| 20:48 Uhr

Pfadfinder
Altpfadfinder besuchten ihr Projekt in Kenia

Dominik Kiefer, Ralf Jaeger, Naina Ehwein, Ole Holz, Werner Adam, Andy Siekmann, Heidi Siekmann und Hans Enzinger (von links) in Kenia.
Dominik Kiefer, Ralf Jaeger, Naina Ehwein, Ole Holz, Werner Adam, Andy Siekmann, Heidi Siekmann und Hans Enzinger (von links) in Kenia. FOTO: Hans Enzinger
Roden. Hilfe zur Selbsthilfe bieten Altpfadfinder in Kenia an. Bei einem Besuch überzeugten sich Rodener Pfadfinder nun von den Erfolgen. Von Nicole Bastong

„Das war meine letzte Fahrt“, ist sich Hans Enzinger sicher. Der 76-Jährige aus Roden berichtet von der strapaziösen Reise nach Kenia, nach der er sich zu Hause erst einmal auskurieren musste. Unermüdlich sammelt der Altpfadfinder für ein Hilfsprojekt in Kenia (die SZ berichtete). Enzinger ist aktiv im Vorstand des Verbands Deutscher Altpfadfinder-Gilden (VDAPG), der Rodener leitet die deutsche Beteiligung am Hilfsprojekt Harambee Education Kenya (HEK) in Kenia (siehe Info). „Wir bieten Hilfe zur Selbsthilfe, auf Augenhöhe zwischen Europäern und Afrikanern“, erklärt Enzinger. „Und Lernen durch Nachahmen.“ Zum Beispiel Fisch- und Hühnerzucht oder der Anbau von Sonnenblumen, um Öl zu pressen, wird vor Ort vermittelt. Von den Spendengeldern werden außerdem Bildungseinrichtungen finanziert.


Enzinger hat sich nun zum vierten Mal in Kenia persönlich ein Bild gemacht, wie die Projekte laufen, für die er sammelt. Mit einer achtköpfigen Gruppe aus Deutschland, zwei Frauen und sechs Männer, ist er Mitte Februar wieder in die arme Gegend am Victoriasee gereist. Die Hälfte der Gruppe kommt aus dem Saarland, neben Enzinger selbst noch Dominik Kiefer aus Roden, Naima Ehwein aus Picard und Werner Adam aus Saarlouis, die übrigen aus dem Raum Frankfurt und Hamburg. Neben Besuchen in den verschiedenen Projekten und bei den Einheimischen besuchten die Gäste aus Deutschland auch eine Messe in der überwiegend christlich geprägten Region und übergaben dort das Friedenslicht.

Knapp drei Wochen lang dauerte die abenteuerliche Reise, bei widrigem Wetter in der Regenzeit, wie Enzinger berichtet. „Schon bei der Anreise lief einiges schief“, schmunzelt er, „als wir in Nairobi landeten, war unser Gepäck in London. Und wir mussten ja weiter!“ Denn von Nairobi, Kenias Hauptstadt aus, ging es mit dem Bus noch stundenlang weiter, um schließlich dort, wo es statt Straßen nur noch Pfade gibt, auf Motorradtaxis umzusteigen. „30 Kilometer vom Ort entfernt beginnt die erste geteerte Straße“, sagt Enzinger. „Tourismus etwa ist dort überhaupt nicht möglich.“



Das HKE-Camp liegt am Rande des „Dorfes“, wie Enzinger sagt, das rund 18 000 Einwohner hat. Die Besucher übernachteten im Camp in einem einfachen Gästehaus. „Im Camp selbst geht es gut voran“, freut sich Enzinger, insbesondere die Ausbildung von Studenten zu Grundschullehrern werde gut angenommen. „Das Lehrerseminar kostet gerade mal rund 93 000 Euro im Jahr, mit allem drum und dran“, betont Enzinger, „und es bringt so viel Nutzen.“

Im Camp werden außerdem Hühner und Ziegen gezüchtet, Eier, geräucherter Fisch, Öl und nun auch Schmuck beispielsweise verkauft. „Und das Prinzip des Nachahmens funktioniert“, erzählt Enzinger: So gebe es im Camp inzwischen schon einige Computer, die als eine Art Internet-Café genutzt würden.

