Annäherung an Darwin

Saarlouis. Andreas H. Drescher zeigt in seinem Hörbuch die Schattenseiten des berühmten Forschers. Seine Selbstzweifel, "das seltsame Zusammenspiel von Angst und Langeweile", Darwins körperliches Unbehagen auf See, die Mattigkeit. Darwin segelte fünf Jahre um die Welt. Der Autor schildert in Form von inneren Monologen einen einzigen stürmischen Tag an Bord der Beagle

Saarlouis. Andreas H. Drescher zeigt in seinem Hörbuch die Schattenseiten des berühmten Forschers. Seine Selbstzweifel, "das seltsame Zusammenspiel von Angst und Langeweile", Darwins körperliches Unbehagen auf See, die Mattigkeit. Darwin segelte fünf Jahre um die Welt. Der Autor schildert in Form von inneren Monologen einen einzigen stürmischen Tag an Bord der Beagle. Nur die Stimme der früh verstorbenen Mutter unterbricht den Fluss der Gedanken. Die Vergangenheit und die Gegenwart, die Gefühle gegenüber Kapitän Fitzroys "bigottem Getue: dem Sklavenhalter Recht zu geben und zwei Sätze später den Namen Christi im Mund zu führen" verweben sich. Andreas H. Drescher, der, wie er sagt, über Märchenschallplatten zur Literatur kam, lebt als freier Schriftsteller in Saarlouis. Zusammen mit dem Liquid Penguin Ensemble wurde er für die poetische Animation seines Textes "Fremde Zunge" beim Literatur-Digital-Wettbewerb vom Hanserverlag mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Das Internet, sagt Drescher, sei für ihn als Autor ein "wichtiges Bein". In zwei Foren mischt er mit. Geschichten über "sogenannte Leuchten, über berühmte Leute, die nur noch phosphorisieren", insbesondere ein Text über Botticelli gefielen der Berliner Verlegerin. So regte sie ein entsprechendes Hörstück über Darwin an. Drescher recherchierte, lieh sich in der Saarlouiser Stadtbibliothek die "Entstehung der Arten" aus. Er fragte sich: "Wie muss Darwin sich gefühlt haben?", "Wie wurde Darwin zu Darwin?", "Welche Grundhaltung hatte er?", "Was für ein Mensch war er?". "Ich versuche dem Menschen nahe zu kommen", sagt Drescher. Er erzählt, Darwin habe ununterbrochen fünf Jahre lang an Seekrankheit gelitten und charakterisiert ihn als "tapfer". Er betrachtet die Protagonisten mit neuer poetischer Brille, "zwischenmenschlich, auf Augenhöhe. Seit langem befasst sich Andreas H. Drescher intensiv mit der literarischen Figur eines Geschichtenerzählers. Dieser "Maldix" ist eine Art virtueller Cousin des Ariel auf der Theaterbühne. Zurzeit arbeitet er auch an einem Band mit Kurzprosa mit dem Titel "Mein alter Schwarzfernseher". Zweidrittel sind fertig, bald heißt es: "hinschicken, hoffen, Daumen drücken, warten." Andreas H. Drescher: "Darwins Schöpfungsgeschichte. Auf der Suche nach dem verlorenen Paradies." Sprecher: Thomas Arnold, Sonja Deutsch. Bellervive Hörverlag Berlin. 19,95 Euro.

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