Christen-Dörfer im äußersten Nordosten Syriens an der Grenze zur Türkei von Terror-Einheiten des Islamischen Staats (IS) angegriffen. Am Freitag berichteten Medien, dass etwa 380 assyrische Christen von den Islamisten verschleppt worden seien, 15 sollen die Terroristen enthauptet haben. "Ich kann ihnen kaum sagen, wie gelähmt ich bin", erklärte Charli Kanoun, der Sprecher der assyrischen Christengemeinde im Saarland, der SZ. Kanoun wollte am Freitag die Abgeordneten des Interregionalen Parlamentarierrates (IGR) der Großregion Saar-Lor-Lux, die in der Flüchtlingsaufnahmestelle Lebach tagten (die SZ berichtete), über die hoffnungslose Lage seiner Landsleute informieren. Doch Kanoun musste gegenüber dem Vorsitzenden der IGR-Kommission Innere Sicherheit Roland Theis (CDU ) sein Kommen absagen: Auch Kanouns Onkel ist offenbar unter den IS-Geiseln in Syrien, Kanoun befürchtet das Schlimmste. "Ich vermisse ein Zeichen der Solidarität des Saar-Landtags mit uns", sagte Kanoun. Die assyrische Christengemeinde habe am Freitag alle Landtagsabgeordneten in einer E-Mail auf die verzweifelte Lage aufmerksam gemacht. "Fast alle Familien habe Angehörige, die von den IS-Angriffen betroffen sind", sagte Kanoun. 1200 christliche Familien sind offenbar auf der Flucht und haben sich teilweise in Gotteshäuser in der Provinzhauptstadt Al-Hasseke gerettet, die noch nicht von IS-Truppen erobert wurde. "Wir erleben genau 100 Jahre nach dem Holocaust an den Assyrern durch die Türken erneut ein Genozid, ohne dass die Weltgemeinschaft reagiert", klagte Kanoun. 1915 hatten so genannte Jung-Türken im zerfallenden Osmanischen Reich nicht nur geschätzte 1,5 christliche Armenier umgebracht, sondern auch zehntausende assyrische Christen .

Nur Bischof Stephan Ackermann und Theis hätten sich bisher um die assyrischen Familien im Saarland bemüht, die nun hilflos von Ferne mitbekommen, wie ihre Angehörigen von den Islamisten umgebracht werden. "Auch die kurdischen Peschmerga waren nicht vor Ort, als die IS-Terroristen unsere Dörfer überfielen", sagt Kanoun bitter. Besonders die Türkei kritisiert der Sprecher der assyrischen Christen . Die Türkei habe die Grenze für die Christen dicht gemacht, so dass eine Flucht vor den Islamisten unmöglich sei. Woran die türkischen Grenzer die Christen erkennen können? "An ihren Vornamen wie George, Michael oder Andreas", erklärt Kanoun.