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Archäologen zwischen Lücken und Legenden

Archäologen zwischen Lücken und Legenden

Kreis Saarlouis. Ursus, einen Christen aus der späten Römerzeit, begraben in Pachten, kennt man mit Namen. Aber wo trafen sich er und seine Glaubensbrüder im vierten Jahrhundert zum Gottesdienst? Reicht der Anfang des Kirchenbaus in Pachten so weit zurück? Neuen Anlass zum Spekulieren geben Grabungen 2007 und 2008

Kreis Saarlouis. Ursus, einen Christen aus der späten Römerzeit, begraben in Pachten, kennt man mit Namen. Aber wo trafen sich er und seine Glaubensbrüder im vierten Jahrhundert zum Gottesdienst? Reicht der Anfang des Kirchenbaus in Pachten so weit zurück? Neuen Anlass zum Spekulieren geben Grabungen 2007 und 2008. Über sie und andere Fundstätten im Land berichtet ein neuer Band der Landesdenkmalpflege. Er lässt sehr unmittelbar teilhaben an archäologischer Arbeit im Saarland 2005 bis 2009.

Römischer Saal

Als der Platz um die Pachtener Kirche 2007/08 saniert wurde, stießen die Archäologen auf Reste eines aufwendigen römischen Gebäudes. Um 360 wurde ein erst 20 Jahre alter Steinbau abgerissen und neu gebaut: als saalartiger Raum mit farbig gefassten Wänden und Glasfenstern. Verwunderlich, dass in so bedrohter Zeit in dem römischen Ort noch so repräsentativ gebaut wurde, schreiben Wolfgang Adler (Landesdenkmalamt) und Monika Schwarz. Könnte das die früheste Kirche St. Maximin in Pachten gewesen sein, noch aus römischer Zeit? Das sei nicht zu entscheiden, sagen die Archäologen. Bloß, dass die Wahrscheinlichkeit eines so frühen Kirchenbaus in Pachten "ein wenig größer geworden" sei.

Petra Held und Kurt W. Alt (Uni Mainz) ergänzen mit einer Auswertung der Skelette von 20 Pachtenern, die im Mittelalter auf dem Friedhof beerdigt und 2007/2008 geborgen wurden. Fazit: Diese mittelalterlichen Pachtener waren hart arbeitende Bauern, die aber keine Not erlebt hatten.

Abbau dauert viel länger

Zusammengefasst werden in dem Band auch die Grabungsergebnisse 2003 bis 2008 aus dem römischen Bergwerk Wallerfangen-St. Barbara. Hier wurde Azurit abgebaut. Fein gemahlen, ergab das den Grundstoff der teuren Farbe Blau besonders für Wandmalereien. Abbauzeit zweites und drittes Jahrhundert nach Christus, galt bisher. Farbuntersuchungen ergaben nun: Das "Wallerfanger Blau" tritt schon im ersten Jahrhundert in der Villa von Perl-Borg auf. Und letztmalig wurde es im vierten Jahrhundert in einem Kaiserbau in Trier nachgewiesen. 1492, so der alte Wissensstand, wurde der Abbau nochmals aufgenommen. Jetzt aber kamen Hölzer zum Vorschein, die auf die Zeit 982 bis 1166 datiert wurden. Also viel früher. Die Archäologen erwarten noch viel von dem Bergwerk, schreibt Gabriele Körlin vom Deutschen Bergbaumuseum.

Aufschlussreich auch die Untersuchung eines Befundes, den Sabine Kiefer (Dillingen), Leiterin der Arbeitsgruppe Archäologie in der Vereinigung für die Heimatkunde im Landkreis Saarlouis, beschreibt. Kiefer begutachtete Keramikfunde und altes Mauerwerk, das bereits vor zehn Jahren in der Schmiedestraße in Saarlouis-Roden aufgedeckt worden war. Anhand der Keramik datierte Kiefer die Reste des mächtigen Fundaments auf das Spätmittelalter. Das Gebäude fiel auf jeden Fall komplett aus dem Rahmen einer Dorfbebauung heraus. Aber was war es? Vielleicht das immer wieder erwähnte "Alte Schloss"? Ein "altes" Schloss in Roden erscheint plausibel, da im 18. Jahrhundert in der Herrenstraße ein stattliches Gebäude errichtet wurde, das "Schloss" genannt wurde. War das "Alte Schloss", wie es die Legende will, eine Wasserburg, die Urkunden im 14. Jahrhundert erwähnen? Oder war die Wasserburg Nachfolgerin eines fränkischen Königshofes aus dem 10. Jahrhundert, den es an unbekannter Stelle in Roden gab? Was aber war dann das Gebäude in der Schmiedestraße?

Unter der Trasse

Ein Bericht widmet sich dem Fund eines keltisch-römischen Verbrennungsplatzes bei Überherrn. Er wurde beim Bau der B 269 neu gefunden.

Und schließlich würdigt Landesarchäologe Wolfgang Adler das Lebenswerk von Hermann Maisant (1914 bis 2006), einem Studienrat am Schuman-Gymnasium, der zugleich ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger war. Maisants Bücher, zuletzt über Gräber von Kelten, Römern und Franken in Roden (2001), bilde "langfristig eine wesentliche und tragfähige Basis für die Bodendenkmalpflege" im Kreis. Maisants Doktorarbeit über Bodendenkmäler im Kreis sei unerreicht, ihre Bedeutung "herausragend".

 In Pachten wurden 2008 Skelette aus dem Mittelalter ausgegraben. In Mainz wurden sie genau untersucht. Foto: Thomas Seeber
In Pachten wurden 2008 Skelette aus dem Mittelalter ausgegraben. In Mainz wurden sie genau untersucht. Foto: Thomas Seeber

Landesarchäologie Saar 2005-2009. Denkmalpflege im Saarland 2, Auflage: 350; ISBN 978-3-927856-12-7; 19,80 Euro.