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Hilfsprojekt
Hans Enzinger spürt den Geist von Harambee

Dicht gedrängt sitzen die Kinder in einer Grundschule in Nyandiwa auf den einfachen Holzbänken.
Dicht gedrängt sitzen die Kinder in einer Grundschule in Nyandiwa auf den einfachen Holzbänken. FOTO: Hans Enzinger
Roden. Altpfadfinder aus Deutschland, Italien und Liechtenstein engagieren sich bei einem Projekt zur Selbsthilfe am Victoriasee in Kenia. Von Nicole Bastong

In Roden kennt Hans Enzinger fast jeder – oder wenigstens seine Spendendose, die er bei jeder Gelegenheit herumreicht. Unermüdlich sammelt der 76-jährige Altpfadfinder für ein Hilfsprojekt in Kenia, um das er sich seit Jahren kümmert. Enzinger ist aktiv im Vorstand des Verbands Deutscher Altpfadfinder-Gilden (VDAPG) und der Rodener leitet die deutsche Beteiligung am internationalen Hilfsprojekt Harambee Education Kenya (HEK) am Victoriasee in Kenia. Die HEK-Partner aus drei Ländern planen gemeinsam mit der Bevölkerung Angebote insbesondere für die junge Generation, berichtet Enzinger. Schwerpunkte liegen auf der Bildung und auf internationalen Begegungen europäischer und kenianischer Pfadfinder. „Wir bieten Hilfe zur Selbsthilfe, auf Augenhöhe zwischen Europäern und Afrikanern, das ist uns wichtig“, fasst er zusammen.


„Harambee“ ist Suaheli und bedeutet „Zusammenarbeiten“. In diesem Sinne wächst auch das Projekt: Es geht darum, vor Ort konkrete Bedürfnisse zu ermitteln, Hilfe zu planen und umzusetzen – und auch später zu überprüfen, ob das Ziel erreicht wurde. „Es geht nicht um Wohlfahrtsprojekte, sondern um Einrichtungen, die die Einheimischen in Selbstverwaltung weiterführen können“, erklärt Enzinger.

Das Gwassi-Gebiet am Victoriasee ist eines der ärmsten in Kenia. Die Straßen sind einfache Pfade, die Menschen wohnen in schlichten Hütten ohne Wasseranschluss oder sanitäre Anlagen. Sie leben von Fischfang und ein wenig Ackerbau. Schon seit den Siebzigern engagieren sich Pfadfinder aus aller Welt dort in Hilfsprojekten. Enzinger war bereits drei Mal in Kenia und hat sich selbst ein Bild gemacht. 2012 hat er zum ersten Mal den „Geist von Harambee“ gespürt, erzählt er. Von den Hilfsangeboten vor Ort und vor allem vom Lerneifer der Kinder war er begeistert. Seitdem hat ihn der Ehrgeiz gepackt, noch mehr zu tun. „Wir wollen einfache Ideen zum Nachmachen: Fischzucht, Hühnerzucht, Anbau von Sonnenblumen, um Öl zu pressen“, sagt er. So haben etwa die Einheimischen lange mit Paraffin gekocht, nun können sie seit zwei Jahren ihr Öl selbst herstellen.



Der nächste Besuch ist schon geplant. Mit Hans Enzinger reisen sieben Deutsche, davon vier aus dem Raum Saarlouis. Für seine Mitstreiter hält er derzeit Vorbereitungsseminare in Roden. „Ich erkläre, was sie dort erwartet: an Armut, an sanitären Einrichtungen, an Müll auf den Straßen, an bettelnden Kindern. Für manche ist das ein Kulturschock.“ Die Besucher übernachten im Camp für Lehrerausbildung in einem einfachen Gästehaus, „das Essen ist gewöhnungsbedürftig“, berichtet Enzinger schmunzelnd.

Er ist gespannt auf das jüngste Großprojekt, das 2014 bis 2016 umgesetzt wurde, ein Sportzentrum für die Jugend. Es dient nicht nur der Freizeitgestaltung, sondern auch für Veranstaltungen auf regionaler Ebene, etwa Sport-Turniere, Kunstveranstaltungen oder auch politische Versammlungen. Mitte Februar fliegt Enzinger wieder nach Kenia, trotz gesundheitlicher Probleme. Bis dahin wirbt er weiter um Spenden. „Jeder Euro geht überprüfbar direkt in die Projektförderung“, verspricht Enzinger. Es werden keine Verwaltungs- oder Personalkosten aus Spenden finanziert. Auch die Kosten für ihre eigenen Reisen nach Kenia tragen die Altpfadfinder selbst.

Spendenkonto: VDAPG e.V., Kennwort Projekt Kenia, IBAN: DE 16255514800320014160, BIC: NOLADE21SHG

Altpfadfinder Hans Enzinger (links) aus Roden während einer Pause auf einem Schulhof in Kenia.
Altpfadfinder Hans Enzinger (links) aus Roden während einer Pause auf einem Schulhof in Kenia. FOTO: Hans Enzinger