Analyse der Ergebnisse der Gemeinderatswahlen im Kreis Saarlouis

Stadt- und Gemeinderatswahlen im Kreis Saarlouis: Analyse : Die SPD profitiert von erfolgreichen Kandidaten

Nur an wenigen Stellen reißen die Ergebnisse der Wahlen zu Stadt- und Gemeinderäten im Kreis Saarlouis aus den Trends aus: CDU und SPD schrumpfen, die Grünen wachsen - aber nicht überall gleich stark. Freie haben weiter Zulauf.

In Saarlouis kann die Kooperation aus CDU und Grünen weitergehen. Bislang brauchte Schwarz-Grün ein bis zwei Stimmen von anderen Gruppierungen, um ihre Anträge durch zu kriegen. Das klappte fast immer. Offenbar haben die Wähler das honoriert. Zwar verlor die CDU einen Sitz (32 Prozent, minus 1,2), doch die Grünen gewannen drei hinzu (16,2 Prozent, plus 6,1). Die SPD rutschte weiter auf 29,5 Prozent ab (minus 5,8 Prozent, minus drei Sitze). Von einem auf drei Sitze vergrößerte sich die AfD (jetzt 7,8 Prozent). Die FDP verdoppelte sich auf zwei Sitze (jetzt 4,6 Prozent). Die FWG dagegen hat sich auf 2,2 Prozent beinahe halbiert (jetzt ein Sitz).

Der Dillinger Stadtrat verändert sich vor allem bei den Anteilen der kleinen Fraktionen: Einer starken CDU mit 39,6 Prozent und einer leicht geschwächten SPD mit 26,6 Prozent stehen fünf kleine Parteien gegenüber. Die Linke, AfD und Grüne sind im neuen Stadtrat mit jeweils drei Sitzen vertreten. Während die Linke einen Sitz einbüßt, schaffen AFD und Grüne, die zuletzt nicht mehr im Rat vertreten waren, nachdem die bisherige Fraktion geschlossen ausgetreten war, auf Anhieb Fraktionsstärke. Die FDP bleibt bei einem Sitz, den dem Vernehmen nach der unterlegene Bürgermeisterkandidat Helge Lorenz antreten wird. Die ÖBl schrumpft von zwei auf einen Sitz, die hat mit 3,6 Prozent ihr bisher schwächstes Ergebnis zu verschmerzen. Bei der Sitzverteilung verlieren CDU einen, die SPD zwei Vertreter.

Fast klassische, stabile Verhältnisse in Lebach: Dort wird die stärkste Fraktion, die CDU, mit 43 Prozent noch etwas stärker (plus 2,4 Prozent, plus ein Sitz). Die SPD bleibt mit 27,4 Prozent fast stabil (minus 0,3 Prozent). Doch beide Parteien vermochten die eigene Klientel nicht an ihre Bürgermeister-Kandidaten zu binden: Maik Müller von der CDU holte 15,6 Prozent, Jörg Wilbois von der SPD 17,9. Sie und zwei weitere Bewerber schlug Amtsinhaber Klauspeter Brill (parteilos) im ersten Wahlgang aus dem Feld. Die Grünen springen um 5,8 Prozent auf 9,1 (plus zwei Sitze). Die FDP (12,2 Prozent, plus 2,5) ist jetzt mit vier Sitzen im Rat.

Nalbach kommt aus diesen Wahlen fast wie ein Exot heraus. Dort sprang die CDU um 11,1 Prozent auf 36,7 Prozent (jetzt zehn Sitze, plus drei). Die SPD steigerte sich um 1,8 Prozent auf 55,9 Prozent - wovon die Sozialdemokraten sonst kaum mehr träumen können. Trotzdem kam deren Bürgermeister-Kandidat Christian Weber nur auf 34,6 Prozent. Amtsinhaber Peter Lehnert fuhr 65,4 Prozent ein - er ist Einzelbewerber, gehört aber den Grünen an, die für den Nalbacher Rat gar nicht kandidierten.

Vom Kandidaten, den sie für das Bürgermeisteramt aufgestellt hat, profitierte in Wadgassen die SPD. Sie legte gegen den Trend um 5,2 Prozent auf 46,1 Prozent (ein Sitz mehr als bisher) zu. Kandidat Sebastian Greiber gewann das Rathaus mit fast 71 Prozent. Die CDU dagegen verkleinerte sich um zwei auf neun der 33 Ratssitze (28,1 Prozent, minus 3,9). Trotz engagierter Einsätze von Adriano Pitillo blieben die Grünen mit 9,7 Prozent (plus 2,7) hinter dem Trend zurück.

Eine Klatsche gab es für die Partei des bisherigen Bürgermeisters von Ensdorf, die CDU. Deren Kandidat kam auf 31,2 Prozent, die Partei selbst sackte um 7,1 Prozent auf 38,3 ab. Der grüne Kandidat Dietrich Bickelmann schaffte 12,1 Prozent, seine Partei kletterte um fünf Prozent auf 15,4 Prozent. Das Rathaus-Rennen indes machte der parteilose Jörg Wilhelmy. In Ensdorf (Wahlbeteiligung 81,7 Prozent) legten die Freien Wähler um vier Prozent auf 13,4 Prozent zu.

