Antoniuskorb vor dem Altar

Herr Trapp, was hat sie veranlasst, Körbe in der Kirche aufzustellen, in denen Lebensmittel gesammelt werden?Trapp: Immer schon klingeln Menschen an der Tür zu Pfarrhäusern und bitten um etwas. In der Vergangenheit waren das vor allem Durchreisende, und sie haben meistens nach etwas Geld gefragt

Herr Trapp, was hat sie veranlasst, Körbe in der Kirche aufzustellen, in denen Lebensmittel gesammelt werden?Trapp: Immer schon klingeln Menschen an der Tür zu Pfarrhäusern und bitten um etwas. In der Vergangenheit waren das vor allem Durchreisende, und sie haben meistens nach etwas Geld gefragt. Jetzt aber kommen immer mehr Leute, die nicht nach Geld fragen, sondern nach etwas zu essen. Leute, bei denen mitten im Monat das Geld nicht mehr reicht, um Lebensmittel zu kaufen. Das ist unseren Sekretärinnen aufgefallen, und wir haben darüber gesprochen. Viele von ihnen sind Familien mit Kindern. Aber es gibt auch alte Menschen darunter. Obwohl die sich damit besonders schwertun. Es gibt einfach alte Frauen, die ihr Leben lang geschafft haben, und bei denen es jetzt nicht für Essen reicht.

Sie könnten zu einer der Tafeln gehen.

Trapp: Stimmt. Wir verstehen uns ja auch nicht als Konkurrenz zu den Tafeln. Wir wollen im Pfarrhaus einfach etwas abgeben können, wenn jemand fragt. Das Pfarrbudget reicht dafür nicht, es ist schnell erschöpft. Dafür haben wir die Antoniuskörbe aufgestellt.

Wieso Antoniuskorb? Antonius ist in katholischer Tradition doch der Heilige, der zuständig ist für verlorene Dinge?

Trapp: Arme haben ja auch etwas verloren. Ihre Würde zum Beispiel. Aber Antonius hat auch selbst viel für Arme getan. Das passt schon. Das Wort Antoniuskorb soll verhindern, dass wir von einem Korb für Hilfsbedürftige sprechen. Denn ich möchte nicht, dass auf diese Weise Menschen, die Lebensmittel aus dem Korb bekommen, zusätzlich abgestempelt werden.

Wo stehen die Körbe?

 Der Antoniuskorb in der Rodener Kirche Maria Himmelfahrt nimmt Lebensmittel für bedürftige Menschen auf. Foto: hj
Der Antoniuskorb in der Rodener Kirche Maria Himmelfahrt nimmt Lebensmittel für bedürftige Menschen auf. Foto: hj

Trapp: Sie stehen vor dem Altar in den vier Kirchen der Pfarreiengemeinschaft "Rechts der Saar": In Dreifaltigkeit und St. Josef in Fraulautern, in Maria Himmelfahrt in Roden und St. Johannes im Steinrausch. Die Leute können vor oder nach der Messe Lebensmittel hineinlegen. Sie tun es auch. Sie teilen. Sie zeigen damit auch, dass sie nicht nur an sich denken, wenn sie in den Gottesdienst kommen. Sie bringen etwas für andere mit. Die Lebensmittel werden dann im Pfarrhaus abgegeben, wenn Menschen nach etwas zu essen fragen.