30 Beschäftigte insgesamt, davon 13 Frauen, hat das Camp, sie arbeiten als Lehrer, Köche, Wachleute oder Hausmeister. „Teile des Camps sind mittlerweile über 30 Jahre alt, da müssen wir wieder investieren“, meint Enzinger. Weil sie dieses Jahr wieder viele Stromausfälle erlebten und das Camp zudem einen hohen Verbrauch habe, wollen die Altpfadfinder nun auf Solarenergie umrüsten. Auch kleinere Wünsche können von den Spenden – 4000 Euro waren es allein aus dem Saarland im letzten halben Jahr – erfüllt werden: Diesmal etwa eine Schaukel für den Kindergarten. Enzinger will nun außerdem Geld für neue Schul- und Kindergartenkleidung sammeln. „Was ich gesehen habe, war meist sehr abgetragen. Und natürlich will ich die Kleidung dort nähen lassen.“ Die Eltern der Kinder, sofern sie noch welche haben, denn es gibt viele Aids-Waisen, berichtet der Altpfadfinder, können keine Schuluniform zahlen. „Der Kindergartenbeitrag ist ein Euro – das haben viele Familien nicht.“

Doch der Ansatz des Projektes sind keine punktuellen Hilfen wie Patenschaften, betont Enzinger: „Es soll eine Hilfe für alle sein. Wir sammeln also beispielsweise nicht Kleider für manche der Kinder, sondern wir spenden einen Fußball, mit dem alle spielen.“

Die Benutzung des einfachen Stadions, das die Altfpfadfinder mit 75 000 Euro komplett finanziert haben, ist stark angestiegen, berichtet Enzinger. Während ihres Besuches hatten die Gäste einen Halbmarathon ausgeschrieben, daran nahmen rund 80 Läufer teil, „davon die Hälfte Frauen“, freut sich der Rodener. Überhaupt habe sich die Teilhabe der Frauen verändert, stellt Enzinger fest: „Durch die Gleichbehandlung in unserem Camp haben die Frauen gelernt, was sie können und welche Möglichkeiten sie haben. Das strahlt auch in ihre Dörfer in ganz Kenia aus.“ Und als Lehrerinnen trügen die Frauen den Gedanken ohnehin weiter.

Seine Fotos vom letzten Besuch in Nyandiwa zeigt Enzinger bald im Karl-Thiel-Haus in Roden in einer kleinen Ausstellung. Um Spenden wirbt der pensionierte Ingenieur natürlich weiterhin: „Jeder Euro geht überprüfbar direkt in die Projektförderung“, verspricht Enzinger. Es werden keine Verwaltungs- oder Personalkosten aus Spenden finanziert. Auch die Kosten für die Reisen nach Kenia tragen die Altpfadfinder selbst.

Spendenkonto: VDAPG e.V., Kennwort Projekt Kenia,
IBAN: DE 1625 5514 8003 2001 4160,
BIC: NOLADE21SHG

Das erste Projekt der Pfadfinder war der Kindergarten. Die Reisegruppe spielte mit den Kinder Deutsche und Afrikanische Kinderspiele.
Das erste Projekt der Pfadfinder war der Kindergarten. Die Reisegruppe spielte mit den Kinder Deutsche und Afrikanische Kinderspiele. FOTO: Hans Enzinger
Riesenspaß für die Kinder: Die Schaukel wurde vor Ort in einer Schlosserei angefertigt und während des Aufenthalt im Kindergarten montiert, gesponsert mit Spenden aus Roden.
Riesenspaß für die Kinder: Die Schaukel wurde vor Ort in einer Schlosserei angefertigt und während des Aufenthalt im Kindergarten montiert, gesponsert mit Spenden aus Roden. FOTO: Hans Enzinger