Architekten CBAG stellen Studie für Kirche in Beaumarais vor

Leere Kirchen : Was ändern, damit bleiben kann, was ist

Es ist ein Experiment: Ein Einbau soll den Erhalt der katholischen Pfarrkirche St. Peter und Paul in Saarlouis-Beaumarais sichern. Technisch machbar? Der Gemeinde vermittelbar? Am Sonntag stellten Pfarrer und Architekten eine Machbarkeitsstudie vor.

Die katholische Pfarrei Beaumarais sucht einen Weg, um ihre Pfarrkirche in die Zukunft zu bringen. In der Kirche stellten am Sonntag die Architekten Achim Gergen und Christina Beaumont (Büro CBAG, Saarlouis, unter anderem Neubau des Hotel La Maison) eine Machbarkeitsstudie vor. In Auftrag gegeben hatte sie der Verwaltungsrat der Pfarrei. Vorgabe: Wie kann man das Kirchengebäude erhalten und gleichzeitig als Gemeinschaftsraum für örtliche Gruppen nutzen?

Achim Gergen stellte das Ergebnis unter dem Titel „Atrium Beaumarais“ vor. In die im klassizistischen Stil Mitte des 19. Jahrhunderts erbaute Saalkirche wird eine Art Pavillon gestellt. Er wird sich im Kirchenschiff selbst befinden, abgegrenzt vom Altarraum und vom Eingang unter der Empore. Um den Altar herum werden rund 50 Stühle für den normalen Gottesdienst stehen. Unter der Empore werden schmale Funktionsräume wie eine Toilette untergebracht.

Der Pavillon selbst misst zehn mal zehn Meter und ist etwa vier Meter hoch. Er soll gut zweieinhalb Meter von den Wänden abgerückt werden, die deswegen unverändert bleiben. Den Pavillon, eine Art Baldachin, bilden Stahlstützen, deren Formen den neuromanischen Rundbogenfenstern der Kirche nachempfunden sind. Die eigentliche Raumhaut wird aus Glas sein. Den „Raum im Raum“ kann man bei Bedarf öffnen.

Dieser Raum bietet Platz für bis etwa 50 Personen: Für Gruppenstunden, zum Feiern, für Vorträge oder Sitzungen, ausdrücklich für kirchliche und nicht kirchliche Gruppen aus Beaumarais.

Einen funktionalen Einbau im größeren Kirchengebäude haben zuvor auch schon die Architekten FLOSUNDK architektur+urbanistik in Christkönig am Bahnhof in Roden realisiert: Die Kirche wurde zur Kita umgebaut und dazu komplett entwidmet. Das soll in Beaumarais anders werden. Der Verwaltungsrat plädiert nun für den Glas-Einbau, „um das Kirchengebäude dauerhaft zu sichern“. Jürgen Tilk, Mitglied des Rates: „Das war ein absolut schlagendes Argument.“

Foto: Johannes A.Bodwing/Johannes A. Bodwing

Der Bestand dieser Kirche als Gottesdienstraum erscheint durchaus gefährdet: 40 Messbesucher im Schnitt, sagte Pfarrer Frank Kleinjohann, Schimmel in Orgel und Kunstwerken, Schäden an Dach und Heizung, ein Sanierungsstau von wenigstens einer halben Million Euro. „Wenn Sie jetzt nicht handeln, ist die Kirche in zehn Jahren zu.“ Das zu verhindern, ist gemeinsamer Nenner vieler Katholiken in Beaumarais, wie sich in der Info-Stunde am Sonntag zeigte. Gelegentlicher Applaus und Diskussionsbeiträge zeigten aber auch: Die Meinungen sind geteilt.

Wem fehlen denn wirklich Räume als Treffpunkte, war eine Frage. 50 Leute fasst der „Raum im Raum“ - viel zu wenige, sagte ein anderer. Der neue Raum gehöre nach draußen hinter die Kirche, meinten einige. Das Bistum genehmigt keine Neubauten, entgegnete Kleinjohann. Ein Gemeindemitglied: „Der Entwurf ist sehr schön, aber ich kann damit trotzdem nicht anfreunden.“ Die Kirche sei schließlich ein „Gotteshaus“. Ob da etwa bei der Sonntagsmesse nach einer Hochzeit Essensgerüche im Raum hingen, wollte jemand wissen.

Pfarrer Kleinjohann unterstrich, dass es die Gemeindemitglieder seien, die über Bau oder Nichtbau des Pavillons entschieden. Dafür hätten sie die gewählten Gremien Pfarrverwaltungs- und Pfarrgemeinderat. „Eure Meinung ist gefragt.“ Er werde sich daran halten. Geld für die Sanierung der Kirche und zumindest teilweise für den Einbau kann die Pfarrei aus dem Verkauf des früheren Pfarrheims und des früheren Pfarrhauses gegenüber der Kirche aufbringen. Die Sanierung selbst wird zudem vom Bistum bezuschusst.

Zur Info nach der Sonntagsmesse waren einige Dutzend Gemeindemitglieder gekommen; Beaumarais zählt rund 3000 Katholiken.

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