Schwalbach gehört zu den Kommunen, in denen die Wähler den Großen die heftigsten Klatschen verpassten. So musste die stärkste Fraktion, die CDU, 5,7 Prozent lassen (jetzt 36,6 Prozent, zwölf Sitze, drei weniger als bisher), die SPD neun Prozent (jetzt 25,4 Prozent, neun Sitze, drei weniger). Was alles nichts daran änderte, dass Amtsinhaber Hans-Joachim Neumeyer, Kandidat der CDU und einziger Bewerber, mit 76 Prozent erneut Bürgermeister wurde. Als Wahlsieger in Schwalbach darf sich wohl die UWG betrachten. Die Unabhängigen schafften aus dem Stand 8,8 Prozent (drei Sitze). In Hülzweiler sind sie nach der CDU die zweitstärkste Fraktion. Sie forderten unter anderem mehr Transparenz für Immobilienbesitzer bei Ortskernsanierungen.

Gewohnt eher ruhige Verhältnisse in Überherrn: Dort legte die SPD leicht um 2,4 Prozent auf 44,3 Prozent zu. Das ist der SPD-Kandidatin für Bürgermeisteramt, Anne Yliniva-Hoffmann zu verdanken, die mit 42,9 Prozent in die Stichwahl geht. Gegner ist der Parteilose Michael Fetik (27,5 Prozent). Die CDU kam im Rat auf 36,1 Prozent, das sind 3,7 Prozent weniger als bisher. Die Grünen steigerten sich um 5,2 Prozent auf 12,2 Prozent (vier Sitze, zwei mehr als bisher).

Abschmelzen der Großen auch in Saarwellingen: Die SPD verliert 4,7 Prozent (jetzt 39,1, minus zwei Sitze), die CDU verliert 34 Prozent (jetzt 29,9 Prozent, minus zwei Sitze). Auch die FWG fährt zwei Sitze mehr ein (satte 17,7 Prozent, plus 5,1). Die Grünen legen mit 3,9 Prozent auf eher unterdurchschnittliche 7,4 Prozent zu.

Die Bouser Wähler haben erkennbar zwei Einsätze honoriert: Der parteilose Bürgermeister Stefan Louis geht mit 66,6 Prozent in eine dritte Amtszeit. Und die Grünen um den rührigen Christoph Küntzer kletterten um 8,3 auf 18,7 Prozent (fünf statt drei Sitze). CDU (35 Prozent, minus ein Sitz) und SPD 23,1 Prozent (minus zwei Sitze) wurden um jeweils gut vier Prozent verkleinert. Die Linke hatte sich in die Linke und die Linke Liste Bous gespalten, beide zusammen hielten das vorherige Linken-Ergebnis (drei Sitze).

Als sichere SPD-Hochburg kann die Gemeinde Rehlingen-Siersburg weiterhin gelten: Mit satten 49 Prozent fuhr die Partei in der Niedtalgemeinde das zweitbeste Ergebnis kreisweit ein. Und das obwohl die SPD bei der Bürgermeisterwahl im vergangenen Herbst einen herben Verlust erlitten hatte. Im künftigen Gemeinderat hat die SPD 16 Sitze, das sind drei weniger als zuvor, damit verliert sie die absolute Mehrheit. Die CDU gewinnt einen Sitz dazu, sie kommt künftig auf zwölf Sitze, das entspricht 36,1 Prozent. Die Grünen-Fraktion verdoppelt sich auf vier Sitze, sie hat ihr Ergebnis um 5,4 Prozent verbessert. Die Linke hat ihren Sitz im Gemeinderat verloren, dafür ist die FDP nun vertreten mit einem Sitz und 4,3 Prozent. Die Wahlbeteilung von insgesamt 70,0 Prozent (8471 Stimmen) kann sich sehen lassen.

In Wallerfangen bleibt fast alles wie gehabt: Die SPD stellt mit 38,2 Prozent die stärkste Fraktion, auch wenn sie einen Sitz einbüßt und künftig mit elf vertreten ist. Auch die CDU verliert einen Sitz und kommt künftig auf neun, das entspricht 32,4 Prozent. Die kleineren Parteien profitieren: Deutlich gewonnen hat die FWG Wallerfangen, nämlich 5,3 Prozent, und sie hat nun drei statt zwei Sitze im Gemeinderat. Auch die Grünen gewinnen 5,2 Prozent dazu, sie haben nun statt einem drei Sitze im Rat und können eine eigene Fraktion bilden. Die Linke verliert einen Sitz, bleibt aber mit 6,3 Prozent im Rat vertreten. Ob die SPD weiterhin eine Mehrheitskoalition mit Grüne und FWG bildet, ist noch offen. Die Wahlbeteiligung war auch in Wallerfangen mit 70,3 Prozent (5380 Stimmen) hoch.

Fast wie in der Hochzeit der stabilen Volksparteien: Schmelz. Die SPD bleibt mit 42,3 Prozent stärkste Kraft (minus 0,1), die CDU verliert etwas (minus 1,9 Prozent, jetzt 40). Beide haben nun je 14 Sitze. Der SPD-Kandidat für das Rathaus, Wolfram Lang, packte es trotzdem im ersten Anlauf mit knappen 50,2 Prozent gegen vier weitere Bewerber, allesamt parteilos. Linke, Grüne und FDP (wieder im Rat) legten signifikant zu, die Grünen aber nur auf magere 6,9 Prozent.

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